Rabbiner

Hitparade

von Ben Harris

Das Forbes Magazine ist für seine alljährlich erscheinende Rangliste der 400 reichsten Amerikaner berühmt. Jetzt macht Newsweek dieser Liste der Superreichen Kon‐ kurrenz – mit einer eigenen Liste der Spitzenfrommen in Amerika und der Welt.
An erster Stelle des Rankings der einflussreichsten Rabbiner steht Marvin Hier, Dekan des Simon Wiesenthal Centers in Los Angeles. Es folgt der Chabad‐Rabbiner Yehuda Krinsky, rechte Hand des verstorbenen Rebben der chassidischen Bewegung.
Mit Uri Herscher vom Skirball Center in Los Angeles, Yehuda Berg vom Kabbalah Center in Los Angeles, London und Jerusalem, und dem Autor Harold Kushner auf den folgenden Plätzen sind die Top Five auf der Liste genannt.
Sharon Kleinbaum von der Beth‐Simchat‐Torah‐Synagoge in New York City ist mit Rangnummer 19 die am höchsten bewertete Rabbinerin. Nur fünf Frauen tauchen überhaupt auf der Liste auf. Einige der Rabbiner – einschließlich Elliott Dorff (Nummer 30), Irwin Kula (8) und Zalman Teitelbaum (15) – sind auch auf der »Forward 50«, einer von der jüdischen Zeitschrift Forward erstellten jährlichen Rangliste der fünfzig einflussreichsten Juden in Amerika zu finden.
Anders aber als die Newsweek‐Liste beschränkt sich das Ranking von Forward nicht auf Rabbiner, sondern schließt Juden ein, die unter anderem auch in Politik, Bürgerbewegungen oder im Sport aktiv sind.
Die Newsweek‐Liste ist das Werk dreier tonangebender Persönlichkeiten in Hollywood: Michael Lynton, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender von Sony Pictures, Gary Ginsberg von News Corporation und Jay Sanderson von JTN Productions. Das Trio wandte eine grobe Ran‐ kingmethode an, um das Renommee der Rabbiner zu messen. Bewertet wurden unter anderem internationales Ansehen, Medienpräsenz, politischer Einfluss und Größe der Gemeinde.
»Ich verspreche, dass ich deshalb nicht größenwahnsinnig werde«, sagte der Ranglistenerste, Hier. »Ich fühle mich geehrt, die Nummer eins zu sein. Es wäre nicht ehrlich, zu behaupten, ich hätte etwas anderes empfunden.«
Shmuley Boteach aus Oxford, Nummer 9 auf der Rangliste, sieht das anders. Dem Verfasser des Buches »Kosher Sex« und Star der Reality‐Fernsehserie »Schalom zu Hause« kann man nicht nachsagen, er meide das Scheinwerferlicht. In diesem Fall aber nahm er kein Blatt vor den Mund und nannte die Liste bedeutungslos, zersetzend und kurzlebig. »Es ist schlimm genug, dass ich jeden Dienstag um fünf Uhr auf die Einschaltquoten für ‚Schalom zu Hause‘ warten muss, um zu erfahren, welche Nummer ich habe«, sagt Boteach. »Und jetzt gibt es noch eine Liste.«
Sanderson meint, Boteach habe »offensichtlich nicht verstanden, worum es bei der Liste geht«. Für ihn ist sie der Versuch, ein Gespräch über die veränderte Rolle jüdischer Führerschaft anzustoßen. Sanderson räumt aber ein, dass ihn viele Reaktionen enttäuscht haben. »Die größte Über‐ raschung war, wie defensiv viele auf die Liste reagierten«, sagt er. »Das Gespräch ist längst nicht so konstruktiv, wie ich es erhofft hatte.«
Der 33‐jährige Marc Schneier findet es »äußerst vielsagend«, dass nur wenige Rabbiner auf der Liste führende Positionen sowohl in den Gemeinden als auch in den jüdischen Organisationen einnehmen. Zu den Ausnahmen gehören außer ihm selbst der 25‐jährige Avi Weiss, der eine Synagoge in New York City leitet, und der 28‐jährige Michael Lerner, Herausgeber der Zeitschrift Tikkun und Rabbiner von Beyt Tikkun im kalifornischen Berkeley.
Als die Liste im März erschien, brach in der jüdischen Blogosphäre ein Sturm an Kommentaren los, in denen die Rangliste unter allen denkbaren Blickwinkeln analysiert und wie besessen nach Glaubensrichtung, geografischer Verteilung und Weglassungen aufgeschlüsselt wurde.
Die Rangliste enthält mehr orthodoxe (15) und weniger konservative (10) Rabbiner, als ihrem jeweiligen Anteil an der jüdischen Bevölkerung entspricht. Der Westküste wurde eindeutig der Vorrang gegeben, wobei vier der zehn am höchsten Bewerteten aus Los Angeles stammen.
Kritiker fragen sich auch, wieso es drei Hollywood‐Typen einfalle, an die Rabbiner des Landes Noten zu verteilen. In besonderem Maße ein Stein des Anstoßes ist Yehuda Berg, der überhaupt kein Rabbiner sei, wie einige behaupten. Als Gründer des Kabbalah Centers in Los Angeles erlangte er als Geistlicher für Leute wie Demi Moore und Madonna Berühmtheit.
»Auf einer Liste, auf der Yehuda Berg steht, will ich nicht stehen«, sagte ein Rabbiner, der aufgenommen worden war. »Ich glaube, die Tatsache, dass sein Name so weit oben steht, sagt alles darüber, wie viel Ahnung diese Leute vom Judentum haben.«
Aber Sanderson verteidigt Bergs Bewertung: Es sei größtenteils ihm zu verdanken, dass das Interesse an der Kabbala gewachsen ist. »Das ist ein Pop‐Phänomen«, sagt Sanderson, »und Berg steht mittendrin.«

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