Berlin Jewish Film Festival

In eigener Regie

von Alice Lanzke

Die Geschichte der Freundschaft zwischen einer orthodoxen Jüdin und einer Muslimin, eine Komödie über das ungeschickte Stolpern eines jüdischen Teenagers über seine erste Liebe oder die Dokumentation über einen israelischen James Bond – auch im 15. Jahr seines Bestehens zeigt das Berlin Jewish Film Festival ein facettenreiches Programm.
23 Filme aus Israel, den USA, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Norwegen, Belgien und Kasachstan werden vom 3. bis 14. Mai in Berlin und anschließend vom 15. bis zum 17. Mai in Potsdam zu sehen sein darunter 13 Deutschlandpremieren. „Unser Programm ist so vielfältig wie der jüdische Film“, erklärt Festivalleiterin Nicola Galliner. Wie jedes Jahr sei die Auswahl der Filme schwer und schmerzhaft gewesen. Ihre Kriterien waren dabei eher emotional als rational: „Ich muss etwas in dem Film erkennen, das mich als jüdischen Menschen anspricht.“
Bisher fand das Filmfestival unter dem Dach der Berliner Jüdischen Volkshochschule statt, deren langjährige Leiterin Galliner war. Dieses Jahr findet die Veranstaltung erstmals in eigener Regie statt. „Ich wollte mich voll und ganz auf das Festival konzentrieren“, sagt Nicola Galliner. An der Finanzierung habe sich trotz der Eigenständigkeit aber kaum etwas geändert: Neben einem eigens eingerichteten Förderkreis wird das Festival durch den Hauptstadtkulturfonds, die Jüdische Gemeinde und private Spender gefördert. Erstmals soll in diesem Jahr auch der Versuch gewagt werden, aus den lokalen Filmfestspielen ein gesamtdeutsches Ereignis zu machen. Deshalb wird das Festival mit Unterstützung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz ab Juni durch München, Nürnberg, Kassel, Leipzig, Hamburg und sogar bis nach Bern in der Schweiz touren.
Mit der Eröffnungsgala am 3. Mai im traditionsreichen Kino Delphi‐Filmpalast, bei der Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch, der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, die Grußworte sprechen, ist dem Festival ein Coup gelungen: Gezeigt werden dort der Oscar‐prämierte deutsche Kurzfilm Spielzeugland, danach als Deutschlandpremiere in Anwesenheit von Regisseur Mark Herman dessen Verfilmung von John Boynes Bestseller Der Junge im gestreiften Pyjama – ein Film, an dem Galliners Herz hängt: „Er vermittelt die Verfolgung der Juden in der Nazizeit auf so eindringliche Art, dass er meiner Meinung nach an jeder deutschen Schule gezeigt werden sollte.“ Zusätzlich liest Autor John Boyne gemeinsam mit dem Festivalpaten August Zirner am 2. Mai im Berliner Käthe‐Kollwitz‐ Museum aus seinem Bestseller.
Für Diskussionsstoff wird der Film Ar‐ranged sorgen, der die Problematik arrangierter Ehen im Judentum thematisiert. Ein anderes Programmhighlight ist die britische Fernsehproduktion God on Trial, in der Gefangene in Auschwitz einen Prozess gegen Gott führen, den sie anklagen, den Bund mit seinem Volk gebrochen zu haben. Ebenfalls erstmals in Deutschland zu sehen sein wird die Dokumentation Killing Kasztner über den ungarischen jüdischen Anwalt, der 1944 erfolgreich mit Adolf Eichmann über die Freilassung von 1.600 Mitjuden verhandelte. 1954 wurde Kasztner deshalb in Israel als Kollaborateur vor Gericht gestellt und 1957 von jüdischen Rechtsextremisten ermordet. Regisseurin Gaylen Ross und Kasztners Tochter Zsuzsi kommen zur Première.
Auf Nicola Galliner warten anstrengende Tage. Und wenn alles vorbei ist, geht die Arbeit für sie weiter. Sie steckt bereits in den Vorbereitungen für das nächste, das 16. Berlin Jewish Film Festival.

www.jffb.de

Die Jüdische Allgemeine vergibt Eintrittskarten für die Eröffnungsgala des Festivals am 3. Mai Die ersten fünf Anrufer, die sich am 30. April zwischen 14 und 15 Uhr unter der Telefonnummer 030/499 888 15 melden, erhalten jeweils zwei Tickets.

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