Moishe Arye Friedman

Küsschen für Mahmud

von Christian Höller

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) in Wien hat den radikalen »Rabbiner« Moishe Arye Friedman ausgeschlossen. »Der Beschluss ist im Vorstand einstimmig erfolgt«, sagt IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer. Der Ausschluss erfolgte wegen grob schädigendem Verhalten, insbesondere wegen Friedmans Kontakten zu »geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Kreisen«. Nachdem Friedman im Dezember als Vertreter der jüdischen Sekte Neturei Karta an der Holocaust-Konferenz in Teheran teilgenommen hatte, ist der IKG der Geduldsfaden gerissen. Die Kultusgemeinde, das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands und Einzelpersonen erstatteten wegen der Verharmlosung des Holocaust Anzeige gegen Friedman.
Friedman bezeichnet sich als »Oberrabiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde«. Da der Titel Rabbiner nicht geschützt ist, kann sich in Österreich jeder so nennen. Friedman hat schon seit Längerem Hausverbot in allen Synagogen der IKG. Der 34-jährige, in New York geborene Friedman lebt seit 1998 in Wien. Er unterhält hier engen Kontakt zur rechten Szene. »Bei Friedman tritt ein religiös verbrämter Wahn mit einem starken Hang zur Selbstdarstellung auf«, meint Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. In einem Interview mit der Wiener Wochenzeitung Zur Zeit, dessen Her- ausgeber der rechtspopulistischen FPÖ nahesteht, bezeichnete Friedman die Palästinensergebiete als ein »riesiges Konzentrationslager«. Friedman betet nach eigenen Angaben dreimal täglich für die friedliche Auflösung des Staates Israel, den er manifest ablehnt, da erst der Messias die Juden ins Heilige Land zurückführen dürfe.
Im Gespräch mit der israelischen Zeitung Haaretz lobte Friedman die Konferenz in Teheran als »Fest der freien Meinungsäußerung«, mit dem der Iran »der Welt ein Zeichen gesetzt« habe. »Das iranische Außenministerium beherbergte mich in einem 150 Quadratmeter großen Palast, und ich durfte mit jedem sprechen, wie ich wünschte.« Friedman lobte den »besonders freundlichen« iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. »Zwar gibt es nur ein einziges Foto, auf dem wir uns gerade küssen. Tatsächlich haben wir uns aber zwanzig bis dreißig Mal geküsst«, versicherte Friedman.
Friedman bestreitet, in Teheran die Zahl der im Holocaust getöteten Juden in Frage gestellt zu haben. Möglicherweise befürchtet er, wie der rechtsextreme Historiker David Irving in Österreich belangt zu werden – die Leugnung und Verharmlosung des Holocaust steht dort unter Strafe. Nach der Anzeige durch die IKG kündigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien detaillierte Ermittlungen an: »Wir werden alle Unterlagen und die Vorträge genau ansehen und analysieren.«

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026