Hendrik van Dam

Botschafter der Juden

Botschafter der Juden

Zum 100. Geburtstag von Hendrik van Dam

»Hendrik George van Dam ist der inoffizielle Botschafter der Juden in Deutschland, sowohl gegenüber der Bundesregierung wie auch gegenüber den Juden in der Welt«, schrieb 1968 der amerikanische Journalist Leo Katcher in seinem Porträt des damaligen deutschen Judentums. Bis zu seinem Tod im Januar 1973 war der Generalsekretär des Zentralrats der Juden die wichtigste und sichtbarste politische Figur im deutsch-jüdischen Leben der Nachkriegsjahrzehnte.
Der gebürtige Berliner war das Produkt des jüdischen Großbürgertums. Seine Familie war im 19. Jahrhundert aus Holland ins Deutsche Reich eingewandert, sein Vater war der letzte Hofantiquar von Kaiser Wilhelm II., sein Großvater mütterlicherseits Stadtverordneter in der Hansestadt Bremen gewesen. Van Dam promovierte in Basel über ein Thema, das auch heute noch einer Aktualität nicht entbehrt: »Probleme des Mißbrauchs wirtschaftlicher Macht.« 1933 emigriert, ließ er sich in England nieder. 1946 kam er als Mitarbeiter der Jewish Relief Unit in die britische Zone Deutschlands. Als Jurist galt sein Wirken vor allem der Wiedergutmachungsgesetzgebung. Ein von ihm verfaßtes Memorandum aus dem Jahre 1950 schuf die Grundlage für die Wiedergutmachungsverhandlungen und dem Luxemburger Abkommen zwei Jahre später. Er gehörte zu den Mitbegründern des Zentralrats, und bis zu seinem Tod im Alter von 66 Jahren wirkte er 23 Jahre lang als dessen Generalsekretär.
In jenen Jahren war an der Spitze des Zentralrats ein Jurist gefragt. Thema Nummer eins war die Frage der Rückerstattung von Vermögen und der Entschädigung für die von Nazideutschland begangenen Verbrechen. Der Zentralrat verstand sich dabei sowohl als Sachwalter der in seinen Gemeinden registrierten Mitglieder wie auch als Vermittler in den Verhandlungen mit den internationalen jüdischen Organisationen und dem Staat Israel. Van Dam war in diesem Bereich der kompetenteste Ansprechpartner. Dabei nahm er nicht nur deutlich gegen zögerliche Positionen in der deutschen Politik Stellung, sondern äußerte ebenso unmißverständlich die Ansprüche der deutsch-jüdischen Gemeinschaft gegenüber den internationalen jüdischen Treuhandorganisationen, allen voran der IRSO (Jewish Restitution Successor Organization) in der amerikanischen Zone. In einem Beitrag für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung aus dem Jahre 1952 etwa stellte er die IRSO als Usurpatorin des deutsch-jüdischen Erbes dar.
Doch van Dam war zu Gesten der Versöhnung immer wieder bereit. In den von ihm unterzeichneten Grußbotschaften der 60er Jahre fällt der völkerverbindende Ton auf. Von der »Einheit des Menschengeschlechts« und der Bemühung, »das Band zwischen allen, die guten Willens sind, zu verstärken und nicht zu zerreißen« ist ebenso die Rede wie von der »Normalisierung der Beziehungen zwischen den Völkern«. Hendrik George van Dam wäre am 8. November 100 Jahre alt geworden. Michael Brenner

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026