Tiger Woods

Sein Handicap

Wie das Leben eines Mannes wegen sexueller Abenteuer außer Kontrolle geraten kann

21.01.2010 – von Jonathan RosenblumJonathan Rosenblum


Die Tiger-Woods-Saga spielt nicht gerade auf dem Niveau der griechischen Tragödie. Eine Vorliebe für billige Frauen gehört nicht zu jenen tragischen Charakterschwächen, die die Beachtung der großen antiken Tragödiendichter gefunden hätte. Dazu ist sie viel zu weit verbreitet.

In der griechischen Tragödie ist die tragische Schwäche des Helden unauflösbar mit seiner Größe verbunden. Es ist auf den ersten Blick auch nicht zu erkennen, was ein exorbitanter sexueller Appetit mit jener Eigenschaft zu tun hat, die – mehr als seine körperliche Fitness – aus Tiger Woods den vielleicht größten Golfspieler aller Zeiten machte: die phänomenale Fähigkeit, in Situationen mit besonderem Druck gelassen zu bleiben.

Untergang Doch wenn man sich die Trümmer von Woods’ Karriere ansieht, spürt man ein wenig von dem Schrecken, der das athenische Publikum erschaudern ließ. Sein Untergang war genau so schroff und plötzlich wie der des Ödipus, als er erfuhr, dass Jokaste seine Mutter war. Vor Kurzem noch war Woods einer der meistbewunderten Männer der Welt. Auf den großen Flughäfen der Welt konnte man nicht um die Ecke biegen, ohne dem lächelnden Gesicht oder der über dem 18. Loch aufgereckten Hand von Tiger Woods zu begegnen.

Heute ist er die Witzfigur aller Komiker dieses Planeten. Er darf sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zeigen, ohne sicher zu sein, dass jemand kichernd mit dem Finger auf ihn zeigt. Die Werbeagenturen, mit deren Hilfe er zum ersten Sportler wurde, der durch Produktsponsoring eine Milliarde Dollar verdiente, lassen ihn links und rechts fallen. Es ist nicht einmal sicher, ob er seinen Status als der beste Golfspieler auf der Welt wiedergewinnen kann. Letztes Jahr musste er sich einer Knieoperation unterziehen und verpasste die ersten Monate der Golfwettbewerbe. Dennoch gewann er sechs Golfturniere, weit mehr als jeder andere Spieler. Doch wie einer seiner Konkurrenten meinte: »Mit einem gebrochenen Bein kann man immer noch der größte Golfspieler der Welt sein; die Frage ist, wie sich eine gebrochene Psyche auswirken wird.«



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