Partnerschaft

Hört auf die Frauen!

Eines der kontroversen Themen im orthodoxen Judentum ist die Rolle der Frau in der Familie und der Gesellschaft. Einerseits gibt es die Aussagen unserer Weisen, dass eine Frau die Säule des Hauses ist, und dass ein Mann nicht ohne eine Frau existieren kann. Andererseits sehen wir, dass orthodoxe Frauen selten in der Öffentlichkeit stehen oder be‐
sondere Positionen bekleiden wie das Rabbineramt. Sie agieren eher im Hintergrund, was viele Gegner der Orthodoxie zur Aussage veranlasst, dass Frauen unterdrückt und nicht zu bestimmten Berufen zugelassen würden.

Talmud Die Weisen meinen, dass man auf die Essenz schauen muss, um eine Sache besser verstehen zu können. Wo finden wir die Essenz einer Frau? Natürlich bei ihrer Erschaffung im Buch Bereschit
(1. Buch Moses). Der Midrasch sagt, am An‐
fang wurde Adam, der erste Mensch, zu‐
sammen mit Chawa (Eva) als ein Ganzes geschaffen. Erst als Adam sich später ei‐
nen eigenständigen Partner wünschte, wurde Chawa von ihm abgetrennt und zu ei‐
nem separaten Wesen gemacht. Der Talmud bringt im Traktat Brachot eine Dis‐
kussion zwischen zwei Weisen darüber, was genau von Adam abgetrennt wurde. Mit anderen Worten: Die Rabbiner diskutieren, woraus eine Frau kreiert wurde und woraus sie besteht. Dort müsste auch die Antwort der Frage nach der Essenz einer Frau zu finden sein. Denn da Chawa die erste war, besitzen alle anderen Frauen, die jemals nach ihr kamen und kommen werden, dasselbe Wesen wie sie. Eine Meinung besagt, dass es ein Gesicht war, das vom anderen Gesicht abgetrennt wurde. Da‐
nach sind Mann und Frau vollkommen gleichberechtigt. Die andere Meinung, und in diese Richtung scheint der Talmud zu gehen, besagt, dass ein Schwanz von einem Gesicht abgetrennt wurde. Dies klingt erst einmal etwas fremd. Und es würde auch bedeuten, dass die Frau eine vollkommen unbedeutende Rolle spielt. Wie bei den Tieren, wo der Schwanz hinten, das Ge‐sicht stets voran ist.
Diese talmudische Stelle könnte als Be‐
weis dafür stehen, dass eine Frau »nichts zu sagen hat«, der Mann über der Frau ist. Doch in Wahrheit beweist der Text ge‐
nau das Gegenteil. Denn bei vielen Tieren gilt der Schwanz als überlebenswichtiges Organ, dient ihnen zur Orientierung und gibt ihnen zusätzlichen Halt. Wenn man ihnen den Schwanz abschneidet, rennen sie orientierungslos herum, stoßen sich überall den Kopf und sind vielen Gefahren ausgesetzt. Dadurch wird deutlich, dass beide Rabbiner eine Meinung vertreten: Frauen haben eine enorme Bedeutung für den Mann und die Gesellschaft. Die Gelehrten führen lediglich eine Diskussion darüber, wie eine Frau ihre Rolle wahrnimmt. Ob dies auf der gleichen Ebene zum Mann geschieht oder ob sie aus dem Hintergrund wirkt. Obwohl der Talmud keine klare Antwort darauf gibt, scheint er in Richtung der zweiten Annahme zu gehen.

