Neusser Gemeinde

Fündig geworden

von Jan Popp‐Sewing

Eine eigene Gemeinde und ein eigenes Gemeindezentrum. Das ist der große Traum vieler Juden im rheinischen Neuss. Die Suche nach einem Standort für das Zentrum hat schon vor langer Zeit begonnen, doch sie erweist sich als äußerst schwierig. Der angedachte Ort für das Gebäude hat in den vergangenen Jahren drei Mal gewechselt. Jetzt liegt unverhofft Idee Nummer vier auf dem Tisch: Die Neusser Juden könnten in einem ehemaligen katholischen Kindergarten in der Leostraße nahe der Stadtmitte ihr neues Zentrum finden. In den kommenden Wochen sollen Gespräche Klarheit bringen.
Bis 1942 existierte in Neuss eine eigenständige jüdische Gemeinde. Anfang der 90er Jahre gab es etwa 60 Juden im Kreisgebiet, heute sind es rund 600, darunter viele junge Familien. Weit mehr als vor dem Krieg. Bislang ist für die Neusser Juden noch die Düsseldorfer Gemeinde zuständig. Veranstaltungen, Gottesdienste und Sitzungen finden in einem Saal der Caritas statt.
Dabei galt es bereits vor drei Jahren als ausgemachte Sache, das ehemalige Landestheater an der Drusus‐Allee, einer vielbefahrenen Verkehrsader, zu einem Gemeindezentrum umzubauen. Ein Architekten‐ wettbewerb hatte stattgefunden, das Land Nordrhein‐Westfalen hatte 2,5 Millionen Euro versprochen, und die Stadtväter gaben grünes Licht und sagten Unterstützung zu. Doch Sicherheitsbedenken und zu wenig Autostellplätze machten den Planern schließlich einen Strich durch die Rechnung.
Dann wurde über Neubauten am Kaiser‐Friedrich‐Ring und in einem Park an der Promenadenstraße nachgedacht. Für letzteren Vorschlag sprachen vor allem historische Gründe, denn nur wenige Meter vom geplanten Neubauprojekt entfernt hatte die frühere, 1938 niedergebrannte Synagoge gestanden. Der Neusser Stadtrat stimmte diesem Vorschlag im Juni 2005 zu. Ein Problem jedoch stand der Verwirklichung im Weg: Die Mittel aus dem Synagogen‐Neubauprogramm des Landes sind bis 2011 ausgeschöpft. Die Stadt Neuss blieb dennoch bei ihrem positiven Votum für den Synagogenbau. Weil sie von den finanziellen Problemen der Gemeinde weiß, bezweifelt man auf jüdischer Seite nicht grundsätzlich, daß es die Synagoge eines Tages geben wird. Doch wann, wo und wie? Diese Fragen sind nach wie vor ungeklärt. Also dachte man über Interimslösungen nach.
Als bekannt wurde, daß sich die Katholische Kirche von einem seit Juli leerstehenden Kindergarten in der Leostraße im Norden Neuss’ trennen möchte und keinen seriösen Investor fand, wurde man bei der Düsseldorfer Gemeinde hellhörig. Direkt nach seiner Wahl im November nahm der gerade neue Gemeindevorstand unter der Leitung von Michael Szentei‐Heise Kontakt zur Neusser Heilig‐Geist‐Kirchengemeinde auf.
Szentei‐Heise schätzt, daß man den eingeschossigen Flachbau für etwa 1,5 bis 2 Millionen Euro zu einem Gemeindezentrum mit Gebetsraum umbauen könnte. Hinzu kämen allerdings die Kosten für den Ankauf von Haus und Grundstück. „Es könnte eine Dauerlösung werden“, meint Düsseldorfs neuer Gemeindevorsitzender. Und man müsse nicht noch jahrelang auf Geld aus dem Neubauprogramm warten. Er hofft dabei auf Zuwendungen aus einem Umbauprogramm, die wesentlich schneller fließen könnten als für ein Neubauprojekt.
Der ehemalige Kindergarten an der Leostraße ist so groß, daß die Zahl der Neusser Juden ruhig noch weiter wachsen kann. Es liegt weitab der Straße inmitten eingezäunter Schulen und Kleingärten. Direkt nebenan befindet sich eine Ganztags‐Hauptschule. In dieser Umgebung läßt sich das Gebäude leichter absichern, auch dies wäre ein finanzieller Vorteil im Vergleich zu den vorherigen Standorten. Und es gibt in der Gegend genügend Parkplätze.
Sollten die Gespräche mit der Kirchengemeinde in den kommenden Wochen zu einem für die jüdische Gemeinschaft annehmbaren Ergebnis kommen, wird die Düsseldorfer Gemeinde das Land um Fördermittel bitten. Vielleicht wird das geduldige Warten der Neusser nach fast acht Jahren ja dann doch bald belohnt.

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