Benedikt

„Benedikt geht es um die Macht“

Herr Küng, wie viel Schaden hat Papst Benedikt XVI. angerichtet, als er die Exkommunizierung der traditionalistischen Piusbruderschaft aufhob?
küng: Benedikt hat seiner Autorität und seiner Verantwortung großen Schaden zugefügt. Das ist bedauerlich, denn der Papst kann ja sehr wohl Gutes bewirken. Aber während der jüngsten Ereignisse hat er mit seinen Entscheidungen besonders dem Judentum geschadet.

Sie haben jüngst gesagt, der Papst habe seine Entscheidung bewusst getroffen und sei keineswegs bloß falsch informiert worden, wie es derzeit manchmal kolportiert wird. Ist der aktuelle Schaden also mit Ansage entstanden?
küng: Jetzt versucht man ja zu beschwichtigen: Das seien Kommunikations‐ und Managementfehler gewesen. Das stimmt gewiss auch, aber vor allem waren es Regierungsfehler. Die hat der Papst ganz persönlich zu verantworten.

Können Sie das erklären?
küng: Schon als Kardinal hat der heutige Papst mit diesen Leuten verhandelt. Und als er Kirchenoberhaupt wurde, hat er die lateinische Messe gestattet, was den Piusbrüdern wichtig war. Das ist ein unerhörter Vorgang. Bevor man die Piusbrüder wieder in die Kirche aufnimmt, müssen die sich doch erst mal modernisieren!

Mittlerweile rückt auch die Piusbruderschaft von ihrem Bischof Williamson ab, der die Schoa leugnet. Halten Sie die übrige Piusbruderschaft einer Rehabilitation für würdig?
küng: Bischof Williamson und seine Unverfrorenheit, den Holocaust zu leugnen, fällt sicherlich am stärksten auf. Aber alle vier Bischöfe der Piusbruderschaft haben eine judenfeindliche Tendenz. Sie verunglimpfen die Juden als „Gottesmörder“.

Wenn Papst Benedikt all das wusste, ist er selbst ein Antisemit?
küng: Nein, Benedikt ist gewiss kein Antisemit. Aber er hat zugelassen, dass Zweifel daran aufkommen.

Auf jüdischer Seite wird diskutiert, den Dialog mit der katholischen Kirche abzubrechen. Was halten Sie davon?
küng: Das wünsche ich mir keineswegs. Abbrechen hieße ja, dass man wegen einer sektiererischen Gruppe das Gespräch mit der großen katholischen Kirche beendet. Diesen Gefallen sollte man ihnen nicht tun.

Es entsteht aber der Eindruck, dass das Judentum für Benedikt eine Quantité négligeable darstellt.
küng: Benedikt hat die Bedeutung des Judentums, wie auch der evangelischen Kirche, immer betont. Aber er hat sich nicht um die Juden bemüht, wie er sich auch nicht um die Protestanten bemüht hat. Benedikt geht es um die Macht der katholischen Kirche. Diese Macht will er auf jeden Fall stärken.

Das Gespräch führte Martin Krauß.

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