arte

Kein Frieden in Sicht

von Nino Ketschagmadse

Wir schreiben das Jahr 1999. Der amerikanische Präsident Bill Clinton will zum Abschluß seiner Amtszeit in die Geschichte eingehen, indem er den Nahostkonflikt löst. Als es in Camp David zum ersten Dreiertreffen zwischen Clinton, dem israelischen Premierminister Ehud Barak und Palästinenserführer Jassir Arafat kommt, bei dem Barak und Arafat ihren Willen zum Frieden bekunden, scheinen die Chancen günstig. Doch die Verhandlungen scheitern. Stattdessen bricht die »Zweite Intifada« aus. Deren Auslöser ist nach palästinensischer Lesart der demonstrative Besuch des späteren israelischen Premierministers Ariel Scharon auf dem Tempelberg am 28. September 2001. Die Israelis wiederum werfen den Palästinensern vor, Scharons Auftritt nur als Vorwand zu nutzen, um mit gezielt geschürter Gewalt ihre Verhandlungsposition zu verbessern.
In ihrer neuen dreiteiligen arte-Dokumentation Israel und die Araber: Der ewige Traum vom Frieden dokumentieren die britischen Dokumentarfilmer Norma Percy, Mark Anderson und Dan Edge die nahöstlichen Krisenjahre von Beginn der »Zweiten Intifada« bis zur Gasa-Räumung. Percy hatte bereits vor sieben Jahren die vielbeachtete Dokumentationsserie 50 Jahre Krieg – Israel und die Araber 1948 bis 1998 produziert. Wie dort zeichnet sie auch in ihrer neuen Serie die Ereignisse aus der Insiderperspektive, jenseits von offiziellen Protokollen und propagandistischen Schuldzuweisungen. Direkt oder indirekt beteiligte Akteure, wie Clinton, Barak, Arafat, die damalige US-Außenmini- sterin Madeleine Albright sowie diverse Berater, Dolmetscher und Unterhändler berichten, was hinter den Kulissen geschah, erzählen von Gefühlsausbrüchen, diplomatischem Pokerspiel, politischem Kalkül, persönlichen Reibereien, individueller Dickköpfigkeit und persönlichen Ängsten.
Der erste Teil der Dokumentationsreihe Clintons letzter Friedensversuch (1999-2000), zu sehen am 15. März um 20.40 Uhr, räumt mit der verbreiteten Auffassung auf, der zum Greifen nahe Frieden sei in Camp David allein an dem starrsinnigen Arafat gescheitert, der großzügigste Angebote Israels ausgeschlagen habe. Beteiligte berichten, daß die Vertreter der USA alle Vorschläge zur Konfliktlösung erst mit Barak verhandelten und nach seinen Anweisungen Änderungen vornahmen, bevor die Vorschläge den Palästinensern unterbreitet wurden. Wir erfahren, daß der israelische Premierminister und sein palästinensischer Rivale 15 Tage lang in dem kleinen Camp fast nie direkt miteinander sprachen. Nach Ausbruch der Gewalttätigkeiten, kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den USA versucht Clinton noch einmal, die beiden Parteien zusammenzubringen. Wieder vergeblich.
Was folgt, sind Bombenattentate und militärische Vergeltungsschläge mit Tausenden Opfern auf beiden Seiten. Die zweite Folge Arafat im Hausarrest am 22. März beschreibt die »Zweite Intifada« und die stetige Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern. Auf blutige Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten folgen israelische Vergeltungsschläge. Israel besetzt wieder palästinensisches Gebiet und belagert 34 Tage lang Arafats Amtssitz in Ramallah.
Der letzte Teil der Serie, Scharons großes Projekt am 29. März, dokumentiert die Entwicklung der israelischen Politik weg von der Verhandlungslösung hin zur Strategie der einseitigen Grenzziehung und Räumung von Siedlungen.
Die Dokumentation wurde abgeschlossen, bevor die Hamas die Macht in den palästinensischen Gebieten übernahm. Ein Ende des Konflikts ist seither noch weniger in Sicht. Norma Percy würde dennoch gerne »diese Serie mit einem Film abschließen, der mit erfolgreichen Friedens- verhandlungen endet«. Den frühesten Drehbeginn dafür sieht sie aber »erst in vier oder fünf Jahren«.

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