Hannover

Ein Platz an der Sonne

Der Innenhof des Freizeitheims Lister Turm in Hannover wirkt wie eine kleine Oase. Zwischen den steinernen Türmen und unter großen Kastanien, mit dem Geruch der würzigen Falafel in der Nase und munterer Klesmermusik im Ohr fühlen sich rund 500 Gäste wohl. Wie ein großes Familienjubiläum wurde der Israeltag am vergangenen Sonntag in der List gefeiert. Das Fest hatte die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) unter der Schirmherrschaft des ersten Vorsitzenden Kay Schweigmann-Greve erstmals in Hannover organisiert. »Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir wären zu spät dran«, lacht Greve. »Wir haben den 58. Gründungstag Israels natürlich nicht verpaßt, sondern den Termin mit Absicht so spät gelegt, um draußen feiern zu können.« Auch bei der Ortswahl hatte sich Schweigmann-Greve etwas einfallen lassen: Seine engen Kontakte zu den Falken, der Sozialistischen Jugend Deutschlands, ermöglichten es ihm, den urigen Innenhof ihres Freizeitheims für die Veranstaltung zu nutzen. Die Falken organisieren seit 15 Jahren regelmäßig einen Jugendaustausch nach Israel und würden von der DIG Hannover oft als Jugendforum genutzt, sagt der Vorsitzende.
Zahlreiche engagierte Freunde und Organisationen, zum Beispiel Keren Hayesod, WIZO, die Einheitsgemeinde aus Hannover, die deutsche Technicon Gesellschaft und die Initiative Antisemitismuskritik trugen den ganzen Tag über mit Rat und Tat an Informationsständen zum Gelingen der Aktion bei.
Besonders angetan von Israel zeigte sich die ehemalige Bundesministerin Edelgard Bulmahn. »Jeden Tag neu aufwachen und nicht ahnen, ob es überhaupt ein Morgen gibt«, dies sei das Lebensgefühl, daß sie in einem Auslandsjahr nach dem Abitur in einem Kibbuz in der Nähe des Gasastreifens erlebt habe. Es sei schmerzhaft zu wissen, daß viele Israelis jeden Tag mit diesem Stein auf dem Herzen leben müssen, sagt die ehemalige Bundesministerin. Deswegen wünsche sie sich, daß sich noch mehr junge Leute dafür entscheiden, eine Zeit in Israel zu leben. »Nichts ist wichtiger als zu lernen, was es heißt, füreinander einzustehen.« Auch die deutsch-israelischen Beziehungen im Rahmen der Wissenschaft sprach Bulmahn an. Sie nannte Israel einen Goliath in der Forschung und betonte, daß das Land zwar flächenmäßig klein sei, aber in der Nanotechnologie an 20. Stelle in der Welt stehe. Es sei ihre Herzensangelegenheit sich dafür einzusetzen, daß die wissenschaftliche Partnerschaft der beiden Länder noch stärker gefördert werde, verkündete sie zum Abschluß.
»Ich finde es toll, daß das jüdische Leben in Hannover vielfältig genug ist, um solch eine Veranstaltung ins Leben zu rufen«, sagte Schweigmann-Greve begeistert. Er habe versucht, einen möglichst neutralen Boden zu schaffen, auf dem sich nicht nur die verschiedenen jüdischen Gruppierungen treffen können, sondern auch Christen einen Platz finden. Das ist ihm gelungen: Die beiden jüdischen Gemeinden aus Hannover, die 1992 aus einer Trennung hervorgegangen sind, konnten sich mit ihren Ständen im Innenhof – allerdings recht weit voneinander entfernt – ebenso eingliedern, wie der christliche EKD-Auslandsbischof Rolf Koppe. »Es war ein tolles Fest«, sind sich bei der DIG alle einig. »Deswegen wird es nächstes Jahr wieder stattfinden.« Leonie Voss

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Erinnerung - 20 Jahre ohne Paul Spiegel

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel

Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stand er für Dialog, Klarheit und Verantwortung. Ein Video erinnert an sein Vermächtnis – und daran, warum seine Stimme heute fehlt.

von Jan Feldmann  30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026