Wieso, weshalb, warum

Malchut schamajim

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

06.02.2014 – von Rabbiner Joel BergerRabbiner Joel Berger

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In den Worten »Der Herr ist ein mächtiger Herrscher über die ganze Erde« (Psalm 47,3) entdecken wir vor allem die Idee des G’ttesreiches – Hebräisch: »Malchut Schamajim«. Zuerst wurde sie von den Propheten Israels als Zukunftshoffnung verkündet. Sie besagte, dass eines Tages alle Völker den Ewigen als Herrscher der Welt anerkennen werden und vor Ihm, dem einzigen G’tt, falsche Idole schwinden würden, damit sich die Völker zu einer Menschheit zusammenfinden.

Unser Hauptgebet an Rosch Haschana drückt diese Erwartung so aus: Die Menschen mögen »einen einzigen Bund bilden, um mit ganzem Herzen G’ttes Willen zu tun«. Wegen dieser Hoffnung, an der wir Juden seit jeher hängen, hat man uns oft belächelt. Doch inzwischen werden Krieg und Gewalt zunehmend geächtet. Dennoch wollen manche Länder mit aller Macht nur ihre eigenen Interessen durchsetzen. Jenes Reich G’ttes aber, das der Prophet Secharja pries, »soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr« (4,6).

Prophetie Die prophetische Idee des G’ttesreichs war von Anfang an ein bewusster Gegensatz zu jenen irdischen Großmächten. Immer wieder verfolgten Könige und Herrscher die Verkünder solcher Lehren. Man versuchte, die Lehre vom Reich G’ttes herabzusetzen, indem man vom »Joch des G’ttesreiches« (Ol Malchut Schamajim) sprach. Den Herrschenden erschien es entwürdigend, wenn sich ein freies Volk nicht verteidigen dürfe, weil es die Anwendung von Gewalt verwirft.

Dennoch, die Rabbinen wandelten in ihren Lehren den Spott der Mächtigen zu einer Tugend um. Sie schufen einen neuen Begriff, der bis heute in der traditionellen Gedankenwelt des Judentums erhalten geblieben ist: »Kabbalat Ol Malchut Schamajim« – die Bereitschaft, das Joch des G’ttesreiches freiwillig auf sich zu nehmen. Die Rabbinen bezeichneten dies als Symbol für die völlige Hingabe des Menschen an G’tt.

Joch Im »Alenu«, dem Schlussgebet des G’ttesdienstes, sagen wir, dass das G’ttesreich alle Menschen und Völker einschließen möge: »Sie werden alle das Joch Deiner Herrschaft auf sich nehmen.« Dennoch ist dieses Joch nicht etwa eine Bürde, sondern die höchste Würde des gläubigen Menschen.

Es gehört zur weiteren Geschichte der Idee des G’ttesreichs, dass später die Anhänger der »Tochterreligion« in ihrem ältesten Gebet die jüdische Bitte so aussprachen: »Dein Reich komme«. Die neue Religion schöpfte in ihren Anfängen einen Gutteil ihrer Aussagekraft aus den Gedanken des G’ttesreiches. Diese wurden jedoch bald umgedeutet, sodass sie einen vollkommen anderen, geradezu entgegengesetzten Sinn erhielten.

Diese Umdeutung rührt aus einem Missverständnis. Da Juden es stets vermieden, den Namen G’ttes unnötig auszusprechen, gebrauchten sie an dessen Stelle verschiedene Ausdrücke wie »Allmächtiger«, »der Heilige, gelobt sei Er« und sehr häufig »der Himmel«. Daher gab es im jüdischen Schrifttum »Malchut Schamajim«, die Bezeichnung für das G’ttesreich, wörtlich »Himmelreich«.

Aufgrund der griechischen und lateinischen Übersetzungen verselbstständigte sich die wörtliche Übersetzung. Anstelle des von jüdischen Propheten verkündeten G’ttesreiches trat im Christentum der Glaube an ein jenseitiges Reich, das dem Einzelnen erst nach diesem Leben als Lohn in einer anderen Welt winke. So trat die Sorge um das ausschließlich persönliche Seelenheil in den Mittelpunkt des Interesses.

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