Rosa von Praunheim

Fünf Minuten mit Rosa von Praunheim über die Vorzüge der jüdischen Hölle

Bei den Hofer Filmtagen Ende Oktober präsentieren Sie Ihren neuen Film »Rosas Höllenfahrt«. Worum geht es darin?
Es geht um die Geschichte der Hölle von den alten Sumerern, Griechen und Römern bis heute. Und um die Hölle in den verschiedenen Kulturen. Die Buddhisten zum Beispiel haben 32 Höllen.

Warum interessiert sie das Thema so sehr? Glauben Sie selbst an die Hölle?
Nein, ich bin Agnostiker, aber fasziniert von jeder Art Religion. Religionen sind Mythen, Märchen, Hilfestellungen mit ungeheuer viel Fantasie. Mich hat interessiert, wie Menschen ursprünglich dazu kamen, an die Seele zu glauben, an das Jenseits, an Himmel und Hölle. Sehr wahrscheinlich ist ein Grund, dass der Mensch sich nicht abfinden kann mit seiner Sterblichkeit. Und der Mensch hat die Fähigkeit, zu träumen, sich über den Tod hinaus eine Welt zu erträumen.

Sie haben auch in Israel gedreht.
Ich war im Hinnomtal, das als mythischer Ort der Hölle gilt. Dort fanden einst Kinderopferungen statt. Und ich habe mich über die jüdische Hölle erkundigt. Ich habe mit einem Rabbiner, einem Bibelforscher und einer Kabbala-Expertin gesprochen. Wir haben auch Menschen auf dem Machane-Jehuda-Markt in Jerusalem gefragt, ob sie an die Hölle glauben.

Was haben die gesagt?
Manche waren von der Existenz der Hölle völlig überzeugt, andere waren da liberaler.
Wie sieht die jüdische Hölle aus?
Die jüdische Vorstellung der Hölle hat sich natürlich im Laufe der Zeiten gewandelt. Die Griechen haben sie beeinflusst, auch das Christentum. Man hat uns erklärt, dass die Juden höchstens 12 Monate in die Hölle kommen und danach ins Paradies aufsteigen. In der Kabbala steht auch – das ist sehr schön – , dass in der Hölle die Schabbatwochenenden frei sind, jedenfalls für einfache Sünder. Die gehen dann an den Platz, wo die schweren Sünder sind, die nicht frei haben, und machen sich über die lustig.

Sympathische Vorstellung. Bei den Katholiken – ihrer Kindheitsreligion – ist das anders.
Bei den Katholiken gibt es die ewige Hölle mit Feuerstrafen. Das steht so auch im modernen Katechismus. Und in diese Hölle kommen alle Todsünder.

Sie auch?
Ja natürlich. In Dantes Inferno käme ich als Schwuler in den achten Kreis der Hölle, und als jemand, der andere geoutet hat, also als Verräter, in den neunten, den letzten.

Wann wird »Rosas Höllenfahrt« in den Kinos zu sehen sein?
Der Film läuft im November unter anderem in Berlin, Köln, Frankfurt/Main und München. Im Dezember wird es außerdem eine Sondervorstellung in der Berliner Akademie der Künste geben.

Mit dem Berliner Filmemacher sprach Michael Wuliger. Foto: cinetext

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