TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Zur ARTE-Sendung Bowie - Der letzte Akt David Bowie tritt im Jahr 2000 beim Glastonbury Festival in England auf – ein grandioses Comeback. Foto: © Toby Melville

Als David Bowie vor zehn Jahren starb, schloss einer der größten Popstars aller Zeiten die Augen. Der Brite Jonathan Stiasny, Spezialist für komplexe, erzählende Dokumentationen, blickt zurück auf die eindrucksvolle Karriere des musikalischen Chamäleons. Im Gegensatz zu den üblichen Musiker-Porträts beleuchtet sein Film aber nicht nur die Highlights, sondern auch den selten thematisierten Karriereknick, der den Sänger für mehr als ein Jahrzehnt ins Abseits rückte.

Jene Phase, in der David Bowie den Anschluss verpasste, folgte bald nach seinem kommerziell größten Erfolg. Mit dem, nun ja, schon etwas mittelmäßigen Album »Let’s Dance« und der folgenden Serious Moonlight Tour war Bowie 1983 plötzlich in die Riege der absoluten Megastars aufgerückt. Jeder Popmusiker wäre davon sicher entzückt gewesen, nicht jedoch David Bowie, der keine Lust darauf hatte, alte Hits wie »Heroes« in Dauerschleife zu präsentieren. Stationen seiner Karriere, die der Film pointiert zusammenfasst, zeigen ihn als akribischen Experimentierer, der sich unablässig neu erfand - und dabei stets Risiken einging.

Nach seinem Durchbruch mit der melancholischen Weltraum-Ballade »Space Oddity« - mit der er 1969 die Mondlandung von Apollo 11 vorwegnahm - riet ihm seine damalige Frau Angela Barnett, eine Spezialistin für modebewusste Kreativität, nun möglichst rasch den Hippie Look loszuwerden. Bowie entwarf daraufhin mit ihr zusammen die Kunstfigur des Ziggy Stardust und experimentierte mit schrillen Outfits, die zu Beginn der 1970er den Glamrock einleiteten. Doch bevor einer dieser Trends out war, befand Bowie sich längst wieder auf einem völlig neuen Trip. So folgte auf erfolgreiche Alben mit Soul- und Funk-Einflüssen Ende der 1970er Jahre die Berlin-Phase, in der er mit Krautrock und Elektronik flirtete: Sound and Vision.

Fragiles Gleichgewicht

In dieser Zeit gelang Bowie ein ums andere Mal das Kunststück, die Musikindustrie zu bedienen, ihr aber auch seinen Stempel aufzudrücken. Er schuf neue Codes, mit denen man sich identifizieren konnte, um sich abzugrenzen. So galt Bowie als queer, lange bevor dieser Begriff in war. Doch dieses fragile Gleichgewicht zwischen künstlerischer Inspiration und einer Resonanz bei einem überschaubaren Publikum geriet mit dem Album »Let’s Dance« aus dem Lot: »Ich wusste nicht, wonach ich suchte«, erklärt Bowie.

Und so kam es, wie es kommen musste: Mit seinem nächsten Experiment, bei dem der Megastar bewusst aus dem Rampenlicht trat, um als einfaches Mitglied der mittelmäßigen Rockband »Tin Machine« zu musizieren, lag der traumwandlerische Trendsetter erstmals daneben, und zwar völlig: »Dieser Mann, der sein halbes Leben damit verbrachte, sich auf geniale Weise neu zu erfinden, findet sich nun im Alter von 44 Jahren auf einmal in der unwahrscheinlichen Rolle einer internationalen Witzfigur wieder«.

Jon Wilde - der diese giftige Kritik 1991 im »Melodie Maker« mit dem Aufruf beendete: »Sit down, man: you’re a fucking disgrace« - erinnert sich, dass er seinerzeit in die Redaktion gerufen wurde. Dort saß David Bowie, der im Nebenzimmer beim Lesen der Zeilen in Tränen ausbrach. Vielstimmig und informativ macht die Dokumentation spürbar, welch immense Fallhöhe zwischen den gelungenen Experimenten, bei denen er immer neue Kunstfiguren erschuf, und dem gescheiterten Versuch bestand, in einer langweiligen Band zu singen.

Fulminantes Comeback

Behutsam zeichnet Jonathan Stiasny dabei nach, wie der gefallene Megastar mit der Rave-Musik der 1990er Jahre - die deutlich weniger personenzentriert als Rock- oder Popmusik früherer Jahrzehnte war - sang und klanglos den Anschluss verpasste. Erst im Jahr 2000 auf dem Glastonbury Festival, einem der einflussreichsten Musik- und Kulturereignisse weltweit, wo er seinen legendären 1971er-Auftritt hatte, gelang Bowie ein fulminantes Comeback. Wohlweislich auf weitere Experimente verzichtend, verzauberte er 250.000 Zuschauer mit alten Megahits wie »Life on Mars«.

Mit dem letzten Album, das er bereits während seiner Chemotherapie aufnahm, zog David Bowie 2016 auch die letzte ihm verbleibende Trumpfkarte: Die Musik und das dazugehörige Video bezogen den eigenen Tod des Künstlers mit in die Performance ein. Bowie wurde zum »Black Star«, so der Titel des Albums. Die astronomische Bedeutung dieses »schwarzen Lochs«, mit der der Film beginnt und endet, wird von Jonathan Stiasny schon etwas überstrapaziert. Davon abgesehen, gelingt ihm ein sensibles Porträt, das den Künstler würdigt und dabei auch Schattenseiten und Misserfolge berücksichtigt.

»Bowie – Der letzte Akt«, Regie: Jonathan Stiasny, Arte, 16.1., 21.45 Uhr

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  02.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026