Sommermachane

„Ein Schlepp durchs Jeckenland“

von Dennis Gavish

Die Zionistische Jugend Deutschland (ZJD) veranstaltet jedes Jahr mehrere Aktivitäten für jüdische Jugendliche im Alter von elf bis 17 Jahren, wie Winter‐, Mini‐ oder Sommermachanot, Wanderlager oder verschiedenste Seminare. Diesen Sommer war es wieder an der Zeit für ein Machane der Extraklasse. Denn es fand zum ersten Mal „zu Hause“, in Deutschland statt. Die üblichen Sommerreiseziele der ZJD heißen sonst Spanien, Italien und auch Israel. Dieses Mal hieß das Motto: ein „Schlepp durchs Jeckenland“.
Der Startschuss war am 27. Juli in Frankfurt am Main, von wo aus der erste Teil der Jugendgruppe nach Köln fuhr. Dort wurden die Jugendlichen vom Leiter des Machanes, dem Rosch Mike Daschewski und seinem „Co‐Rosh“ Jacob Sasse, beide aus Berlin, begrüßt. Die weiteren Betreuer waren Gianna Avram, Stevie Hornik und Philip Lask aus München sowie Orly Reibstein und Chen Jerusalem aus Frankfurt.
Die Jugendlichen erwartete nicht nur ein Spitzenprogramm, sondern auch viele Informationen über jüdische Geschichte. Man fuhr nach Köln und in einer Rallye wurde den jungen Zionisten die Geschichte der Stadt mit der wohl ältesten jüdischen Vergangenheit Deutschlands nähergebracht. Dies war nicht die einzige Begegnung mit dem Judentum während dieser zwei Wochen. Denn es folgten noch Ausflüge in die Städte Heidelberg, Worms, Speyer und dann ging es wieder zurück nach Frankfurt. Auch einen Ausflug nach Straßburg machte die ZJD. Dort gab es eine Tour durch das Europäische Parlament. In Köln besuchten die Chanichim die alte, ausgegrabene Mikwe und die neue Synagoge. In Heidelberg ging es eher darum, das jüdische Wissen der Passanten zu testen und ihnen weiteres zu vermitteln. Das brachte einige der Jugendlichen zum Nachdenken, denn von den vielen Befragten wusste nur ein Passant, wo das Denkmal für die zerstörte Synagoge in Heidelberg ist. Dieses besuchte die Jugendgruppe anschließend und tauschte dort ihre Erlebnisse mit den Passanten aus. Für fast alle war es unverständlich wie wenig die Allgemeinheit über das Judentum weiß. In Worms und Speyer lernten die Zionisten viel über das älteste jüdische Zentrum Europas, das zeitweise die größten und wichtigsten Gemeinden in ganz Europa beherbergte. In Worms besichtigten die Chanichim den jüdischen Friedhof, auf dem der jüdsiche Gelehrte MaHaRam begraben ist. Und zum Abschluss besuchten sie den jüdischen Friedhof in Frankfurt am Main.
Dies waren nicht die einzigen Eindrücke, die die Teilnehmer des Machanes während ihrer Reise durch Deutschland bekamen. Denn die Madrichim hatten einige Programme vorbereitet, mit denen sie den Jugendlichen das nötige Wissen vermittelten; um das Erlebte im rechten Licht zu sehen. Diese Peulot behandelten zum Teil deutsch‐jüdische Persönlichkeiten, Diskussionen über den heutigen Antisemitismus oder auch über den Satz „zu Hause Jude, auf der Straße Mensch“ (Moses Mendelson). Mit diesen neuen Kenntnissen waren die jungen Juden nun in der Lage, alle Eindrücke richtig zu verarbeiten, die sie während der zwei Wochen gesammelt hatten. Denn viele der Chanichim wurden mit Seiten ihrer Religion konfrontiert, die sie davor noch nicht kannten.
Aber die Highlights des Machanes waren die sportlichen Aktivitäten. Gleich am ersten Tag ging es in einen Hochseilpark, in dem viele ihre Grenzen überschreiten mussten. „Augen zu und durch!“ war das Motto. Am nächsten Abend schon wurde von den Zionisten stramme Disziplin wie in der israelischen Armee verlangt, da die Madrichim ein Zahal‐Abendprogramm für die Jugendlichen vorbereitet hatten. Das nächste Sport‐Highlight war die Fahrradtour, die 38 Kilometer durch den wunderschönen Schwarzwald führte. Fast am Ende der Strecke machte die Gruppe eine Pause und erfrischte sich in einem Fluss. Danach folgte der Endspurt: Die einen waren nach dieser Tour erledigt, doch für den Großteil hatte sie viel zu früh geendet. Als Nächstes stand ein Picknick am Starnberger See auf dem Plan, zu welchem dann auch die zweite Gruppe des Machanes dazustieß. Denn der unterschiedliche Ferienbeginn in Bayern, Hessen und Berlin hatte dazu geführt, dass die Bayern erst zur zweiten Woche des Machanes kommen konnten und die Hessen das Ferienlager nach der ersten Woche verlassen mussten. Doch am gemeinsamen Wochenende wurde natürlich auch wieder der Sport ganz groß geschrieben: Die Madrichim veranstalteten eine Maccabia. Jede Gruppe hatte ihr Land in der jeweiligen Sportart zu vertreten, ob es Fußball, Schwimmen, Marathon oder Schach war. Bei einem „Chap da Degel“, einem Spiel, bei dem man versuchen muss, die Flagge der gegnerischen Mannschaft auf seine eigene Seite zu bringen. Mitten in der Nacht wurden sowohl Teamgeist als auch Taktik von den Jugendlichen verlangt. Am nächsten Tag erwartete die Jugendgruppe eine Aktivität der Spitzenklasse. Die ZJD ging zum Wildwasserrafting. In verschiedene Boote aufgeteilt, versuchten die Chanichim sich gegenseitig zu kapern und auf ihrem eigenen Boot gefangen zu halten. Das war für viele das Highlight des Machanes, das jedoch noch einmal getoppt wurde. Auf der letzten Reise Richtung Frankfurt machte das Machane einen Stopp, um sich einen letzten Kampf im Go‐Kart‐Fahren zu liefern. Das Spitzenduell zwischen Jerry Padovicz und Stevie Hornik konnte Stevie im letzten Durchgang für sich entscheiden. Nach dieser letzten Aktivität fand das Machane dort sein Ende, wo es angefangen hatte, in Frankfurt am Main. Dort wurde ein letztes Mal zusammen gechillt und gegrillt. Beim Mifkad, dem traditionellen Abschluss jeder ZJD‐Veranstaltung, ließen die Jugendlichen die beiden Wochen noch einmal Revue passieren und schon jetzt freuen sie sich auf das 50‐jährige ZJD‐Jubiläum im nächsten Jahr.

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