Duisburg

Kontaktbörse

Wenn Michael Rubinstein in seinem Büro sitzt, hat er immer ein Auge auf die »Interkulturellen Wochen Duisburg«. Die Plakate von 2007 und 2008 hängen an der Wand, das bunte Logo aus diesem Jahr prangt an seinem Revers. Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg‐Mülheim‐Oberhausen war in den vergangenen zwölf Tagen federführend bei der Veranstaltung. Er ist zufrieden mit der Begegnung der Kulturen und Religionen, aber im nächsten Jahr könnte einiges noch besser laufen.
Eigentlich sollte der Veranstalter jedesmal wechseln, doch auch in diesem Jahr organisierte die jüdische Gemeinde die interkulturellen Tage, zum fünften Mal in Folge. Für die ebenfalls beteiligten Chris‐
ten, Muslime und Verbände ist dies der einfachste Weg: »Zum einen übernimmt jemand die Arbeit. Zum anderen ma‐
chen wir sie auch gut«, erklärt Rubinstein.
»Die finanziellen Ressourcen sind das größte Problem«, sagt Rubinstein. Auch mit der Resonanz in den lokalen Me‐
dien ist er nicht zufrieden. »Ohne Öffentlichkeit keine Sponsoren. Wir mussten dieses Jahr schon kräftig sparen.« Deshalb möchte der Geschäftsführer auch die Zahl der Veranstaltungen deutlich reduzieren. 52 waren es in diesem Jahr. »Fünfzehn gute würden auch reichen oder vielleicht 24.«
Trotz dieser Sorgen möchte Rubinstein an der Veranstaltungsreihe nicht rühren. »Sie hat der Gemeinde sehr viel Sympathie eingebracht. Wir sind durch sie in der Stadt zu einem akzeptierten und gefragten Partner geworden.« Zahlreiche Stellen schätzten das Engagement. Es habe durchaus Vorwürfe gegeben, dass sich die jüdische Ge‐
meinde nur dann meldete, wenn es etwas zu kritisieren oder Geld zu verteilen gäbe.
Auch auf den interkulturellen Dialog lässt Michael Rubinstein nichts kommen. »Ich glaube schon, dass durch die Veranstaltungen mehr Menschen miteinander in Kontakt kommen und miteinander reden. Wenn nur fünf Leute die Synagoge besuchen, die sonst nie gekommen wären, die sich trauen und mit denen man reden kann, dann hat es sich gelohnt.«
Rubinstein stapelt tief. Es waren wohl einige mehr. Eine Führung der Volkshochschule durch die Gemeinde wurde zum Beispiel auf 30 Besucher begrenzt, auch ein Auftritt von Schauspielerin und Sängerin Sharon Brauner lockte zahlreiche Gäste in den Gemeindesaal. »Wir dürfen darüber nicht den Fehler machen und denken, dass mit dieser einen Veranstaltungsreihe im Jahr alles gut ist«, warnt Rubinstein. »Wir wollen damit nur unsere Arbeit ergänzen.«
Die entstandenen interkulturellen Kontakte waren für die Duisburger Gemeinde schon sehr wertvoll. Beim Aufbau des jüdischen Kindergartens half die Diakonie. Und als während des Gasa‐Konflikts zum Boykott israelischer Waren aufgerufen wurde, stellte sich die Evangelische Ge‐
meinde an die Seite der jüdischen Nachbarn. Mit den Moslems sei es etwas schwieriger. »Sie sind noch in einem Selbstfindungsprozess. Aber wenn Leute mit Vorurteilen zu uns kommen, dann können wir sie abbauen.« Zlatan Alihodzic

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