Bonn

Experte: Opfer mit Bewältigung von Rechtsterror nicht alleinlassen

Candan Özer, Witwe eines Opfers des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße von 2004 Foto: picture alliance/dpa

Betroffene dürfen mit dem Gedenken an die Opfer rechtsextremistischer Terrorakte nicht alleingelassen werden - das fordert der Sozialwissenschaftler Fabian Virchow. Opferfamilien und Überlebende machten inzwischen deutlich, welche Formen des Gedenkens sie angemessen fänden, sagte Virchow am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung.

Dies zeige sich beispielsweise in der Kölner Keupstraße, wo 2004 ein Nagelbombenanschlag 22 Menschen verletzt hatte - eine Tat des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die erst Jahre später aufgeklärt wurde.

Es brauche politische Unterstützung, um solche Gewaltakte im öffentlichen Gedächtnis zu halten, betonte der Experte. So habe es lange gedauert, bis etwa für den Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 angemessene Erinnerungsformen gefunden worden seien. Ein Neonazi hatte damals 13 Menschen getötet und mehr als 220 verletzt.

Lesen Sie auch

Entscheidend sei zunächst eine Anerkennung solcher Taten als politische Verbrechen, erklärte Virchow. Angemessene Erinnerung müsse diese Dimension ebenso deutlich machen wie die massiven Auswirkungen. Vielerorts befassten sich Menschen seit Bekanntwerden der NSU-Verbrechen mit gesellschaftlich vergessenen rechtsextremistischen Vorfällen an ihrem Heimatort - und diese fortgesetzte Auseinandersetzung sei ein wichtiges Signal.

Die spezifisch deutsche Gedenkkultur sei von der Erinnerung an den Holocaust geprägt, fügte der Wissenschaftler hinzu. Mit dem Umgang mit Zeitgeschichte in anderen Ländern, etwa den USA, sei dies kaum vergleichbar. Allerdings sagten Erinnerungsformen stets etwas darüber aus, wie eine Gesellschaft mit Rassismus oder Antisemitismus umgehe: So würden rechtsextremistische Taten wie das »Oklahoma City Bombing« auch an US-Schulen behandelt. Bei dem Bombenangriff zweier Rechtsextremisten waren vor 30 Jahren 168 Menschen ums Leben gekommen.

Was der damalige Haupttäter Timothy McVeigh verkörpert habe, halte sich bis heute, sagte der Politikwissenschaftler Thomas Greven: Ideologische Nachfolger verstünden sich als Widerstandskämpfer gegen staatliche Einmischung oder gar Einschränkungen. Heute richteten sie sich gegen Behörden, Universitäten oder Medien - und fänden Unterstützung in Präsident Donald Trump, wenn dieser etwa vom »Sumpf« der Bundesbehörden spreche. kna

Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson ist Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin und Vorsitzende der Liberalen. Jetzt überraschte die Tochter muslimischer Einwanderer mit einer deutlichen Geste

von Michael Thaidigsmann  19.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026