Dokument

»Wo wird Rettung herkommen?«

Mordechaj Anielewicz (1919–1943) Foto: cc

Die Erinnerungen von Feliks Tych bei der Gedenkveranstaltung wurden besonders anschaulich unterstrichen, als Jugendliche der IKG den Abschiedsbrief von Mordechaj Anielewicz (übersetzt von Ellen Presser und Anne Druba) vorlasen. Anielewicz, geboren 1919 in Polen, war der Anführer der Widerstandskämpfer im Warschauer Ghetto. Er wurde 1943 im Bunker der Mila 18 ermordet.

»Schalom, Yitzhak! Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll. Erlaube mir einige persönliche Worte. Ich möchte meine eigenen und die Gefühle meiner Kameraden ausdrücken. Es ist unmöglich, in Worte zu fassen, was wir durchmachten. Eines ist klar, was geschehen ist, überstieg unsere kühnsten Träume. Die Deutschen rannten zweimal aus dem Ghetto. Eine unserer Kompanien hielt 40 Minuten durch und eine andere mehr als sechs Stunden.

Maschinengewehr Die im Gebiet der Bürstenmacher vergrabene Mine explodierte. Einige unserer Kompanien attackierten die abziehenden Deutschen. Unsere Verluste sind minimal. Das ist auch eine Leistung. Y. (Yechiel) ist gefallen. Er fiel als Held am Maschinengewehr. Ich fühle, dass große Dinge geschehen und dass das, was wir wagten, von großer, enormer Wichtigkeit ist …

Von heute an werden wir zur Partisanentaktik übergehen. Drei Kampfkompanien werden heute Nacht losziehen mit zwei Aufgaben: die Erkundung und Erlangung von Waffen. Erinnere dich, Kurzstreckenwaffen sind für uns nutzlos. Wir benutzen solche Waffen nur selten. Was wir dringend brauchen: Granaten, Gewehre, Maschinengewehre und Sprengstoff. Es ist unmöglich, die Bedingungen, unter denen die Juden des Ghettos jetzt leben, zu beschreiben.

Kampf Nur einige wenige werden durchhalten. Die Verbliebenen werden früher oder später sterben. Ihr Schicksal ist entschieden. In fast allen Schlupfwinkeln, in denen sich Tausende verbergen, ist es nicht möglich, eine Kerze anzuzünden, weil die Luft fehlt. Mithilfe unseres Funkgerätes hörten wir über die ›Shavit‹-Radiostation den fabelhaften Bericht über unseren Kampf. Die Tatsache, dass man sich außerhalb des Ghettos an uns erinnert, bestärkt uns in unserem Kampf ...

Der Traum meines Lebens ist endlich wahr geworden. Die Selbstverteidigung im Ghetto wurde Realität. Jüdischer bewaffneter Widerstand und Rache sind Tatsachen! Ich war Zeuge dieses großartigen, heroischen Kampfes von jüdischen Männern in der Schlacht. Wo wird die Rettung herkommen?«

Dresden

Gemeinde feiert Rückkehr mit Konzert und Ausstellungen

Rund 200 Besucher feierten die Rückkehr der jüdischen Gemeinde in ihre Synagoge, die nach rund dreieinhalb Jahren Bauzeit wiedereröffnet werden konnte

 15.09.2026

Bayern

Nach Morddrohung gegen Charlotte Knobloch – jetzt äußert sich die Polizei

Die Hintergründe

 15.09.2026

Audiowalk

Schritte durch die Vergangenheit

Das Junge Theater Köln erzählt die Geschichte des jüdischen Viertels und verbindet dazu Schauspiel und digitale Technik

von Annette Kanis  15.09.2026

München

Wadephul trifft Charlotte Knobloch nach Morddrohung

Die Präsidentin der Israelitischen Gemeinde München und Oberbayern wurde nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt Opfer einer Gewaltandrohung. Der Bundesaußenminister demonstriert Solidarität

 15.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 15.09.2026 Aktualisiert

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Kino

»Ich habe keine Heimat«

Eine Dokumentation über Albrecht Weinberg erzählt von Verfolgung, Erinnerung und der schwierigen Rückkehr in das Land der Täter

von Esther Martel  14.09.2026

Porträt der Woche

Der Barockmusiker

Moshe Haas stammt aus Israel, ist Kantor und liebt Johann Sebastian Bach

von Anja Bochtler  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026