Wasser

Durststrecke

von Wladimir Struminski

Der nationale Wasserpegel: So heißt in Is‐
rael der Wasserstand des Kinneret (See Ge‐
nezareth). Und der sinkt wie die Stimmung bei der für den See zuständigen Kinneret‐Verwaltung. Dort wird Tag für Tag der Pegel des landesgrößten Süßwasserreservoirs von Amts wegen geprüft. Am Dienstag dieser Woche lautete der Messbefund: 212,05 Meter unter dem Meeresspiegel. Das sind 3,25 Meter weniger als zum gleichen Zeitpunkt vier Jahre zuvor. Sinkt der Wasserstand um einen weiteren Meter, wird die kritische Untergrenze erreicht, ab der kein Wasser mehr abgepumpt werden darf.
Nun zieht die staatliche Wasserbehörde die Notbremse. Die Frischwasserzuteilung für die Landwirtschaft wurde drastisch ge‐
kürzt und liegt bei nur noch 440 Millionen Kubikmetern pro Jahr. Statt mit trinkfähigem Wasser müssen die Kibbuzim und Moschawim ihre Felder großenteils mit gereinigten Abwässern versorgen. Im Ex‐
tremfall muss die Regierung den Wasserverbrauch drastisch einschränken, auch wenn das verdorrte Grünflächen und ei‐
nen schwerwiegenden Rückschlag für die Landwirtschaft bedeutet. Da ist es kein ausreichender Trost, dass wenigstens die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung nicht als gefährdet gilt.
Israel hat den vierten niederschlags‐
armen Winter in Folge erlebt. Das hat die Wassermengen, die den Kinneret erreichen, erheblich geschmälert. Allerdings sind solche Durststrecken im Nahen Osten nicht unbekannt. Darauf hätte sich das Land einstellen müssen. Umso mehr, weil Israel bereits zu Beginn des Jahrzehnts in eine schwere Wasserkrise geraten war und nur knapp einem Notstand entkam.
Angesichts der prekären Lage fordern Umweltschützer eine Eindämmung des Wasserverbrauchs. Zu diesem Zweck, glaubt Moshe Perlmutter, bei der israelischen Naturschutzgesellschaft für Wasserfragen zuständig, müsse die Regierung Sparmaßnahmen konsequenter als bisher durchsetzen. Das reicht von der umfassenden Installierung wassersparender Aus‐rüstungen in Privathäusern – etwa effizienteren Toilettenspülungen und den Wasserdruck senkenden Vorsätzen für Spüle und Bad – bis hin zu strengen Sparnormen im Wohnungsbau, dem Hotelgewerbe und bei öffentlichen Einrichtungen. Allerdings ist auch das allenfalls eine Teillösung. Das Einsparpotenzial im Haushalts‐ und Kommunalbereich, erläutert Uri Shor, Pressesprecher der Wasserbehörde, liegt bei rund zehn Prozent und soll ausgeschöpft werden. Damit ließe sich die landesweite Nachfrage aber nur um drei bis vier Prozent senken.
Langfristig bleibt Israel nur eine Steigerung des Angebots übrig. Auf natürliche Wasserressourcen kann das Land nicht zählen. Genauso wie der Kinneret leiden auch die beiden großen Grundwasserbestände des Landes, die sogenannten Küsten‐ und Bergaquifer, an Überpumpung. In die Hohlräume dringt zunehmend Meerwasser ein. Der Salzgehalt steigt, die Wasserqualität sinkt. Bis sich diese Aquifer von solchen Schäden erholen, vergehen viele Jahre. Auch der Rückgriff auf Recycling bietet keine Dauerlösung. Jetzt schon, so Ori Yogev, Vorsitzender von Waterfronts, dem Interessenverband der Wasserwirtschaft, bereitet Israel 75 Prozent der landesweit anfallenden Abwassermenge auf. Gewiss, das ist ein weltweit einmaliger Rekord, auf den die Israelis zu Recht stolz sind. Allerdings heißt das: Die Spielräume sind auch hier weitgehend erschöpft.
Die einzige praktisch unerschöpfliche Wasserquelle ist die Entsalzung von Meerwasser. Und gerade hier hat die Regierung am falschen Ende gespart. Wegen der hohen Investitions‐ und Bereitstellungskos‐ten wurden bisher nur zwei Entsalzungsanlagen mit einer jährlichen Leistungs‐
kapazität von 138 Millionen Kubikmeter gebaut. Das entspricht lediglich einem Siebtel des Gesamtwasserverbrauchs. Erst im vergangenen Jahr gab das Kabinett den Warnungen der Wasserbehörde nach und beschloss, die jährliche Entsalzungskapazität auf eine halbe Milliarde Kubikmeter auszubauen. Allerdings lassen sich die dazu erforderlichen Monumentalprojekte nicht nach Belieben aus dem Boden stampfen. Bis die Zielkapazität erreicht ist, schreibt man, so das Infrastrukturministerium, das Jahr 2013. Ob Israel so lange warten kann, ist ungewiss. „Wenn der kommende Winter nicht mit unerwartet kräftigen Regenmengen aufwartet“, weiß Behördensprecher Shor, „wird die Lage im Jahre 2009 noch schlimmer als heute.“

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