Rotenburg

Ein Haus am Wasser

Ein Haus
am Wasser

Rotenburg an der Fulda:
Die Mikwe ist jetzt ein Begegnungszentrum

von Ralf Pasch

Für Rotenburgs Bürgermeister Manfred Fehr (SPD) ist die Mikwe „ein Teil der Geschichte unserer Stadt“. Der Vorsitzende des Förderkreises ehemaliges Jüdisches Ritualbad, Heinrich Nuhn, verweist darauf, daß das Wort Mikwe auch mit „Hoffnung“ übersetzt werden kann. Für Barbara Einhorn‐Katzenstein aus England, deren Großvater Stadtverordneter in Rotenburg war, ist die Mikwe ein Symbol dafür, „daß man nicht bei der Erinnerung stehenbleiben darf, sondern sich fragen muß, was man davon in die Gegenwart trägt“. Toleranz im täglichen Leben sei nicht genug, sagt sie. „Man muß aufeinander zugehen.“
Das wird man demnächst in der ehemaligen Mikwe können. Am Sonntagabend wurde sie als jüdische Gedenk‐ und Begegnungsstätte eröffnet. Nach den Worten von Bürgermeister Fehr will die Gedenkstätte an die ausgelöschten Leben der jüdischen Bürger der Stadt Rotenburg während der Nazi‐Zeit erinnern.
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten in Rotenburg an der Fulda bis zu zehn Prozent Juden. Vom Mittelalter bis in die 30er Jahre war Rotenburg ein Zentrum jüdischer Religion und Kultur. In einem unscheinbaren Fachwerkhaus hatte sich die Mikwe befunden. Nach 1938 kaufte sie ein nichtjüdischer Metzger und Gastwirt für 1.600 Reichsmark und baute sie zu einem Wohnhaus um. Seine Tochter lebte 60 Jahre lang darin. Als sie 1998 starb, entsann man sich der Geschichte des Hauses mit seinen sieben mal sieben Metern Grundfläche, das unmittelbar an der Fulda steht.
Auf Initiative des ehemaligen Gymnasiallehrers Heinrich Nuhn gründete sich der Förderkreis, der in dem Haus ein Judaica‐Museum einrichten wollte. Nuhn leitete an der Jacob‐Grimm‐Gesamtschule in Rotenburg die Schüler‐Arbeitsgemeinschaft „Spurensuche“, die Beiträge zur Erforschung der jüdischen Geschichte in der Region sammelte.
Daß noch Reste des Ritualbades zu finden sein würden, daran glaubte niemand. Im Jahre 2000 kaufte die Stadt das Fachwerkhäuschen. Neben Kommune und Förderkreis brachten Sparkassenstiftung und Europäische Union Geld auf, um das Bauwerk zu sanieren. Dabei kam die Überraschung: Unter dem Betonfußboden des Erdgeschosses kam nicht nur das zuletzt benutzte Tauchbecken mit blauen und weißen Kacheln zum Vorschein, sondern einige Meter tiefer stießen Archäologen auf Reste einer Grundwasser‐Mikwe, wie sie im Mittelalter benutzt wurde. Auch der Sockelring eines Warmwasserkessels und ein Schacht für die Reinigung von Geschirr und Bestecken tauchten auf. Die Ausgrabungsfunde wurden freigelegt, das Fachwerkhaus saniert.
Die Besucher der Begegnungsstätte laufen heute über einen gläsernen Steg und schauen von oben in die tief unten liegenden Räume. Bevor die ersten Besucher die Gedenk‐ und Begegnungsstätte betreten durften, sprach Lea Weiland von der Jüdischen Gemeinde in Fulda das El male Rachamim zur Erinnerung an die Opfer der Schoa.
Im zweiten Geschoß des Hauses ist ein kleines Museum eingerichtet. Die von den Nazis beschädigte Torarolle aus der Rotenburger Synagoge steht neben persönlichen Gegenständen ehemaliger jüdischer Einwohner der Stadt.
www.mikwe.de

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