Einspruch

Das Vertrauen erodiert

Susanne Urban Foto: privat

Einspruch

Das Vertrauen erodiert

Susanne Urban empört sich darüber, dass ein antisemitischer Polizei-Chat ungeahndet geblieben ist

von Susanne Urban  10.03.2023 08:38 Uhr

Synagogen und jüdische Schulen stehen in Deutschland unter Polizeischutz. Doch sind die Polizistinnen und Polizisten jenen, die sie vor Angriffen bewahren sollen, immer wohlgesinnt? Charlotte Knobloch wurde jahrelang von einem Polizisten begleitet, der sich in antisemitischen Chats auch auf sie bezog. Das zuständige Gericht sprach eine Degradierung des Mannes aus, aber er bleibt im Dienst.

Nun ein ähnlicher Fall aus Hessen: Die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Frankfurt erhob Anklage gegen eine 2014 eingerichtete Chatgruppe. Bis zu zehn Polizeiangehörige befeuerten auf WhatsApp den »Itiotentreff« mit antisemitischem und rassistischem Material. Das Landgericht Frankfurt entschied jedoch im Februar, keine Anklage zuzulassen. Die Gruppe sei zu klein gewesen, um Öffentlichkeit herzustellen.

Inhalte Wie bitte? Über WhatsApp lassen sich Inhalte flugs an alle eigenen Kontakte weiterverteilen. Manche beanstandeten Inhalte seien zudem nicht Volksverhetzung, sondern »Satire«, unterlägen der Kunst- und Meinungsfreiheit. Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin Einspruch bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. Nun geht der Fall an das Oberlandesgericht, und sollte dort das Verfahren zugelassen werden, gelangt dieses zurück an das so humorige Landgericht.

Die antisemitischen Skandale, Attentate und Übergriffe häufen sich. Die Grenzen des sag- und zeigbaren Antisemitismus sind seit Jahren ausgedehnt worden. Was hilft die bloße moralische Verurteilung den Betroffenen, wenn diese Vorfälle strafrechtlich ohne Konsequenz bleiben? Das Vertrauen in Justiz und Polizei erodiert. Wer erträgt es eigentlich noch, wenn Politiker getragenen Tones sagen, in Deutschland gebe es keinen Platz für Antisemitismus? Falsch! Judenhass hat einen festen Platz in unserem Land. Judenhass zeigt sich in allen Milieus. Judenhass ist Alltag. Hört auf zu beschwichtigen und handelt endlich!

Die Autorin ist Projektleiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Hessen.

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026