World Jewish Congress

Jeder gegen jeden

von Eva C. Schweitzer

Angekündigt hat er es immer wieder, aber nun kam es doch überraschend. Edgar Bronfman Sr., seit 1980 Präsident des World Jewish Congress (WJC), ist vergangene Woche zurückgetreten. Der 77‐jährige Industrielle, der den Getränkekonzern Seagram erbte, das Hollywood‐Studio Universal leitete und den Chemieriesen DuPont besaß, legte nach langen Streit mit israelischen als auch Schweizer Vertretern des Verbandes sein Amt nieder. Schon zuvor hatte Bronfman seine rechte Hand, den langjährigen WJC‐Chairman Israel Singer gefeuert.
Wer Bronfman nachfolgt, ist umstritten. Am 9. Juni wird gewählt, zwei Männer stehen bislang zur Debatte: Der New Yorker Kosmetikerbe Ronald Lauder, der sich gegen Bronfman positioniert hat, und der südafrikanische Geschäftsmann Mendel Kaplan, der neue Chairman der Organisation und ein Freund Bronfmans. Eigentlich will Bronfman seinen Sohn Matthew zum Präsidenten machen, aber da gibt es Widerstände. Womöglich wird Matthew Bronfman aber mithilfe von Kaplan eine andere hochrangige Position beim WJC erhalten und zum Präsidenten aufrücken, sobald Kaplan 2009 zurücktritt. »Es geht um Erneuerung oder Kollaps des World Jewish Congress«, warnte die israelische Zeitung Haaretz.
Bronfmans Rücktritt geht auf einen jahrealten Konflikt zwischen der New Yorker Zentrale und der Jewish Agency zurück, bei der es um Geld, israelische Politik und persönliche Eitelkeiten geht. Bronfmans Gegenspieler ist der australisch‐israelische Geschäftsmann Isi Leibler, den Bronfman 2003 aus seinem Amt als Vizepräsident des WJC feuerte. Leibler hat die Unterstützung von konservativen israelischen Politikern. Für die Israelis brachte es das Fass zum Überlaufen, dass Bronfman seinen Sohn als Präsidenten durchsetzen will. Vermutlich nicht zufällig tauchten in einer New Yorker Zeitung Berichte auf, dass Matthew Bronfman in einen Skandal bei der Israel Discount Bank in Tel Aviv verwickelt sei, an der die Bronfman‐Familie Anteile hält. Bronfman bestritt die Vorwürfe, trat aber gleichwohl aus dem Aufsichtsrat zurück.
Aber Edgar Bronfman hat noch nicht aufgegeben. Er zählt nun auf Stephen Herbits, den neuen starken Mann beim WJC, einen früheren Krisenmanager bei Seagram. Herbits war zuvor Berater von Pentagon‐Chef Donald Rumsfeld gewesen. Dort hatte er unter anderem vorgeschlagen, dass Rumsfeld‐Vize Paul Wolfowitz amerikanischer Kommandant im Irak werden solle, und er selbst dessen rechte Hand. Herbits ist beim WJC allerdings umstritten. Dem Manager, der 420.000 Dollar im Jahr verdient, wird vorgeworfen,

im ersten Jahr sieben Millionen Dollar mehr ausgegeben als eingenommen zu haben, zumeist für Rechsstreitigkeiten und Anwälte. Kürzlich hat er Pierre Besnainou, den in Tunesien geborenen Präsidenten des European Jewish Congress, als »Araber, dem man nicht trauen kann« bezeichnet.
Der World Jewish Congress wurde 1936 von dem legendären Rabbiner Stephen Wise in der Schweiz gegründet, um den Nazis Paroli zu bieten. 1952 verhandelte WJC‐Präsident Nachum Goldman mit Deutschland über Entschädigungen an Israel. Danach verlor die Organisation an Bedeutung – bis Bronfman vor 27 Jahren Präsident wurde. Anfangs finanzierte er die Organisation fast aus eigener Tasche,

