düsseldorf

Licht aus, Spot an!

Lichter, Leuchten, Wunder» – der Titel des Rundgangs durch das historische Düsseldorf versprach Erhellendes. Allerdings verdunkelte dichtes Schneetreiben die gemeinsame Aktion der Jüdischen Gemeinde und der Geschichtswerkstatt Düsseldorf. Vanessa Rothe, Kulturbeauftragte in der Jüdischen Ge- meinde Düsseldorf, sah sich gezwungen, das Programm den Witterungsumständen anzupassen. Geplant war ein Rundgang durch die Düsseldorfer Altstadt sowie den Hofgarten, bei dem historische Gaslaternen den thematischen Mittelpunkt darstellen sollten. Die Informationen zur Stadtbeleuchtung zu Zeiten Jan Wellems (Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg, 1658–1716) von Dieter Jäger, Mitglied der Geschichtswerkstatt, ergänzte Julian Chaim Soussan, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, mit Geschichten zum Thema Licht aus der jüdischen Mythologie. Ein Dutzend Unerschrockener machte sich trotz Kälte auf den Weg der Erleuchtung, der vom Schlossturm auf dem Burgplatz zunächst in Richtung Marktplatz führte. «Ich bin das erste Mal bei einem derartigen Angebot dabei, der Rabbiner hat mich neugierig gemacht», sagte Rudolf Dovgvillo, der vor zwei Jahren aus dem lettischen Riga nach Düsseldorf gekommen war.

klimaschutz Dieter Jäger, pensionierter Lehrer für Französisch und Geschichte, war beim Thema Laternen in seinem Element, denn neben zahlreichen Prominenten der Stadt wie Gabriele Henkel oder Tony Cragg als Leiter der Kunstakademie macht sich auch die Geschichtswerkstatt für den Erhalt der historischen Gaslaternen in der Stadt stark. Aus Klimaschutzgründen war nämlich im Rathaus erwogen worden, alle 19.000 Gaslaternen durch energiesparende Lampen mit LED-Technik zu ersetzen. «Wir setzen uns dafür ein, dass wenigstens rund 3.500 der alten Laternen erhalten werden», sagte Jäger. Etwa 380 Laternen des Frankfurter Typs unterstreichen das historische Ambiente des Hofgartens, rund 3.200 Alt-Düsseldorfer-Laternen verbreiten ihr anheimelnd warmes Licht in verschiedenen historischen Vierteln der Stadt. Auf einige La- ternen des Alt-Düsseldorfer Typs konnte Jäger in der Altstadt hinweisen. Nach einer Auftauphase in einem nahe gelegenen Café, das nach verkürztem Rundgang aufgesucht wurde, erzählte Jäger Geschichten zur Laterne. So ließ die Obrigleit die ersten Laternen nicht etwa zur Sicherheit der Bürger, sondern vielmehr zu deren Überwachung installieren. «Laternen waren also auch Symbole der Unterdrückung, und nicht zuletzt deshalb wurden während der Französischen Revolution Menschen häufig an Laternen aufgehängt», erklärte Jäger, dessen Licht-Geschichten aus dem großen Paris auch in «Klein-Paris», wie sich Düsseldorf gerne nennt, auf interessierte Ohren stießen.
Mit dem Exkurs in die Stadtgeschichte, der mit Erzählungen aus dem Judentum verbunden wird, verfolgt die jüdische Gemeinde ein doppeltes Anliegen. «Wir möchten den zahlreichen Neumitgliedern die Integration in die Gemeinde erleichtern, aber viele sehen die Gemeinde lediglich als Hilfe zur Integration in Deutschland an», sagte Rabbiner Soussan, der seit sieben Jahren in Düsseldorf tätig ist. In der Tat ist die jüdische Gemeinde in Düsseldorf mit rund 7.500 Mitgliedern mittlerweile größer als vor dem Holocaust, und mit rund 6.000 Neumitgliedern steht sie an der Spitze in Deutschland.

spirituell «Allerdings kommen viele aus Ländern Osteuropas und den ehemaligen GUS-Staaten, in denen der Kommunismus den jüdischen Glauben massiv unterdrückt und dazu geführt hat, dass das, was jüdisches Leben ausmacht, gelegentlich so gut wie unbekannt ist», bedauerte der Rabbiner, der zunächst auf Chanukka hinwies, das den Sieg des Lichts über die Dunkelheit als Synonym für die Überwindung des Bösen bedeutet. Das Lichterfest, gleichermaßen im Talmud wie im ersten Buch der Makkabäer erwähnt, geht auf den Sieg makkabäischer Juden über hellenisierte Juden und Syrer zurück. Im Jahre 164 v.u.Z. wurde der Tempel in Jerusalem zurückerobert und sollte zum zweiten Mal eingeweiht werden. Man fand aber nur einen Krug mit Öl, der von den vorherigen Besetzern nicht verunreinigt worden war und der noch über das unversehrte Siegel des Hohepriesters verfügte. «Obwohl die Ölmenge höchstens für einen Tag ausgereicht hätte, um die Flamme des Leuchters brennen zu lassen, geschah ein Licht-Wunder, denn der Leuchter brannte acht Tage lang», erzählte der Rabbiner.
Die Geschichte von Adam und Eva war eine weitere, mit der das Licht, vielmehr zunächst die Dunkelheit, in die jüdische Mythologie kam. «Nach dem Sündenfall verschwand Gott aus der Welt und mit ihm das Licht, aber das nur, weil jahreszeitlich bedingt die Tage kürzer wurden», erklärt Soussan. Doch Adam und Eva begannen zu beten, und als die Tage wieder länger wurden, hatte das Licht auch eine spirituelle Bedeutung gewonnen.
Verdutztes Staunen erzeugte Soussans Beispiel jüdischer Arithmetik: «Wir zünden den neunarmigen Leuchter an, weil der siebenarmige acht Tage lang gebrannt hat», so der Rabbiner, der mit seinen Geschichten einiges Licht in die Dunkelheit des Nichtwissens brachte.

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