Fastfood-Lokal

Arrivederci, Spaghetti!

von Gerhard Mumelter

Wer seine Münze ungestört in den römischen Trevi‐Brunnen werfen will, muss früh aufstehen oder spät ins Bett. Nur zwischen zwei und sechs Uhr früh bleibt er dort unbehelligt von drängelnden Urlaubern aus aller Welt, Souvenirverkäufern, Blitzlichtern und lärmenden Reisenden. Dennoch: Auf ein Erinnerungsfoto vor dem berühmten Brunnen mag kein Reisender verzichten. Rund um die Fontana di Trevi wimmelt es von Schnellimbissen,
Restaurants und Eissalons.
Seit einigen Tagen erregt eine Baustelle die Aufmerksamkeit der unzähligen Touristen: Am 6. Dezember eröffnet hier ein koscherer Fastfood‐Imbiss. „Es waren unsere Kinder, die uns auf die Idee brachten“, schildert Izak Nemni die Entstehungsgeschichte des Restaurants. „Jedes Mal, wenn wir an einem Fastfood‐Lokal vorbeikamen, waren sie frustriert, weil sie dort nichts essen durften.“ Die Kinder im Alter von fünf, neun und elf Jahren besuchen die jüdische Schule und kennen die Gründe für den geforderten Verzicht, „aber es sind nun mal Kinder wie andere auch“, erklärt die Mutter Franca Calò, die aus einer alten jüdischen Familie Roms stammt. Zunächst sei es fast wie ein Spiel gewesen, erzählt sie. Doch dann nahm die Idee immer konkretere Formen an, und es entstand vor einem Jahr in einer der verwinkelten Gassen des alten Ghettos der erste Schnellimbiss „Mk Kosher“.
„Wir konnten ihn ja nicht McKosher nennen“, witzelt der Besitzer. Izak Nemni ist Israeli. Seine Eltern wanderten Mitte der 70er‐Jahre nach Rom aus, wo Verwandte lebten. „Mein Vater wollte endlich in Frieden leben“, erzählt der 36‐Jährige, der seine Frau auf einer Benefizveranstaltung der jüdischen Gemeinde kennenlernte.
Nach der guten Erfahrung mit dem kleinen Lokal im Ghetto wollen die beiden nächste Woche am Trevi‐Brunnen ihr zweites, in seinen Ausmaßen gänzlich anderes Fastfood‐Restaurant eröffnen. Es soll Europas größter koscherer Imbiss werden – auch wenn es von außen nicht den Anschein hat. Hinter dem ersten Raum mit Tresen führen Treppen ins Unter‐ und Obergeschoss mit 250 Sitzplätzen in vier Gasträumen. Das in grellem Gelb und Blau gehaltene Lokal präsentiert sich jung, bunt und multikulturell. Von den Wänden lachen essende Kinder und Familien aller Hautfarben. Franca Calò sieht das Lokal als „Treffpunkt verschiedener Kulturen und Religionen“. Sie wendet sich auch an ein islamisches Publikum. „Muslimische Gäste schätzen koschere Kost“, sagt Calò, „weil sie die Garantie haben, dass sich auch im Bratfett und in Konservierungsstoffen keine unerlaubten Substanzen befinden.“
Auf der Speisekarte stehen Chicken Nuggets, vegetarische Hamburger, Kebab aus Truthahnfleisch, Falafel, aber auch römische Gerichte. So gibt es etwa einen Cicoria‐Burger mit dem in der Hauptstadt beliebten gedünsteten Grüngemüse oder mit marinierten Zucchini. Tägliche Kontrollen gewährleisten, dass alle Speisen vorschriftsmäßig zubereitet werden. Pino Arbib, Maschgiach der jüdischen Gemeinde Roms, freut sich über die Eröffnung des neuen Lokals: „Wir kontrollieren bisher fünf Restaurants, zehn Metzgereien, ein Catering‐Unternehmen, sieben Imbisse und sieben Geschäfte.“ Koschere Lebensmittel würden von immer mehr Italienern auch als kontrollierte Qualitätsprodukte geschätzt.
Mit ihrem geschützten Markenzeichen wollen Izak Nemni und Franca Calò bald auch in andere Städte expandieren. „Zunächst steht Mailand auf der Wunschliste, dann Paris und London – Städte, in denen es große jüdische Gemeinden gibt.“
In der Via dei Crociferi am Trevi‐Brunnen wartet der Wachmann der gegenüberliegenden Bank indessen schon gespannt auf die Speisekarte des neuen „Mk Kosher“. „In Rom gibt es an jeder Ecke einen Chinesen, aber ein koscheres Restaurant ist in der Altstadt ein Novum.“ Für „neue Esserfahrungen offen“ zeigt sich auch Daniela, die in derselben Straße ein Einrichtungsgeschäft führt. „Ich gehöre nicht zu jenen Italienern, die, wo immer sie sind, Spaghetti verlangen. Ich esse überall lokale Kost. Koscher? Kenne ich noch nicht. Aber ich bin schon neugierig darauf.“

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