Demjanjuk

»Die Beweiskette ist lückenlos«

Herr Schrimm, nach monatelangen Recherchen haben Sie am Montag das Vorermittlungsverfahren gegen den in den USA lebenden mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher Iwan John Demjanjuk an die Münchner Staatsanwaltschaft abgegeben. Wie groß sind die Chancen, dass ein deutsches Gericht ihm den Prozess macht?
schrimm: Die Staatsanwaltschaft München wird entscheiden, ob sie Anklage erhebt oder nicht. Wir sind der Auffassung, dass die Beweiskette lückenlos ist und Demjanjuk aufgrund der von uns ermittelten Tatsachen verurteilt werden kann.

Welche Vorwürfe erheben Sie gegen ihn?
schrimm: Den der Beihilfe zum Mord in mindestens 29.000 Fällen während der Zeit seiner Tätigkeit im Vernichtungslager Sobibor.

Auf welche neuen Fakten sind Sie bei Ihren Ermittlungen gestoßen?
schrimm: Wir haben erstmals Listen gefunden mit den Namen jüdischer Männer, Frauen und Kinder. Viele von ihnen hat Demjanjuk 1943 persönlich in die Gaskammern geführt.

Demjanjuk war nie Deutscher und hat seine Verbrechen außerhalb Deutschlands begangen. Ist die Justiz hierzulande für ihn zuständig?
schrimm: Wir gehen davon aus, dass er der deutschen Gerichtsbarkeit schon deshalb unterliegt, weil er seine Verbrechen auf deutschen Befehl begangen hat. Sollte ein Ge- richt dies für unzutreffend halten, dann käme in Betracht, dass sich unter den Opfern 1.900 deutsche Staatsbürger befanden.

Wann wird Deutschland die US-Behörden um Demjanjuks Auslieferung ersuchen?
schrimm: Das ist schwer vorherzusagen. Wenn die Staatsanwaltschaft München unserer Argumentation folgt, sich für zuständig erklärt und die Sach- und Rechtslage genauso sieht wie wir, dann könnte dies sehr schnell geschehen.

Wie aussichtsreich ist es, dass Demjanjuk tatsächlich verurteilt wird?
schrimm: Demjanjuk ist 88 Jahre alt. Man weiß nicht, wie im Falle eines Prozesses sein gesundheitlicher Zustand sein wird. Aber sollte er verhandlungsfähig sein, halte ich es für wahrscheinlich, dass er verurteilt wird.

Mit dem Leiter der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen sprach Tobias Kühn.

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