inzwischen aber kommt der Großteil des Zehn‐Millionen‐Dollar‐Budgets von mehreren hunderttausend kleinen Spenden. Der WJC hat inzwischen rund 80 Mitgliederorganisationen auf der ganzen Welt.
Bekannt wurde der WJC, als er gegen den österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim zu Felde zog. In den 90er‐Jahren warf WJC‐Generalsekretär Israel Singer den Schweizer Banken vor, sie hätten fünf bis sechs Milliarden Dollar von Holocaust‐Opfern unterschlagen. Es folgte ein langer Streit, sehr zum Unbehagen des Schweizerisch‐Israelitischen Gemeindebundes (SIG). Bronfman brachte sogar

den New Yorker Finanzchef Alan Hevesi dazu, Druck auf Schweizer Banken auszuüben. 1998 einigten sich beide Seiten darauf, dass die Schweizer Banken 1,25 Milliarden Dollar zahlen. Nach letzten Angaben wurden davon 165 Millionen Dollar an Erben von Kontoinhabern ausgezahlt, weitere 600 Millionen Dollar gingen an amerikanische Sozialfälle, ehemalige Sklavenarbeiter, von der Schweiz abgewiesene Flüchtlinge und Juden in der ehemaligen Sowjetunion. Wer die übrigen 400 bis 500 Millionen Dollar erhalten wird, ist unklar. So hat es eine gewisse Ironie, dass Israel Singer über ein Schweizer Konto stolperte. Auf Konten in Genf wurden rund 3,8 Millionen Dollar an WJC‐Geldern geparkt, die heute nicht mehr auffindbar sind, darunter 1,2 Millionen Dollar, die von der Jewish Agency überwiesen wurden. Damit wollte Singer seine Rente finanzieren. Als das aufflog, verlangte SIG‐Präsident Alfred Donath Aufklärung von den New Yorkern. Die schlossen daraufhin erst einmal das Schweizer Büro. Jedoch fing auch der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer an zu ermitteln (vgl. Jüdische Allgemeine vom 3. Mai). Er fand heraus, dass der WJC exorbitante Gehälter, Spesen und Abfindungen bezahlt hat. Allein Singer hatte 2004 rund 800.000 Dollar an Gehalt, Boni und Spesen bekommen. Das empörte die israelischen Vertreter des WJC, Isi Leibler an der Spitze. Daraufhin feuerte Bronfman erst den israelischen Direktor Bobby Brown und dann, in einer überraschenden Wendung, Singer.
Die New Yorker Wochenzeitung Forward, die den Streit eine »Tragödie von historischen Ausmaßen« nannte, hat sich bereits vor einiger Zeit gegen Lauder in Stellung gebracht: Die liberale Zeitschrift warf dem Republikaner und Kunstsammler vor, Bilder zu besitzen, die womöglich von Holocaust‐Opfern gestohlen wurden. Auch für Leibler hat der Forward nicht viel Sympathie. Der gehöre zu den israelischen Rechten, und sei überhaupt nur deshalb gegen Bronfman, weil dieser im Sommer 2003 einen Brief an US‐Präsident George W. Bush geschrieben habe, in dem er sich über den israelischen Schutzwall besorgt gezeigt habe.
SIG‐Präsident Donath hingegen sagte der in Zürich erscheinenden Zeitschrift Tachles, die ganze Leitungsebene des World Jewish Congress sei unehrlich und korrupt. Leibler betonte in der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth: »Das alles zeigt, dass Lord Actons Spruch, wonach Macht korrumpiert und absolute Macht absolut korrumpiert, auch für jüdische Organisationen gilt.« Nun will Leibler, dass Singer auch von seinem Posten bei der Jewish Claims Conference zurücktritt. »Ich begreife nicht, wie so jemand den wichtigsten Fonds des jüdischen Volkers verwalten kann.«

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