Premier Howard

Goldenes Zeitalter

von Dan Goldberg

Während sich Großbritannien auf die Zeit nach Tony Blair einstellt, scheint Australien die Ära nach John Howard anzusteuern – eine politische Verschiebung, die erhebliche Auswirkungen auf Israel und die Vereinigten Staaten haben könnte. Wie Tony Blair war John Howard zehn Jahre im Amt. Doch anders als Blair weigert sich Howard, vor den voraussichtlich im Oktober stattfindenden Wahlen seinen Hut zu nehmen.
Vor Kurzem hat Howard zum ersten Mal eingeräumt, dass seine Partei nach einer Reihe negativer Umfragen Gefahr laufe, von der Labor Party »vernichtend geschlagen« zu werden. Labor muss 16 Sitze hinzugewinnen, um den Liberalen die Macht zu entreißen. Sollten sich die Umfragen bewahrheiten, wird Israel mit Howard einen weiteren unermüdlichen Verbündeten verlieren, der vergangenes Jahr den Krieg gegen die Hisbollah befürwortete und beim Sturz Saddam Husseins Beistand leistete. Und George W. Bush wird in der letzten Phase seiner Amtszeit den zweiten wichtigen Alliierten verlieren.
Für den Großteil der 100.000 australischen Juden war die Ära Howard ein goldenes Zeitalter. Dies zeigt sich in der Fülle von Auszeichnungen, die der 67-jährige Premierminister von jüdischen Organisationen erhalten hat, unter anderem von der Australia-Israel Chamber of Commerce, von B’nai B’rith, dem Jewish Communal Appeal, der Zionist Federation of Australia und dem Jewish National Fund. Auch in den Vereinigten Staaten heimste er Bewunderung und Ehrungen ein. Das American Jewish Committee verlieh Howard 2004 seine höchste Auszeichnung, die American Liberties Medaillon, für seine »beispiellose Freundschaft mit den Vereinigten Staaten und seine Solidarität mit Israel«.
Isi Leibler, ein ehemaliger hoher Repräsentant der australischen Juden, der heute in Jerusalem lebt, nennt Howard »zweifelsfrei den größten Fürsprecher Israels von allen Politikern unserer Zeit«. Philip Mendes, Mitherausgeber von »Jews and Australian Politics«, pflichtet ihm bei. »Unter dem Aspekt einer bedingungslosen Verbundenheit mit Israel wird Howard vielleicht als der größte Freund Israels in die Geschichte eingehen«, sagt Mendes. »Zumindest wird er in einer Reihe mit Clinton und anderen US-Präsidenten stehen.«
Laut Philip Chesler, dem Präsidenten der Zionist Federation, ist Howards Engagement für Israel in Jerusalem nicht unbemerkt geblieben. »Er wird überall hoch geschätzt, angefangen beim Premierminis- ter«, glaubt Chesler. »Auf allen Regierungsebenen ist die Hochachtung für ihn enorm.« Obgleich es noch zu früh ist, einen politischen Nachruf auf Howard zu schreiben, fragen sich viele in Australien, bis zu welchem Grad dessen Rivale Kevin Rudd von der Labor Party sich für Israel einsetzen wird. Professor Bill Rubenstein, Autor von The Jews of Australia, meint: »Wenn Rudd siegt, vermute ich, dass das Muster im Großen und Ganzen gleich bleiben wird. Die Politik der Unterstützung Israels wird vielleicht zu 95 Prozent weitergeführt.« Rubenstein warnt aber, dass das Wiederaufflammen des Konflikts im Nahen Osten den 49-jährigen Parteiführer unter »viel größeren Druck« setzen würde, Israel zu kritisieren.
Mitglieder des linken Flügels der Labor Party hatten in den vergangenen Jahren Israel scharf angegriffen. Ein Parlamentsabgeordneter nannte 2002 Ariel Scharon einen »Kriegsverbrecher« und Israel einen »Schurkenstaat«, was innerhalb der jüdischen Gemeinde zu lautstarken Protesten führte und Labor-Mitglied Barry Cohen, ehemaliger Minister in einer Labor-Regierung, 2004 veranlasste, seine Partei eines ungezügelten Antisemitismus zu bezichtigen.
Michael Danby von Labor hingegen, einziges jüdisches Mitglied des Bundesparlaments, sagt, im Abgeordnetenhaus seien die Kritiker von Israel größtenteils verschwunden. Laut Danby haben die innerpalästinensische Gewalt im Gaza-Streifen und Jassir Arafats Weigerung, irgendein Friedensangebot zu akzeptieren, »zu einem beinahe vollständigen Einbrechen des Engagements für die Palästinenser im Bundesparlament geführt«.
Rudd »unterstütze ausdrücklich« den Krieg Israels gegen die Hisbollah. Danby fügte hinzu, dass bei den kommenden Wahlen wahrscheinlich ein oder zwei Juden in der Labor Party einen Sitz erhalten werden. Die Liberalen haben einen einzigen Juden aufgestellt, der im Bezirk mit der größten jüdischen Wählerschaft des Landes gegen Danby antritt. Es gibt aber auch Befürchtungen, dass eine Labor-Regierung nicht in der Lage sein wird, das australische Eintreten für Israel bei den Vereinigten Nationen fortzuführen. Der letzte Außenminister der Labor Party, Gareth Evans, unterhielt eine viel angespanntere Beziehung zu Jerusalem als sein Nachfolger Alexander Downer.
Mit Vorliebe zitieren Kritiker Rudds Ansicht, dass Australien sich bei der Abstimmung über Israels Sicherheitszaun 2004 der Stimme hätte enthalten sollen. Stattdessen stimmte das Land mit den Vereinigten Staaten, Israel und drei winzigen Pazifikinseln gegen 150 Staaten – einschließlich Großbritannien. Danby vertrat die Ansicht, die Abstimmung sei nur eine Nebensache gewesen zu einer Zeit, als der Zaun viel umstrittener gewesen sei.
Trotz des Lobs, das Howard, wie Blair und Bush, aufgrund seiner Unterstützung Israels erhalten hat, sind viele Juden weniger angetan von seiner harten Haltung gegenüber Asylsuchenden, seiner Weigerung, den Aborigines gegenüber eine Ent- schuldigung auszusprechen, und seiner angeblichen Begünstigung der Rassenhass-Politik von Pauline Hanson, der ehemaligen Führerin der fremdenfeindlichen Partei »One Nation«.
Geoffrey Brahm Levey, Akademiker an der Universität von New South Wales in Sydney, wurde in der Australian Jewish News zum Thema Howard zitiert: »Ungefähr die einzige Auszeichnung, die ihm jüdische Organisationen doch noch nicht verliehen haben, ist Miss Universe.«

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