ZIM

Auf den sieben Weltmeeren zu Hause

von Ralf Balke

„Die überwiegende Mehrzahl der israelischen Reedereien schwimmt in einem Meer roter Zahlen.“ So berichtete vor elf Jahren das Handelsblatt über die Situation der Schifffahrtsgesellschaften in Israel. Insbesondere die damals halbstaatliche ZIM schockte ihre Aktionäre mit einem Riesenverlust in Höhe von 38,9 Millionen Dollar. Die Krise der internationalen Seeschifffahrt im Jahr 1997 hatte auch vor dem Platzhirsch unter den israelischen Reedereien nicht haltgemacht. Doch rote Zahlen waren gestern. Heute steht ZIM ziemlich gut da und ist immerhin die dreizehntgrößte Containerschifffahrtsgesellschaft der Welt. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2007 betrug laut dem Wirtschafts‐ informationsdienst Dun & Bradstreet 3,8 Milliarden Dollar, 2006 waren es noch 3,1 Milliarden Dollar. Nur mit dem Gewinn will es noch nicht so richtig klappen. Im ersten Quartal 2008 machte man sogar erstmals seit Langem wieder Verluste. Über zwei Millionen Container wurden im Jahr 2006 von ZIM in etwa 100 Schiffen, von denen 25 dem Unternehmen ganz oder teilweise gehören, in alle Welt transportiert. Regionale Geschäftszentralen gibt es in Haifa, Hamburg, Hongkong sowie in Norfolk im US‐Bundesstaat Virginia.
Dabei hatte alles einmal ganz klein angefangen. 1945 wurde ZIM von der Jewish Agency, der Histadrut und der Israel Maritime League ins Leben gerufen, das erste Schiff, die „Kedmah“ wurde zwei Jahre später gekauft. Natürlich hat der Name ZIM auch eine Bedeutung. Israels erster Transportminister, David Remez, hatte ihn vorgeschlagen, das Wort stammt aus der Tora und bedeutet so viel wie „großes Seefahrzeug“. Am Anfang ging es auch weniger um Waren als um Menschen. Die ersten Jahre war ZIM damit beschäftigt, einen Großteil der jüdischen Flüchtlinge und Migranten auf meist recht abenteuerlichen Booten in ihre neue Heimat zu bringen. Ab 1953 sah das dann anders aus, eine Flotte von 36 Schiffen brachte die Exportwirtschaft des jungen jüdischen Staates in Schwung und regelte den Passagierverkehr mit dem Rest der Welt – zumindest so lange, bis moderne Düsenflugzeuge diese Aufgabe übernahmen. 1969 gingen über 50 Prozent des Unternehmens in private Hände und zwar an die mächtige Israel Corp., die sich heute im Besitz der Ofer‐Familie befindet und die unter anderem Israel Chemicals und Tower Semiconductors kontrolliert. Die Ofer‐Brüder waren es auch, die im Jahr 2004 die restlichen Anteile vom israelischen Staat übernahmen – „für ein Taschengeld“ wie es unter Experten hieß.
Nichtsdestoweniger wird kräftig in die Zukunft von ZIM investiert. Rund zwei Milliarden Dollar sollen bis 2010 in den Ausbau der Flottenkapazität gesteckt werden. Allein bei den Hyundai‐Werften platzierten die Israelis Aufträge für acht neue Containerschiffe im Wert von zusammen weit über einer Milliarde Dollar. 2009 sollen die ersten neuen Riesenfrachter in Dienst gehen. Und vor zwei Jahren gelang ZIM ein Riesen‐Coup: Das Unternehmen brachte mit der China Railway Container Transport Corp. einen Vertrag zwecks Gründung eines Joint Ventures mit dem Namen China United International Rail Container Co. Ltd. unter Dach und Fach. Dieses neue Gemeinschaftsunternehmen soll in zwei Phasen bis zum Jahr 2010 rund zwei Milliarden Dollar in den Ausbau von Container‐Terminals in elf chinesischen Städten investieren. „Damit hat ZIM die Möglichkeit, einen umfassenden Service anzubieten, der via Schiene und Schiff das Innere Chinas mit der Welt verbindet“, hieß es hochzufrieden aus der ZIM‐Firmenzentrale in Haifa.
Aber damit nicht genug: Ende vergangenen Jahres ging die Meldung über den Nachrichtenticker, dass ZIM sich bei ABG Heavy Industries Ltd. einkaufen will, einem der ganz großen Betreiber von Container‐Terminals in Indien. AGB will expandieren und braucht Geld. Da sind die Is‐ raelis, die zusammen mit der Schweizer Mediterranean Shipping Company sowie einigen privaten Investoren auftreten, sehr willkommen. Und zugleich wird auch deutlich, dass Asien in Zukunft in den strategischen Überlegungen von Zim immer wichtiger wird. Dafür scheint das Unternehmen bestens gerüstet zu sein. Das weiß auch die Deutsche Bank. Deren Analyst Dan Harverd sprach erst vor Kurzem mit dem Hinweis auf das Potenzial von ZIM eine deutliche Kaufempfehlung für Aktien der Israel Corp. aus. „ZIM ist noch deutlich unterbewertet in der Investment‐Community“, so der Experte in diesem Zusammenhang. Er schätzt den eigentlichen Wert von ZIM für die Israel Corp. als fünfmal größer ein. Düstere Schlagzeilen wie vor elf Jahren dürften damit wohl endgültig der Vergangenheit angehören.

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