Herford

Fünf Minuten mit Harry Rothe über Sicherheitsmaßnahmen für die Herforder Synagoge

Herr Rothe, Sie müssen die Einweihung Ihres neuen Gemeindezentrums um fünf Monate verschieben, was bedeutet das für die Gemeinde?
Es ist nicht ganz so schlimm, wir werden weiterhin – wie schon in der Vergangenheit – unsere Feste und die Hohen Feiertage in der Mindener Gemeinde begehen. Einen kleinen Betraum haben wir ja noch. Und dann findet die Einweihung eben Ende März statt. Für Pessach wird es schon etwas knapp. Dass wir den Seder noch nicht in der neuen Synagoge feiern können, wäre das Einzige, was mich traurig stimmen könnte. Die Verschiebung ist aber nicht nur den Sicherheitsvorschriften ge-
schuldet. Wir wollten das Fenster mit einer Bleiverglasung auch noch schön ausgestalten. Dort sollen Tränen zu sehen sein: Tränen der Freude und der Trauer und das in verschiedenen Blautönen, und das dauert.

Sicherheitsfenster sind nun mal vorgeschrieben. Welche Vorkehrungen treffen Sie darüber hinaus?
Ich bin vierteljährlich bei der Polizei, um die Gefährdungslage zu besprechen. In Nordrhein-Westfalen ist der Innenminister für die Überwachung bei Gottesdiensten zuständig. Und die werden hier auch regelmäßig durchgeführt. Bei den Fenstern ha-
ben wir natürlich die höchste Sicherheitsstufe.

Wie bedroht ist die Sicherheit einer jüdischen Gemeinde in Herford?
Hier in Herford spielt die rechte Szene keine Rolle, deswegen wird es bei uns auch keine Sicherheitsschleuse geben, wie sie viele Synagogen haben. Wir hatten hier einmal einen Aufmarsch von etwa 100 Rechtsnationalen, die einen Gesinnungsgenossen im Gefängnis besuchen wollten. 8.000 Menschen in der Stadt haben dagegen protestiert. Die Rechten hatten überhaupt keine Chance, irgendetwas von sich zu geben. Sie wurden nur ausgepfiffen. Das war ein Beweis, dass, wenn hier überhaupt mal jemand erscheint, er hier keine Chance hat.
Wie integriert ist die jüdische Gemeinde in die Stadt?
Zu 100 Prozent. Wir haben für unseren 1,7 Millionen-Euro-Bau keine eigenen Mittel aufwenden müssen. Bei der Drittelfinanzierung waren Kommune, Land und Gemeinde beteiligt. Das Drittel der Gemeinde ist allein durch Spenden zusammengekommen. Der Landesverband Westfalen-Lippe, der Zentralrat und der Jüdische Gemeindefonds haben uns mit 205.000 Euro unterstützt. Wir benötigten keine Kredite, wir haben keine Schulden. Das ist sehr positiv. Die Bevölkerung und auch die Nachbarstädte haben sehr großzügig gespendet.

Wie wollen Sie sich nach außen zeigen?
Das neue Herforder Gemeindezentrum soll nicht nur ein Haus sein, in dem Juden ihre Feste feiern. Hier soll auch Kommunikation stattfinden. Ich wünsche mir Lesungen und Musikveranstaltungen und vieles mehr.

Mit dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold sprach Heide Sobotka.

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