Bad Saarow

Das Erbe von Bad Saarow

Idyllisch am Scharmützelsee gelegen, lädt der Kurort Bad Saarow zu Erholung und Wellness ein. Das tat er auch schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Auch jüdische Gäste suchten im nahe Berlin gelegenen Oder-Spree-Kreis Erholung und Entspannung. Doch erst aus Anlass einer Aus- stellung unter dem Titel »Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin« von Jani Pietsch und nach dem Erscheinen ihres gleichnamigen Buches über 176 Schöneicher Juden gründete sich 2006 in Bad Saarow die Bürgerinitiative »Jüdische Spuren in Bad Saarow«. Sie fragte nach dem Verbleib seiner einstigen jüdischen Kurgäste.
In den Archiven des Kreises, des Landes und des Bundes fanden die Nachforscher Aktenstücke zu 200 Namen, die von der NS-Gesetzgebung als jüdisch definiert wurden. Mit einem Teil dieser Namen verbindet sich lediglich der Nachweis eines Grundstücksbesitzes, auch die übrigen Namen verweisen zwar auf Wohnadressen, auf Häuser und Grundstücke mit konkreten Straßenbezeichnungen, doch Spuren eines signifikanten jüdischen Lebens in Bad Saarow bezeugen sie nicht. Das hängt nicht zuletzt mit dem Charakter des Ortes zusammen, der in den 20er- und 30er-Jahren zwar als Wochenenddomizil für erholungssuchende und zugleich nicht ganz mittellose Berliner eine attraktive Adresse wurde, aber nur für die wenigsten, meistens älteren Menschen auch zum ständigen Wohnsitz.
Die Initiative suchte weiter, was aus den jüdischen Grundstücksbesitzern nach dem 30. Januar 1933 geworden war und ob sie nach dem Ende der NS-Herrschaft nach Bad Saarow zurückkehrten. Vor allem nach dem Novemberpogrom 1938, so fanden sie heraus, wurden die meisten Grundstücke und Häuser verkauft, zwangsversteigert oder in staatliche Treuhand übernommen. Die jüdischen Verkäufer hatten kaum etwas von den Verkaufserlösen. Wenn sie konnten, verließen sie Deutschland, um wenigstens ihr Leben retten zu können.
41 Personen hatten auch dazu keine Chance mehr, sie wurden nach Theresienstadt, Lodz (Litzmannstadt), nach Riga und Minsk, nach Stutthof, nach Bergen-Belsen, nach Auschwitz, Treblinka, Sobibor und Majdanek deportiert und ermordet. Weitere 14 Personen verstarben zwischen 1933 und 1942, meist in Berlin. Aufgefundene Dokumente lassen vermuten, dass sie ihrem Leben selbst ein Ende setzten.
Um in einer adäquaten Form an frühere jüdische Bewohner des Kurortes zu erinnern, ist nun eine Gedenktafel an zentraler Stelle angebracht worden. Seit dem 20. November erinnern die ersten sieben »Stolpersteine«, für die Bürger des Ortes und Angehörige die Patenschaft übernommen hatten, an Georg Zehden, seine Ehefrau Lisbeth und ihren Sohn Klaus sowie an Gustav Hochstetter und seine Tochter Elisabeth und an Ida Goldstein und Elsbeth Fieseler. Christian Pietà

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