Tim Uppal

Fünf Minuten mit Tim Uppal über Kanada, den Holocaust und eine Gesetzesinitiative

Mister Uppal, Sie haben kürzlich einen Gesetzentwurf über die Errichtung eines Nationalen Holocaust-Mahnmals ins kanadische Parlament eingebracht. Wie kamen Sie darauf?
Die Idee stammt eigentlich von der Studentin Laura Grosman (21), einer Enkelin von Holocaust-Überlebenden. Als ich zu entscheiden hatte, welches Projekt ich als sogenanntes »Private Member’s Bill«, als Gesetzesinitiative eines einzelnen Abgeordneten, ins Parlament einbringen sollte, gefiel mir diese Idee. Ich glaube, es ist wirklich wichtig für Kanada, ein Nationales Holocaust-Mahnmal zu haben.

Haben Sie Unterstützung über Ihre eigene Partei hinaus?
Ja, auch die Oppositionsparteien unterstützen uns, allen voran Irwin Cotler von der Liberalen Partei, der früher Präsident des Canadian Jewish Congress war. Ebenso unterstützt Judy Wasylycia-Leis von der New Democratic Party das Vorhaben. Und wir stehen in Kontakt mit dem Bloc Quebecois.
Warum haben Sie die Initiative ergriffen?
Kanada hat bisher kein Holocaust-Mahnmal. Aber ich glaube, wir brauchen eins. Es ist wichtig als Symbol für das Schreckliche, das passiert ist, aber auch als Symbol dafür, dass Kanadier sich gegen Gräueltaten dieser Art stellen.

Es geht also nicht nur um den Blick in die Vergangenheit, sondern auch um den in die Zukunft?
Absolut. Ich bin kein Jude, aber es ist wichtig für mich als Kanadier, dass wir uns an den Holocaust erinnern und daran, dass wir dagegen gekämpft haben. Und dies werden wir auch in Zukunft tun.

Sie selbst sind Sikh. Wie hat Ihre Gemeinde auf die Initiative reagiert?
Positiv. Ich habe mit etlichen Leuten gesprochen, die sich zustimmend äußerten. Wir Sikhs in Kanada haben gute Beziehungen zur jüdischen Gemeinde. So hatten wir die jüdische Gemeinde auf unserer Seite, als wir vor dem Obersten Gericht für das Recht stritten, den Kirpan, unser zeremonielles Schwert, tragen zu dürfen. Anwälte einer jüdischen Organisation waren dem Verfahren beigetreten und argumentierten zu unseren Gunsten. Umgekehrt haben Sikh-Anwälte die jüdische Gemeinde in einem Verfahren vor dem Obersten Gericht unterstützt.

In Ihrem Gesetzentwurf verweisen Sie nicht nur auf die Ermordung von sechs Millionen jüdischen Männern, Frauen und Kindern, sondern auch auf die Vernichtung anderer Minderheiten und Schutzbedürftiger.
Es geht um die jüdischen Opfer, um Sinti und Roma, um Behinderte, um Homosexuelle. Es geht um die Vorstellung eines Führers, der Minderheiten attackiert und versucht, sie auszulöschen. Dies zu erkennen, ist besonders wichtig in einer Zeit, in der Leute wie Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad auf der Weltbühne stehen und den Holocaust leugnen. In dieser Zeit ist es wichtig, dass Kanada ein Mahnmal erhält, mit dem der Holocaust anerkannt wird.
Wie ist Ihre persönliche Beziehung zum Land Israel?
Ich hatte im Sommer mit einer Parlamentarierdelegation die Gelegenheit zu einem ersten Besuch. Dabei habe ich ein Gefühl bekommen für die Probleme, die Israel mit seinen Nachbarn hat und wie komplex dieses gesamte Umfeld ist. Das Land hat einen schweren Weg vor sich.

Wie geht es nun mit Ihrem Gesetzentwurf weiter?
Ich hoffe, dass wir in den nächsten Monaten darüber abstimmen und dann in parlamentarischen Ausschüssen weiter beraten, sodass das Gesetz im nächsten Jahr verabschiedet werden kann. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass das Mahnmal dann binnen drei Jahren errichtet werden soll. Die Regierung wird Land für das Mahnmal bereitstellen, das Denkmal selbst aber soll aus Spenden finanziert werden.

Mit dem konservativen Abgeordneten im kanadischen Parlament sprach Gerd Braune.

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