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Grüne Pioniere

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Doch jetzt zu verzagen, wäre die falsche Reaktion. Die Koalition für Umwelt und jüdisches Leben (COEJL) arbeitet daran, dass die jüdische Gemeinschaft in den USA in der Klimadebatte künftig eine Schlüsselrolle einnimmt. Obwohl die Organisation seit Frühjahr 2006 keinen hauptamtlichen Leiter hatte, ist es ihr gelungen, eine halbe Million Dollar aufzutreiben, wodurch die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Mitte vergangener Woche trat Sybil Sanchez, die frühere Direktorin des Jewish Labor Committee, ihr neues Amt als COEJL‐Chefin an.
Es gehe darum, die jüdische Umweltbewegung auf ein neues Niveau zu heben, sagt Sanchez. Lange sei es das Ziel gewesen, den Menschen klarzumachen, dass »der Klimawandel tatsächlich stattfindet«, und ihnen die negativen Auswirkungen der Emission von Treibhausgasen vor Augen zu führen. Jetzt aber, nachdem es gelungen sei, alle in der jüdischen Gemeinde »außer dem harten Kern« davon zu überzeugen, stelle sich die Frage: »Wie kann ich als jüdisches Individuum dieses Wissen in Handeln übersetzen, damit sich tatsächlich etwas in der Welt verändert?«

energieverpflichtung Es sei eine herausfordernde Zeit, meint Sanchez. Detaillierte Pläne für die Zukunft befänden sich noch in der Diskussion. Die Organisation werde wahrscheinlich jemanden einstellen, der sie in Washington vertreten soll. Derzeit allerdings konzentrierten sich alle Kräfte auf die Durchführung der Jewish Energy Covenant Campaign (Jüdische Kampagne für eine Energieverpflichtung). Diese Initiative fordert amerikanische Juden auf, sich zu verpflichten, auf individueller Ebene Energie zu sparen, an jüdischen Umweltaktionen teilzunehmen und sich bei politischen Vertretern und in den Medien für Umweltthemen einzusetzen.
Sanchez will die COEJL zu einer Anlaufstelle für Synagogen und jüdische Organisationen machen, wo sie sich über umweltfreundliche Praktiken und nachhaltige Produkte informieren können. Zudem soll es Beratungsangebote geben und eine Möglichkeit geschaffen werden, zwischen Gruppen, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind, Kontakt herzustellen. Anfang des Jahres hat COEJL eine Nachhaltigkeitskonferenz von Vertretern jüdischer Organisationen gesponsert.
zukunftsfragen Sanchez ist überzeugt, dass das Umweltthema Juden jeden Alters bewegt, da es eine ganze Reihe unterschiedlicher Fragen umfasst: von der Sorge über die Abhängigkeit von ausländischem Öl über den Schutz der Natur bis hin zu der Frage, in welchem Zustand wir unseren Planeten künftigen Generationen hinterlassen. Das Judentum, argumentiert Sanchez, sei auf vielerlei Weise mit der Umwelt verbunden. Die großen jüdischen Feiertage sind abgestimmt auf die Jahreszeiten in Israel, und »gemeinschaftlich zu arbeiten, ist Teil eines jüdischen und eines umweltbewussten Lebensstils«. Die Auflage, in einem Minjan zu beten, sei ein Beispiel für die im Judentum vorherrschende Idee, »dass wir uns gegenseitig brauchen«.
In Anbetracht dessen, dass das COEJL in den vergangenen Jahren keinen hauptamtlichen Leiter hatte, griffen das Jewish Council for Public Affairs (JCPA) und das Religious Action Center for Reform Judaism ein, um Abhilfe zu schaffen. Das Aktionszentrum vertritt die Interessen der Reformbewegung gegenüber den Gesetzgebern in Washington, während das JCPA das Engagement auf lokaler Ebene unterstützt und landesweite Aktionen organisiert.

engagement Der Leiter des Reformzentrums, Rabbi David Saperstein, freut sich, dass die beiden Organisationen beim Thema Umwelt »so viel Engagement zeigen«. Er hoffe, dass es bei dieser Intensität bleibe. Die Wiedererstarkung des COEJL werde aber dazu beitragen, den Umweltschutzgedanken in der jüdischen Gemeinschaft weiter zu verfestigen.
»Es ist in diesem geschichtlichen Moment sehr wichtig, in der Klimadebatte Stellung zu beziehen«, so Rabbi Saperstein. »Das COEJL ist gerade im richtigen Augenblick zurückgekommen«, sagt JCPA‐Präsident Rabbi Steve Gutow. Er wünscht sich, dass die Gruppe erfolgreich sein wird, um bald auf eigenen Füßen zu stehen.
Die jüdische Gemeinschaft, so Gutow, habe in den letzten Jahren bei einer Reihe von Fragen eine »sehr wichtige Führungsrolle« gespielt – von Darfur über Iran bis zu Antidiskriminierungsfragen. Beim Thema Energie und Umweltschutz habe sie bislang nicht das gleiche Engagement erkennen lassen. »Ich glaube, die Menschen erwarten von uns Juden, dass wir bei bestimmten Themen eine führende Rolle übernehmen«, sagt er, und »wenn wir diese Rolle annehmen, so bin ich überzeugt, dass wir aus unserer gesellschaftlichen Nische heraus die Bewegung nach vorn bringen können.«

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