02. Jul. 2011
11:05

Ein Buhmann namens Israel

Bedrohung aus der Luft: Iran hat demonstrativ Raketen getestet, die Israel erreichen könnten.
© Archiv

Die Welt, sie ist bekanntlich ein Dorf. Dank Internet und anderer Medien allerdings ein inzwischen ziemlich großes, nämlich ein globales. Irgendwo ist immer was los. Kein Tag ohne Nachrichtenflut. Das macht die Sache kompliziert, weil unübersichtlich. Wie soll man da den Überblick behalten? Eine kleine Hilfestellung gibt es künftig jeden Freitag an dieser Stelle: Die Welt in einer Woche – eine subjektive Auswahl kleiner und großer Ereignisse der vergangenen Tage, die noch einen Nachklapp wert sind. Heute führt die (Zeit)Reise nach Piräus, Berlin, Teheran und Kabul.

Halten wir es einfach mal mit der Toyota-Werbung: Nichts ist unmöglich. Vielleicht haben also die Aktivisten der Gaza-Flottille recht und Mossad-Agenten tatsächlich an der Schiffsschraube eines Kutters gezielt herumgeschraubt – was soll’s! Ein im Hafen von Piräus bleibender Frachter ist allemal besser als einer, der als Blockadebrecher mit unvorhersehbaren Folgen geentert werden muss. Und mal Hand aufs Herz, liebe Hamas-Versteher: Der Konvoi, der dieser Tage in See stechen soll, hat doch nur das Ziel, Ärger vom Zaun zu brechen und Jerusalem mal wieder als Buhmann dastehen zu lassen. Koste es, was es wolle. Dabei lässt Israel schon seit einiger Zeit Gütertransporte aller Art über die Grenze zu Gaza passieren. Und Ägypten macht auch nicht mehr dicht. Über Land kann folglich der Not leidenden Bevölkerung ohne weiteres geholfen werden. Nur passt das natürlich kaum ins propagandistische Konzept. Hauptsache, Israel bekommt mal wieder eins ausgewischt. Frei nach dem Motto: Hurra, hurra, die Bude brennt.

Richtig Feuer unterm Dach ist derzeit auch bei der Linkspartei. Das Boot mit Kapitän Gysi auf Deck schlingert in den trüben Gewässern des Antizionismus. Und eine Kursänderung will einfach nicht gelingen. Aber vielleicht wird das gar nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Zu stark, zu einflussreich sind vielleicht die Israel-Hasser, als dass die Parteiführung einen Konflikt mit ungewissem Ausgang riskieren würde. Wie geht man mit einer derart heiklen Situation um? Richtig, die Reihen fest schließen, Ablenkungsmanöver einleiten und denen da draußen mal gehörig was vor den Bug geben. »Wir werden als Linke weiterhin die Politik der israelischen Regierungen gegenüber den Palästinenserinnen und Palästinensern öffentlich kritisieren, wann immer dies wegen deren Völker- und Menschenrechtswidrigkeit notwendig ist«, heißt es in einem Beschluss der Bundestagsfraktion vom Dienstag. Und, jawohl: »Wir werden nicht zulassen, dass Mitglieder unserer Fraktion und Partei öffentlich als Antisemiten denunziert werden, wenn sie eine solche Politik der israelischen Regierung kritisieren.« Soll heißen: Wage keiner, uns aufrechten, antifaschistisch gesinnten Genossen am Zeug zu flicken! Wir brauchen keine Ratschläge, auch nicht von Juden.

Ja, Israel ist in diesen Tagen erneut richtig unter Beschuss. Und wenn es nach den Hardlinern in Teheran ginge, folgten den Worten bald Raketen. Irans Revolutionsgarden haben am Dienstag Jerusalem und Washington ganz unverhohlen gedroht. Das nur 1.200 Kilometer entfernte »zionistische Regime« könnte von der Mittelstreckenrakete Ghadr erreicht werden, tönte ein General. Die Waffen seines Landes richteten sich zudem gegen amerikanische Ziele in der Region. Das nennt man eine klare Ansage. Der Westen allerdings scheint den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt zu haben. Dass solche Raketen womöglich auch Atomsprengköpfe transportieren können, wird geflissentlich verdrängt. Gott stehe uns bei, wenn die Vogel-Strauß-Taktik nicht aufgeht.

Dabei könnte ein Blick nach Afghanistan die Staatengemeinschaft rasch an eine immer gültige Maxime erinnern: Unterschätze nie deinen Feind! Ein Selbstmord-Kommando der Taliban hat in Kabul ein gut gesichertes Luxus-Hotel gestürmt, mindestens zehn Menschen getötet und damit die militärische Schlagkraft der radikalen Islamisten demonstriert. Erst nach stundenlangen Gefechten und durch den Einsatz von Kampfhubschraubern konnte die Nato-Schutztruppe die Lage unter Kontrolle bringen. Erklär’ mir einer, wie nach dem Abzug der Alliierten einheimische Sicherheitskräfte die Fundamentalisten in Schach halten sollen. Armes Afghanistan.

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