Völkermordleugner

Haftstrafen für Hetzer

von Christian Rath

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) will sicherstellen, dass rassistische Reden und geschichtsverfälschende Diskussionen in ganz Europa bestraft werden. Für rechte Hetzer soll es keine liberalen Rückzugsorte mehr geben. Die Staaten sollen bei der Verfolgung der Hetzer europaweit zusammenarbeiten. Dies sieht ein »Rahmenbeschluss zur Bekämpfung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit« vor, dessen Entwurf Zypries jetzt vorstellte. Darin sollen sich die 27 EU-Staaten verpflichten, die Aufstachelung zu Rassenhass und die Leugnung von Völkermorden europaweit zu bestrafen. Die Höchststrafe soll in beiden Fällen zwischen einem und drei Jahren liegen, und die Strafverfolgung soll auch ohne Antrag von Opfern stattfinden. Wenn die Tat »zu Gunsten« einer Partei oder Vereinigung begangen wurde, soll es auch Sanktionen gegen diese Organisation geben, etwa den Ausschluss aus finanzieller Förderung oder die Auflösung der Vereinigung.
Konkret soll das öffentliche »Billigen, Leugnen oder Verharmlosen« nicht nur in Bezug auf den Holocaust strafbar sein, sondern auch für andere Völkermorde, Verbrechen gegen die Menschheit oder Kriegsverbrechen gelten. Die Formulierung ist sehr weitgehend. Selbst die Verharmlosung von US-Kriegsverbrechen im Irak könnte darunter fallen.
Als Option erlaubt der Rahmenbeschluss deshalb einzelnen Staaten, die Bestrafung solcher Delikte auf historische Vorfälle einzugrenzen, deren Bewertung von einem internationalen Gericht oder einem Gericht aus dem jeweiligen Land bereits rechtskräftig festgestellt wurde. Neben dem Holocaust wäre dann zum Beispiel die Wahrheit über serbische Kriegsverbrechen vor Leugnung und Verfälschung geschützt.
Für Deutschland wäre dies dennoch eine Ausweitung der Strafbarkeit. Bisher ist im Volksverhetzungs-Paragrafen (§130 StGB) nur die Leugnung und Verharmlosung des Holocaust erfasst. Ein innenpolitischer Vorstoß von Zypries, dies auf weitere von internationalen Gerichten fest- gestellte Völkermorde auszuweiten, scheiterte 2005. Oppositionspolitiker von Grünen und FDP warnten vor einer Einschränkung der freien Diskussion über zeitgeschichtliche Vorgänge. Der Schriftsteller Ralph Giordano hielt es damals für unerträglich, dass deutsche Politiker »den einmaligen Zivilsationsbruch des Holocaust nun relativieren, indem sie ihn strafrechtlich mit anderen Verbrechen gleichsetzen«.
Für viele andere Staaten wäre schon die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung ein großer Schritt. Dem britischen Historiker Timothy Garton Ash zufolge haben bisher erst neun EU-Staaten solche Straftatbestände eingeführt. Italien hat jüngst nach dem Protest von 200 Historikern entsprechende Pläne fallen gelassen.
Als zweiten Kernpunkt sieht der geplante EU-Rahmenbeschluss vor, die öffentliche Aufstachelung zu Hass und Gewalt zu bestrafen, wenn sie sich »gegen eine nach den Kriterien Rasse, Hautfarbe, Religion, Abstammung oder nationale oder ethnische Herkunft definierte« Gruppe oder Einzelperson richtet. Weil danach möglicherweise eine Pflicht bestünde, auch Mohammed-Karikaturen zu bestrafen, sieht der Entwurf hierfür eine explizite Ausnahme vor: Polemik gegen Religionen muss nicht bestraft werden, außer sie dient als Vorwand für rassistische Hetze oder ist als »Drohung« darauf gerichtet, religiösen Hass zu säen.
Als weiteres Zugeständnis für Staaten mit liberaler Verfassungstradition wie England oder die skandinavischen Länder könnten die Staaten entscheiden, dass rassistische Hetze und Völkermord-Leugnung nur bestraft wird, wenn sie »geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören«. Diese Einschränkung besteht in Deutschland auch für die Beschimpfung religiöser Bekenntnisse und die Leugnung des Holocaust, allerdings nicht für sonstige Volksverhetzung. Bei der Aufstachelung zum Rassenhass müssten deutsche Gesetze aufgrund des Rahmenbeschlusses wohl nicht verschärft werden.
Der Beschluss soll von den EU-Justizministern noch im ersten Halbjahr 2007 – also während der deutschen EU-Präsidentschaft – gefasst werden. Der Entwurf wird auf europäischer Ebene bereits seit fünf Jahren diskutiert. Wegen des Zwangs zur Einstimmigkeit, der im Bereich der EU-Rechtspolitik gilt, blieb er aber bisher immer liegen.

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026

Westjordanland

Netanjahu schreibt Siedlergewalt einer »Handvoll Kids« zu

Nach Kritik der Trump-Regierung an Israels Vorgehen in der Westbank wiegelt Israels Premierminister ab - und zieht noch mehr Kritik auf sich

 01.01.2026

Israel

Israel führt Gedenktag für marokkanische Juden ein

Die Knesset hat beschlossen, einen Tag zur Erinnerung an die marokkanisch-jüdische Einwanderung zu schaffen

 31.12.2025

Gaza

37 Hilfsorganisationen in Gaza und im Westjordanland droht Lizenz-Entzug

Israel will sich vor Terrorverbindungen in Hilfsorganisationen schützen. Die Einrichtungen warnen vor humanitären Konsequenzen

 31.12.2025

Bulletin

Terrorangriff in Sydney: 20 Verletzte weiter im Krankenhaus

Fünf Patienten befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in kritischem Zustand

 17.12.2025

Terror

Polizei: 9 Tote bei Angriff in Sydney

Was bislang bekannt ist - und was nicht

 14.12.2025

Sydney

Jewish organizations decry the »scourge« of antisemitism

This time the focus is on Australia. It is hosting a conference of the international Jewish initiative »J7.« The group is presenting figures on Jew-hatred on the continent – and speaks of historic highs.

von Leticia Witte  03.12.2025

Kino

Blick auf die Denkerin

50 Jahre nach Hannah Arendts Tod beleuchtet eine Doku das Leben der Philosophin

von Jens Balkenborg  02.12.2025