Maccabi Tel Aviv

Heimspiel

Es war ein bisschen wie beim Sechs‐Tage‐Rennen: Super Atmosphäre, tolle Stimmung, ein Fest für die ganze Familie. Das Einzige, was etwas stört, sind die Radfahrer. Am Donnerstag vergangener Woche wurde in der O2‐World zwar nicht geradelt, dafür Basketball gespielt. Aber bei einigen Zuschauern waren es eben auch hier nicht nur rein sportliche Gründe, warum sie beim Spiel Maccabi Tel Aviv gegen Alba Berlin mit dabei sein wollten. Viele kamen, um wieder einmal richtig stolz israelische Fahnen zu schwenken, gute Bekannte treffen und einfach ein wenig Spaß haben zu können. Mit lautstarker Unterstützung von der Tribüne machten sie die Begegnung für die Gäste aus Israel zu einer Art Heimspiel.
Das Interesse an der Partie war schon im Vorfeld riesig. »Wir haben in 24 Stunden rund 400 Karten verkauft«, sagte Bella Zchwiraschwili, die über ihre Veranstaltungsagentur bellaZ.events Tickets für das Spiel über das Internet anbot. Maccabis Trainer Pini Gershon war davon ganz be‐
eindruckt: »Ich habe gehört, dass fast 1.000 Juden heute Abend hier waren, das freut mich besonders«, sagte er nach dem Spiel. Er freute sich über die Begeisterung, ob‐
wohl bei dieser Euroleague‐Begegnung für beide Mannschaften schon Endstation im diesjährigen Wettbewerb der besten 16 europäischen Teams war. Es ging, wie Alba‐Trainer Luka Pavicevic sagte, »mehr ums Prestige«.
Dennoch war die Partie streckenweise – besonders zum Ende hin – wirklich spannend. Israels Botschafter Yoram Ben‐Zeev hielt es einige Male nicht mehr auf seinem Sitz. Auch Nathan Gelbardt, Vorsitzender von Keren Hayesod, fieberte mit: »Für die vielen Maccabi‐Fans war es eben auch wichtig, dass ihre Mannschaft nicht gerade in Berlin die Punkte vergibt.« Ebenfalls war der Direktor des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros, Dani Neumann, ganz bei der Sache. Mit Mütze und Trikot in gelb‐blauen Vereinsfarben gab er sich als echter Anhänger des Teams aus Tel Aviv zu erkennen. Und auch andere Fans, wie Omri Shilo, der extra aus Südfrankreich für das Spiel angereist war, hatten ihren Spaß im Fanblock. Die gute Stimmung dort konnte Omri aber nicht ganz überzeugen: »Das war ein schlechtes Spiel, und nächstes Jahr sollte die komplette Mannschaft bis auf Derek Sharp ausgetauscht werden.« Trotzdem bleibt für ihn Maccabi das Größte überhaupt.
Ganz entspannt verfolgte hingegen Ge‐
meindechefin Lala Süsskind das Geschehen. Sie wollte sich, wie viele andere Mitglieder der Jüdischen Gemeinde das Spiel nicht entgehen lassen, darunter WIZO‐Chefin Michal Gelerman oder Repräsentant Nathan Del. Während des Spiels ließ Chabad Lubawitsch Handzettel für das Purimfest verteilen, ein junger Mann warb mit Flyern für die nächste Sababba‐Party. Auch zahlreiche Botschaftsangehörige waren unter den insgesamt rund 9.100 Zuschauern.
Ach so, ein Ergebnis hatte das Spiel auch: »Die Albatrosse hatten das Topteam aus Tel Aviv am Rande einer Niederlage, musste sich aber in der Schlussphase den abgebrühten Israelis geschlagen geben«, lautet das Fazit auf der Alba‐Webseite. In Zahlen: Maccabi gewann 76:70.
Detlef David Kauschke und Katrin Richter

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