zukunft

Kreide war gestern

Buchstabe für Buchstabe schreibt die neunjährige Vivi mit ihrem Zeigefinger auf die weiße Tafel – bis das Wort »Tastatur« fertig ist. Als Schriftart hat sie sich Sternchen ausgesucht. »Drucker«, »Internet« und »Mail« haben ihre Klassenkameraden bereits ge-
schrieben – allerdings nicht mit Kreide, sondern alle mit dem Finger. Die herkömmliche grüne Tafel ist abgebaut worden im Raum der 3. Klasse der Heinz-Galinski-Schule. Denn die Kinder arbeiten seit ein paar Tagen am Smart Board, der weißen elektronischen Tafel.
Ab Herbst sollen alle Klassen-, Musik- und Hebräischräume mit einen interaktiven Board ausgestattet sein. Vivi setzt sich kichernd auf ihren Platz. Alle Schüler verfolgen aufmerksam, was auf der neuen Tafel geschieht. Ihre Klassenlehrerin Martina Godesa schreibt »Guten Tag« auf das weiße Feld, zieht mit dem Finger einen Rahmen um die Wörter, tippt auf ein be-
stimmtes Zeichen der Symbolleiste und prompt wird die Schreib- zu Druckschrift umgewandelt. Allerdings steht nun »Guten lag« dort. »Ihr seht, wir üben noch«, sagt Martina Godesa und schmunzelt.

Technik Die Tafel mit einem feuchten Schwamm abwischen und Kreide wegräumen – das war früher immer Aufgabe des Schülers, der das Tafelamt inne hatte. Nun hat der eine neue, andere Aufgabe: »Ab-
speichern«. Alles, was an einem Schultag bearbeitet worden ist, wird unter dem je-
weiligen Datum festgehalten. Jeder Be-
fehl kann mit einem Fingerdruck (Touch-screen) auf der Tafel geschehen. Zum Smart Board gehört noch ein Laptop, über den beispielsweise Arbeitsblätter gespeichert werden. »Früher hatte ich eine Ta-
sche mit Unterrichtsmaterialien, nun brauche ich nur noch einen Stick«, sagt Godesa.
Die Grundschule an der Waldschulallee ist damit eine der wenigen in Berlin, die über dieses Angebot verfügen. Die Smart Boards wurden komplett über Spenden finanziert, aber es fehlen noch einige Laptops, für die ebenfalls noch Unterstützer gesucht werden. »Mit der neuen Technik haben wir gute Möglichkeiten, besseren Unterricht zu machen und die Kinder sind einfach motivierter«, sagt Schulleiterin Noga Hartmann. Dadurch würden sie besser lernen. Zudem könne die Schule beispielsweise viele Programme aus Israel übernehmen und von Klassenzimmer zu Klassenzimmer mit den Partnerschulen kommunizieren.

Video Mithilfe der Smart Boards möchte Martina Godesa ihre Schüler mehr zum Mitdenken bringen. »Bisher gab es immer Arbeitsbögen, auf denen die Schüler nur ein Wort einsetzen mussten«, so die Lehrerin. Nun werden die Aufgaben, die vorher per Stick in den Laptop übertragen werden, an der Tafel gestellt. Statt an ihrem Platz zu sitzen und zu arbeiten, hofft Godesa, dass die Schüler mehr schreiben. »Ich habe ganz viel Spaß mit der neuen Tafel«, sagt Vivi. Außerdem müssten sie nun nicht mehr den weiten Weg zum Videoraum gehen, da auf ihr auch Filme gezeigt werden können, sagt Rachel. Mit einem Klick ist alles weggewischt, freut sich Roman. Es gibt Zauberstifte, mit denen man ganz viel umwandeln und befehlen kann, meint Chantal. Das gefalle ihr.
264 Kinder besuchen derzeit die Schule,von denen zwölf Prozent nichtjüdisch sind. »Wir wünschen uns noch mehr jüdische und auch nichtjüdische Kinder«, sagt Mirjam Marcus, Bildungsdezernentin der Gemeinde. Im kommenden Schuljahr werde es 17 Klassen geben, und es seien noch einige Plätze frei. Das Schulgeld richte sich nach der Höhe des elterlichen Einkommens. Es beträgt im Höchstsatz 280 Euro für Gemeindemitglieder und 305 für Nichtmitglieder, inclusive Essensgeld. Der Schulbus koste zwischen 95 oder 110 Euro pro Monat zusätzlich.
Neu sei an der Schule neben den Smart Boards, dass nun eine Ganztagsbetreuung bis 18 Uhr eingerichtet worden sei. Außerdem bieten Makkabi und andere Vereine nachmittags in der Schule Judo-, Schach- und Theaterkurse an. Und auch andere Pläne gibt es, deutet Noga Hartmann an. Sie möchte, dass noch mehr Kinder an der Waldschulallee »lebhaft und friedlich« zusammen lernen, »und die Schule soll eine Marke werden, die für Qualität steht«.
Eine grüne Tafel hängt übrigens immer noch im Klassenraum der 3. Klasse – allerdings jetzt als Schiebetür vor dem Bücherregal. Man wisse ja nie, schließlich könne es ja auch mal einen Stromausfall geben, sagt die stellvertretende Schulleiterin,
Soraya Koziner.

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