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Kislew

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

12.11.2015 – von Rabbiner Yaacov ZinvirtRabbiner Yaacov Zinvirt

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Ausgehend vom Monat Tischri ist der Kislew der dritte Monat im jüdischen Kalender. Beginnt man bei der Zählung mit dem Nissan, ist er der neunte.

Die Jahreszeit, in die der Kislew fällt, ist eine winterliche, mit kurzen Tagen und langen Nächten. Es gibt zwei Meinungen über den Ursprung des Namens Kislew: Zum einen kann er aus dem Babylonischen kommen, von dem Wort Kasslimo, das auf Hebräisch Telem (Deutsch: Furche) bedeutet, also eine mit dem Pflug gezogene, linienförmige Vertiefung auf einem Feld. Das rührt daher, dass nach dem großen Regen im vorangegangenen Monat Cheschwan im Kislew nun der Boden gepflügt wird.

Das Wort Kislew kann aber auch von dem hebräischen Wort »Kessel« stammen, was so viel wie »Hoffnung auf Regen« bedeutet.

Nach Rabbi Elieser wurde die Welt im Tischri erschaffen, die Sintflut begann am 17. Cheschwan und fand ihr Ende im Kislew. Da erschien der Regenbogen als Zeichen des Bündnisses mit G’tt. Das Sternzeichen des Monats Kislew ist deshalb der Schütze, ein Mensch mit Pfeil und Bogen.

Bogen In der Tora lesen wir im 1. Buch Mose 9, 13–16: »Meinen Bogen habe ich in die Wolken gestellt, er soll ein Zeichen des Bundes zwischen mir und der Erde sein. Wenn ich Wolken über der Erde sammle und dieser Bogen im Gewölk sichtbar wird, so gedenke ich des Bundes zwischen mir und euch und allen lebenden Wesen unter allen Geschöpfen, dass die Wasser nicht mehr zur Flut werden, alle Geschöpfe zu verderben. Und wenn der Bogen in den Wolken ist, will ich auf ihn sehen, um mich des ewigen Bundes zu erinnern zwischen G’tt und allen lebenden Wesen unter allen Geschöpfen auf der Erde.«

Der Ewige verspricht hier, dass es nie wieder eine Sintflut geben wird. Aber warum erscheint zum Zeichen dafür ausgerechnet ein Bogen? Ein Regenbogen entsteht nur dann, wenn es leicht regnet und gleichzeitig die Sonne scheint. Man kann deshalb einen Regenbogen eigentlich nicht mit einer Sintflut in Verbindung bringen.

Der Regenbogen verkörpert zwei Gegensätze. Zum einen symbolisiert er etwas Positives: das Versprechen G’ttes, dass es nie wieder eine Sintflut geben wird. Zum anderen steht er aber auch für etwas Negatives: für die Ursache der Sintflut.

Sternzeichen Der Schießbogen, den wir im Sternbild des Schützen sehen, hat zwei Funktionen: eine kriegerische und eine friedliche. Wird er aufgerichtet, die Wölbung auf den Feind zu und die Bogensehne zum Schützen gewandt, dann ist dies eine kriegerische, eine kämpferische Haltung. Nimmt der Schütze seinen Bogen aber an der gewölbten Stelle in die Hand und richtet die Sehne gen Boden, so zeigt das eine friedliche Absicht. Der Bogen dient in dieser Position nicht dem Kampf, sondern hat die Form eines Regenbogens.

Hier werden zwei Gegensätze aufgezeigt: Krieg und Frieden, Gut und Böse. Das Interessante dabei ist, dass es vom Menschen abhängt, in welcher Absicht er den Bogen nutzt.

Licht Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1808–1888), der Begründer der Neo-Orthodoxie, hat darauf hingewiesen, dass der Regenbogen zwar in unterschiedlichen Farben leuchtet, aber zusammen sind sie ein einziges Licht. Wie wir wissen, wird das weiße Licht durch Brechung in seine Spektralfarben aufgespalten.

Das seelische Licht, also das Licht, das von allen Seelen ausgeht und sich jeweils unterscheidet, mit positiven und negativen Eigenschaften, mit vielen Gegensätzen, ergibt folglich ein gemeinsames weißes Licht.

Wir lernen daraus, dass Gegensätze, wenn man es nur richtig anstellt, ausgeglichen werden und letzten Endes zu einem durchaus positiven Ergebnis führen können.

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