bayreuth

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Mitten in der fränkischen Festspiel‐ und Universitätsstadt steht eine Synagoge aus dem Jahr 1714. Ein Zeugnis vergangener Tage. Anzusehen ist ihr die bedeutende Vergangenheit ihrer Gemeinde nicht, und schon gar nicht, dass vielleicht bald wieder jüdisches Leben hier einziehen soll. Doch das soll sich ändern: Ein umfangreiches Gutachten liegt jetzt auf dem Tisch und wartet auf die Umsetzung. Es stammt, ebenso wie die Pläne der neuen Dresdner, Münchner und Kölner Synagogen, aus der Feder der Architekten Wandel, Hoefer, Lorch und Hirsch. Mit zwölf Millionen Euro, so die Studie, kann die israelitische Kultusgemeinde in Bayreuth eine neue alte Heimat bekommen.
Es soll drei Bauabschnitte geben: Zuerst soll im kommenden Jahr, so hofft die Ge‐
meinde, der Bau einer Mikwe beginnen. Das Grundwasser biete gute Voraussetzungen dafür, sagt der Gemeindevorsitzende Felix Gothart.
Zweitens wollen die Architekten für sieben Millionen Euro alte Bauelemente der Synagoge wiederentdecken und mit neuen kombinieren. Alle Fenster, außer die der Misrach‐Wand, wurden während schonungsloser Renovierungsarbeiten in den 60er‐Jahren zugemauert. Jetzt haben die Architekten vor, mindestens die Fenster an der gegenüberliegenden Seite wieder an alter Stelle in die Mauer zu setzen und auf neue Weise mit einem regelmäßigen, steinernen Muster des Davidsterns zu verzieren, ganz ähnlich dem Inneren in der neuen Münchner Synagoge. Der Gebetsraum soll wie ursprünglich wieder fast die gesamte Grundfläche einnehmen, doch wird er hell erleuchtet sein: Moderne Lichtleiter lenken das Sonnenlicht aus dreieckigen Fenstern durch das Dach hindurch hinunter auf die Bima.
Drittens ist ein neues Gemeindezentrum geplant, das gegenüber der Synagoge in einem Gebäude entstehen soll. Momentan gehört es noch zur Universität. In vier Jahren hofft die Gemeinde, in den drei Stockwerken zum Beispiel Ausstellungsräume, ein Gästehaus und eine Laubhütte einrichten zu können. Auch das im vergangenen Jahr angekündigte Friedhofsmuseum könnte hier Platz finden. Diese Pläne befinden sich bereits mitten in der Umsetzung: Um die Grabsteine zu digitalisieren und in einer öffentlichen Datenbank im Internet bereitzustellen, haben Forscher schon einige hundert Grabmale fotografiert.
Die neuen, großen Pläne hingegen muss die Gemeinde noch mit den zuständigen lokalen Behörden absprechen. Er sehe aber viele positive Signale, so Gothart. Wenn alles gut gehe, könnten die Bauarbeiten in vier Jahren abgeschlossen sein. Trotz vieler Zusagen fehle es aber noch an Sponsoren. Daher wird die Gemeinde zusammen mit der Stadt und dem Regierungsbezirk am 16. Juli einen Förderverein gründen. Die Zeichen geben also Anlass zur Zuversicht, dass in einigen Jahren die alte barocke Synagoge, in neuem Glanz, wieder ein sichtbarer Teil des Stadtbildes werden könnte. An Ideen mangelt es nicht. Johannes Himmelreich

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