Tora Einige Beispiele aus der Tora können dazu herangezogen werden. Im Wo‐
chenabschnitt Korach (4. Buch Moses 16,1–18,32) wird berichtet, wie Korach, ein Verwandter von Mosche Rabejnu, einen Putsch plant. Er will die Führung über das jüdische Volk übernehmen, wofür er später bestraft wird. Der Midrasch erzählt, dass diese Idee Korachs infolge einer Unterhaltung mit seiner Frau entstand, die ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, dass er eigentlich keineswegs »schlechter« sei als Mosche und sich daher selbst an die Spitze stellen könne, wonach er sofort mit dem Aufstand begann. Das heißt, dass eigentlich Korachs Frau die Anstifterin war. Sie führte den Putsch aus dem Hintergrund, durch ihren Mann.
Ein anderes Beispiel bietet der Wochenabschnitt Schelach Lecha (4. Buch Mo‐
ses 13,1–15,41). Hier werden zwölf Spione von Mosche nach Kanaan geschickt, um das Land zu erkunden. Zehn der zwölf Kundschafter erzählen dem Volk Schreckliches, nur zwei geben einen positive Be‐
richt ab. Die Namen der zwei: Kalew und Jehoschua, wobei der Name von Jehoschua erst kurz zuvor durch Mosche verändert wurde. Seinem früheren Namen Hoschea wurde der Buchstabe Jud zugefügt, der die G’ttlichkeit repräsentiert. Dies sollte ihm helfen, innerlich stark zu bleiben und sich anderen zu widersetzen. Man kann nun die Frage stellen, warum nur sein Name verändert wurde, da es doch zwei Kundschafter waren, die sich gegen die anderen stellten? Warum erfuhr nicht auch Kalew diese Un‐
terstützung? Eine Antwort ist, dass er sie nicht brauchte, denn er hatte diese Unterstützung bereits von seiner Frau erhalten. Er war mit der Schwester Mosches, Miriam, verheiratet, die ihn immer auf seinem rechten Weg unterstützte und in die richtige Richtung lenkte.

Feiertag Es ist bemerkenswert, dass den jüdischen Frauen ein spezieller Feiertag zugeteilt wurde, nämlich Rosch Chodesch, der Beginn des Monats. Das geschah nicht nur, weil die Frauen eine tiefere Verbindung zum Mond haben, mit dem sie auch oft im Judentum verglichen werden. Da‐
nach repräsentiert die scheinende Sonne den Mann. Der Mond, der dieses Licht reflektiert, steht für die Frau. Der Talmud sagt, dass der Mann Weizen nach Hause bringt und die Frau daraus Brot macht. Und dass der Mann Leinen nach Hause bringt und die Frau daraus ein Kleid fertigt. Die Frau nimmt also die Rohstoffe und wandelt sie in den für sie bestimmten Zustand. So wie bei Sonne und Mond. Denn der Mann ist ein Träger der rohen Energie, die nur durch eine Frau richtig gelenkt und zum Ausdruck gebracht werden kann. Das ist auch in der körperlichen Welt zu sehen, die die geistige Welt widerspiegelt: Der Mann trägt zwar den Samen in sich, der alles Nötige enthält, um ein Kind zu erzeugen. Doch muss erst eine Frau den Samen empfangen, damit ein neuer Mensch entstehen kann.
Laut unserer Tradition wurde der Rosch Chodesch den Frauen gewidmet, als Dank dafür, dass sie ihren Schmuck für den Bau des Stiftzeltes in der Wüste gespendet ha‐
ben. Doch haben nicht auch Männer ihr Gold für denselben Zweck gespendet? Das stimmt, sagen die Weisen, doch haben sie es eben auch für das Goldene Kalb getan. Und die Frauen widersetzten sich ihnen, als auch sie ihr Gold für das Kalb spenden sollten. Sie taten es nicht, doch im Fall des Stiftzeltes waren sie mehr als bereit dazu. Das heisst, die Männer waren orientierungslos, die Frauen wiesen den richtigen Weg. Das ist auch der Grund, warum auch schon unserem Vorvater Awraham von G’tt selbst gesagt wurde, dass er auf die Stimme seiner Frau hören soll. Die Weisen sagen, dass überall, wo in den heiligen Schriften das Wort »Stimme« benutzt wird, eine Andeutung auf eine Prophezeiung gemacht wird. Denn Stimme kommt aus dem tiefen Inneren eines Menschen. Wobei das Wort »Lippen« in der Sprache der Tora immer einfache Worte ohne jegliche Prophetie bedeutet. Daraus leiten unsere Weisen ab, dass jede Frau eine tiefere Verbindung zu G’tt hat und einen Teil der Prophetie besitzt.
Die Aufgabe eines Ehepaares ist – wie bei Adam und Chawa – wieder zu einem Ganzen zusammenzuwachsen, und nicht wie zwei separate Wesen unabhängige voneinander weiterzuleben. Dabei soll die Frau diese Entwicklung aus dem Hintergrund heraus in die richtige Richtung lenken. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine erfolgreiche Frau!

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