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Molad

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

30.05.2013 – von Chajm GuskiChajm Guski

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Wann beginnt der jüdische Monat? Es ist heute kein Problem, das herauszufinden. Man ruft die Webseite hebcal.com auf, öffnet den Kalender, ein paar Mausklicks und man hat herausgefunden, wann »Rosch Chodesch« ist, der Monatsanfang.

Als der Tempel in Jerusalem noch stand, war das eine aufwendige Prozedur: Zwei Zeugen bestätigten, dass sie die Sichel des Neumonds gesehen hätten, damit begann der neue Monat, dies wurde weiter verkündet. Der Moment, in dem die dünne Sichel des zunehmenden Mondes erscheint, heißt »Molad«, also wörtlich »Geburt«.

Der Talmud (Rosch HaSchana 20b) sagt sogar, dass der Mond für uns erst sechs Stunden nach Molad zu sehen ist. Jedenfalls bestimmte der Sanhedrin den Monatsbeginn und damit auch die Termine der Feste im Jahreszyklus. Zur Zeit des Ersten Tempels wurde die Nachricht durch Feuer verbreitet, später gaben Boten sie weiter. Das dauerte natürlich seine Zeit. Hierdurch entstand der Brauch, dass einige Monate zwei Tage Rosch Chodesch haben und Rosch HaSchana ebenfalls an zwei Tagen begangen wird.

Berechnung Nachdem der Tempel zerstört war, fiel die Möglichkeit für die Verkündung des Neumonds durch den Sanhedrin weg. Maimonides, der Rambam (1135–1204), schreibt (Hilchot Kiddusch HaChodesch 5,2), dass der Kalender berechnet werden müsse, solange es kein Beit Din gäbe. Er beschreibt in seinem Sefer HaSechut, dass dies bereits durch Hillel vorbereitet worden sei. Im sechsten Kapitel seiner Hilchot Kiddusch HaChodesch beschäftigt sich Maimonides eingehend damit, wie man den Molad berechnet.

Rein rechnerisch dauert ein Monat 29 Tage, zwölf Stunden und etwa 44 Minuten. »Etwa«, weil die Halacha die Stunde nicht in Minuten aufgeteilt hat, sondern in Chalakim (Teile), eine wesentlich kleinere Einheit als Minuten. 1080 Chalakim entsprechen einer Stunde. Von Neumond zu Neumond dauert es 29 Tage, zwölf Stunden und 793 Chalakim. In Tabellen, die genau Auskunft darüber geben, wann der Neumond in Jerusalem zu sehen wäre, wird dieser Zeitpunkt häufig mit Chalakim angegeben.

Kiddusch Lewana In vielen Gemeinden in Deutschland wird nach der Toralesung am Schabbat, wenn man verkündet, dass in der Folgewoche Neumond ist, der Molad mitgenannt. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass der Molad bereits vorbei ist – zum Beispiel, wenn man verkündet, dass am nächsten Tag Neumond ist. Für diejenigen, die den Segen über den Neumond (Kiddusch Lewana) sprechen wollen, ist es wichtig, die genaue Molad-Zeit zu kennen.

Im Schulchan Aruch (Orach Chajim 426,1) und dem Kommentar Aruch HaSchulchan wird der Brauch des Kiddusch Lewana genannt, um für den Nutzen zu danken, den der Mensch durch den Mond hat. Rabbi Jochanan kennt Kiddusch Lewana bereits im Talmud (Sanhedrin 42a): »Wer den neuen Mond zur richtigen Zeit segnet, der ist, als würde er die Schechina grüßen.«

Wann man den Segen über den Neumond spricht, ist direkt vom Molad abhängig: Es wurde festgelegt, dass man es nicht früher als 72 Stunden nach Molad tun soll.

So jedenfalls regelt es die Mischna Berura (426,20). Es gibt nicht nur einen frühesten Zeitpunkt, sondern auch einen spätesten Termin. Kiddusch Lewana sollte nur gesagt werden, solange der Mond noch zunimmt. Das sind also etwa die ersten 14 Tage nach Molad.

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