Mosche Katsav

Bei allem Respekt

von Detlef David Kauschke
und Baruch Rabinowitz

Eigentlich ist Israels Präsident Mosche Katsav ein stets besonnener und höflicher Mensch. Das Staatsoberhaupt mit dem silbernen Haar, dem freundlichen Lächeln und der eleganten Erscheinung ist bei seinen Landsleuten äußerst beliebt. Er gilt im Vergleich zu manchem seiner Vorgänger als eher unauffällig. Und im Verlauf seiner 29jährigen politischen Karriere ist er auch als Knessetmitglied, Arbeits-, Transport- oder Tourismusminister selten mit besonderen Redebeiträgen in die Schlagzeilen geraten. Er ist ein Mann des Ausgleichs.
Doch jetzt hat er – vielleicht eher unbeabsichtigt – eine heftige Kontroverse ausgelöst, sogar einen Sturm der Entrüstung entfacht. Der Streit dreht sich um die Frage, ob ein nichtorthodoxer Rabbiner in Israel als Rabbiner bezeichnet werden kann und soll. Mosche Katsav meint: nein.
Unlängst hatte der 1945 im Iran geborene Katsav in einem Interview gesagt, er sei nur gewohnt, jüdische Geistliche mit einer orthodoxen Ordination als Rabbiner zu bezeichnen. Auf die Frage, ob er als Präsident aller Israelis damit nicht die Prinzipien seines Amtes verletze, antwortete er: »Sobald der Staat Israel einen Reformrabbiner als Rabbiner anerkennt, wäre auch der Staatspräsident dazu verpflichtet, so zu verfahren.« Zudem habe er sein Haus mehr als jeder seiner Vorgänger für alle Strömungen des Judentums geöffnet.
Zumindest Eric Yoffie, Präsident der Union des Reformjudentums, wollte davon während seines jüngsten Israel-Besuches keinen Gebrauch machen. Am Rande des Zionistischen Weltkongresses in Jerusalem sagte er Reportern, wenn Katsav ihn nicht als Rabbiner akzeptiere, wolle er auch nicht mit ihm zusammentreffen. Statt dessen zogen am Montag vergangener Woche einige Dutzend Demonstranten aus dem Kreis der zionistischen Jugend der Reformbewegung und der Meretz-Partei vor die Residenz des Staatspräsidenten, um gegen dessen Haltung zu protestieren.
Eric Yoffie bekräftigte in einem Gespräch mit der Jüdischen Allgemeine seine Auffassung, daß auch der israelische Staatspräsident anerkennen solle, daß er und seine Kollegen für Millionen Juden Rabbiner seien. Die Reformbewegung ist mit 1,5 Millionen Mitgliedern die größte jüdische Bewegung in den USA. »Das Problem ist nicht, daß Präsident Katsav mich nicht als Rabbiner bezeichnen wollte«, so Joffie, »er hat vor allem mehrere Millionen reformorientierte und konservative Juden beleidigt.«
Es gebe Millionen Juden in aller Welt, für die reformorientierte und konservative Rabbiner geistliche Autoritäten seien, die ihre Synagogen leiten und ihre Kinder unterrichten. Sie alle, sagt Yoffie, fühlten sich jetzt enttäuscht und verletzt. »Präsident Katsav ist nicht nur israelischer Staatspräsident, er ist vielmehr ein jüdischer Staatspräsident, der die Einheit des jüdischen Volkes befördern sollte. Egal, welche theologischen Ansichten er selber vertritt, sein Amt fordert elementare Sensibilität für alle Juden.« Der 1974 beim Hebrew Union College in New York ordinierte Rabbiner forderte Katsav auf, seine Entscheidung noch einmal zu überdenken. »Wir brauchen nicht die Anerkennung durch das orthodoxe Judentum. Uns geht es um Respekt.«
Medienmeldungen zufolge hat Katsav unterdessen einen Kompromißvorschlag unterbreitetet: Er sei bereit, die Geistlichen der Reformbewegung als »Reformrabbiner« zu bezeichnen.
Der Vorsitzende der Weltunion für das progressive Judentum, Uri Regev, bedauerte die Äußerungen des israelischen Staatspräsidenten: »Die Art und Weise, wie Katsav das jüdische Volk betrachtet, paßt nicht zur Realität.«

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Erinnerung - 20 Jahre ohne Paul Spiegel

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel

Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stand er für Dialog, Klarheit und Verantwortung. Ein Video erinnert an sein Vermächtnis – und daran, warum seine Stimme heute fehlt.

von Jan Feldmann  30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026