Pantheon

Frankreichs Gerechte

von Lars Weber

Am vergangenen Donnerstag wurden in Paris etwa 3.000 Menschen geehrt, die geholfen haben, französische Juden vor der Deportation zu bewahren. Der französische Präsident Jacques Chirac weihte gemeinsam mit der Schoa-Überlebenden und ersten Präsidentin des Europäischen Parlaments Simone Veil die Inschrift der Retter in der Krypta des Pantheon ein. Das Pantheon ist die Grabstätte berühmter französischer Persönlichkeiten im Quartier Latin in Paris. Dort liegen unter anderem der Schriftsteller Victor Hugo, der Philosoph Voltaire und der Politiker Jean Monnet begraben.
Drei Viertel der jüdischen Bevölkerung Frankreichs konnten vor der Deportation und somit vor dem sicheren Tod gerettet werden. Von 75.000 französischen Juden kehrten lediglich 2.500 aus den Vernichtungslagern zurück. Die Retter werden als »Gerechte unter den Völkern« bezeichnet. Der Name geht auf die Auszeichnung der Retter durch die Holocaust Ge denkstätte Yad Vashem in Jerusalem zurück. In Frankreich werden seit 1963 Berichte über das Verstecken von Juden gesammelt.
Die »Gerechten« Frankreichs stammten aus allen sozialen Schichten. Sie übten vielerlei Berufe aus und vertraten unterschiedlichste politische Ansichten. Die Sekretärin eines Rathauses stellte einer jüdischen Familie falsche Papiere aus und überzeugte die Dorfbewohner, ihre Lebensmittelkarten mit der Familie zu teilen. Zahlreich sind die Beispiele von Nonnen oder Bauern, die jüdische Kinder versteckten. »Allen Rettern waren die Gefahren bekannt. Gestapo, Verhöre, Folter, teilweise auch Deportation und Tod«, erklärte Chirac.
Im Oktober 1940 übernahm das Vichy-Regime auf eigene Initiative die Nürnberger »Rassengesetze« und verbot Juden, im Staatsdienst tätig zu sein oder freie Berufe auszuüben: »Die Juden Frankreichs waren über den Staatsantisemitismus höchst über- rascht, da Frankreich 1791 das erste Land Europas war, das Juden volle Bürgerrechte gewährte. Vor ihren Augen dankte der Staat ab und überließ einer Gruppe hasserfüllter Revanchisten den Platz«, so Chirac.
Nur zehn Prozent der »Gerechten« sind heute noch am Leben, weshalb die Ehrung eigentlich viel zu spät erfolgt. Etwa 200 »Gerechte« und Gerettete nahmen an der Feierstunde teil. Simone Veil hob die Bedeutung dieser Ehrung hervor: »Mit dem Nationalsozialismus konfrontiert, der das jüdische Volk aus der Geschichte der Menschheit löschen und alle Spuren der Verbrechen vertuschen wollte, und auch gegenüber den Personen, die diese Taten heute noch leugnen, macht sich Frankreich heute Ehre. Dieses Kapitel des Lichts in der Nacht der Schoa wird unwiderruflich in den Stein seiner Geschichte eingraviert.«
Der französische Präsident nutzte die Ehrung, um ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen: »Zu Extremismus kann es nur eine Haltung geben: Ablehnung und Unnachsichtigkeit. Die Leugnung der Schoa muss aufs Schärfste bekämpft werden.« Chirac war 1995 der erste Präsident, der sich zur Beteiligung des französischen Staates an den Deportationen bekannt hatte.

Warum Elon Musks X die Transparenz bei »Likes« einschränkt

 14.06.2024

Essen

AfD klagt sich in Grugahalle

Gericht erkannte keine hinreichende Tatsachengrundlage dafür, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Rechtsverletzungen komme

 14.06.2024

München

Weber: Sind Bollwerk gegen Rechtsradikale

Der EVP-Chef sieht seine Parteienfamilie gestärkt - und im Kampf gegen Rechts in der Pflicht

 10.06.2024

Berlin

Krah nicht Teil der neuen AfD-Delegation im Europaparlament

Mögliche Verbindungen zu prorussischen Netzwerken und skandalöse Zitate zur SS hatten ihn in die Schlagzeilen gebracht

 10.06.2024

Nahost

Streit um Nachkriegsplan für Gaza mit Konsequenzen

Die Lage am Montagmorgen – und ein Ausblick auf den Tag

 10.06.2024

Erinnerungsarbeit

Kulturstaatsministerin und Gedenkstätten verständigen sich

Ein neues Paket für die Gedenkstättenkonzeption in Deutschland wird angestrebt

 07.06.2024

Meinung

Rechtspopulistische Narrative werden normalisiert

Jüdische Gemeinden tun gut daran, ihre bisher ablehnende Haltung gegen die AfD beizubehalten

von Ruben Gerczikow  07.06.2024

Brandenburg

Neues Handlungskonzept gegen Antisemitismus

»Juden gehören zu Brandenburg«, sagt Staatskanzlei-Chefin Kathrin Schneider (SPD)

 05.06.2024

Ljubljana

Auch Slowenien erkennt Palästina als Staat an

Von einer »Botschaft der Hoffnung und des Friedens« ist die Rede. Israel sieht dies anders

 05.06.2024