Wuppertal

Baumeister, Weber und Dichter

Eine Fülle jüdischer Quellen sowie zahlreiche Zeitzeugenberichte bilden die Basis für den aufwendig gestalteten Bildband »Tora und Textilien«. Ulrike Schrader, die Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, beleuchtet die jüdische Geschichte der Wupperstädte Elberfeld und Barmen von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Anfang des 19. Jahrhunderts begann diese Geschichte, initialisiert durch die aufstrebende Textilindustrie. In den Jahren zuvor waren Juden der Gegend im Bergischen Land nur lose verbunden. Angesichts des aufblühenden Textilhandels konnten sie sich in den nachfolgenden Jahrzehnten Ansehen als Geschäftsleute verschaffen. So erklärt sich auch der Titel des Buches.
Parallel zu zahlreichen individuellen Biografien einzelner jüdischer Bürger Wuppertals, unter ihnen der Bauhaus-Architekt Hans Heinz Lüttgen, der Weber Samuel Steilberger, der Regisseur Max Ophüls oder die Dichterin Else Lasker-Schüler, schildert das Buch anschaulich die Geschichte der sich entwickelnden Gemeinde. Es entstanden zwei Synagogen, drei jüdische Friedhöfe sowie diverse soziale und kulturelle Einrichtungen. Bis zur Zeit des Nationalso- zialismus etablierte sich vielfältiges jüdisches Leben. Ausführlich beleuchtet Ulrike Schrader im dritten Kapitel das jüdische Leben während der NS-Zeit. Auch hier fügt sie aus zahlreichen Einzelschicksalen ein Bild der Zeit zusammen und fundiert diese stets durch Bezüge zur allgemeinen historischen Entwicklung. »Wir sind die Letzten, fragt uns aus!« – mit diesem Zitat ist das letzte Kapitel des Buches überschrieben. Es wendet sich der Nachkriegszeit zu, dem leisen Wiedererwachen jüdischen Lebens in Wuppertal bis hin zur Einweihung der Bergischen Synagoge 2002. Ausschnitte aus Interviews mit ausgewanderten Juden runden die Schilderung ab. Dem Buch fehlt nie der Bezug zur Gegenwart. Schon der vorangestellte Artikel des Wuppertaler Rabbiners Lothar Lubasch aus dem Jahr 1931 weist auf gegenwärtige Probleme. In dem für die Jüdisch-liberale Zeitung geschriebenen Artikel beleuchtet der Rabbiner häufig gestellte Fragen von Schülern, die gerade eine Synagogenführung mitgemacht haben. Erfahrungen, die jüdische Gemeinden und Gedenkstätten auch heute machen. Zum anderen schlägt Ulrike Schrader stets einen Bogen zwischen Zeitzeugenaussagen und heute noch präsenten Adressen wie Vierteln, Straßen, Häusern und Plätzen.
Das Bildmaterial aus privaten Quellen und Archiven trägt zur authentischen Vermittlung der Historie bei. Mehr als 400 farbige Abbildungen ergänzen die Texte. Mit der ansprechenden Gestaltung, einem übersichtlichen und klaren Layout, ist das 252 Seiten starke Buch optisch sehr gelungen. Eine umfangreiche Bibliografie ergänzt das Buch und macht es zu einem besonderen Nachschlagewerk. Annette Kanis

ulrike schrader: tora und textilien. zur geschichte der juden in wuppertal. Hrsg: Trägerverein Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal, 2007

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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