Louis Lewandowski Festival

Von Marzahn bis Köpenick

Mit einem grandiosen Auftakt ist am Donnerstagabend in der Berliner Synagoge Pestalozzistraße das Louis Lewandowski Festival für synagogale Chormusik eröffnet worden. So bewies gleich zu Beginn das erste Musikstück, die Sonata sopra des italienischen Komponisten Salamone Rossi (1570–1630), dass es ein besonderer Abend werden würde. Denn Rossis Werke werden bislang ausgesprochen selten aufgeführt.

Die Instrumentalisten von »tutti i bassi«, einem Renaissance- und Barock-Orchester, interpretierten Rossis Komposition mit einer Lira da Gamba und einer Laute – Instrumenten, die man heute nicht mehr oft hört, noch seltener in einer Synagoge. Für das 6. Louis Lewandowski Festival spielen sie jedoch eine wichtige Rolle, da es sich in diesem Jahr der jüdischen Renaissance und dem Barock in der Synagogalmusik widmet.

zeitreise »Wir machen eine Zeitreise«, sagte Nils Busch-Petersen, Direktor des Festivals, in seiner Einführungsrede. Welche jüdischen Komponisten es vor Louis Lewandowski (1821–1894) gegeben habe, sei wenig bekannt. Aber in diesen Tagen solle die Musik dieser »Pioniere« im Mittelpunkt stehen.

»Das Louis Lewandowski Festival ist ein Ereignis und ein musikalischer Genuss«, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD), der eigens eine Sitzung unterbrochen hatte, um zur Eröffnung kommen zu können. »Was wir hier erleben, ist ein Glück für unsere Stadt«, betonte der SPD-Politiker. Und die sei auf dem besten Weg, das Zentrum für Synagogalmusik zu werden.

Auch sein Parteifreund Reinhard Naumann, wiedergewählter Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, musste eine Sitzung unterbrechen. Er tat es gerne. »Das jüdische Leben wächst stetig«, sagt der SPD-Politiker erfreut. Das Festival sei »ein Glücksfall«. Dabei sei für ihn »nach dem Festival auch vor dem Festival«, denn die Termine im nächsten Jahr solle sich jeder schon einmal im Kalender eintragen und dementsprechend die Urlaubsplanung gestalten, um bloß nichts zu verpassen.

wuhletal Der Schirmherr des Festivals, Gemeindechef Gideon Joffe, betonte in seinem Grußwort, dass es vorbildlich sei, »wie viel Kraft von der Synagoge und deren Betergemeinschaft« ausgehe.

In diesem Jahr will das Lewandowski-Festival auch neue Wege gehen. So werden die Konzerte erstmals auch an Orten stattfinden, die bislang kein Schauplatz jüdischen Lebens waren. Bereits das Pre-Opening-Konzert, bei dem die Kantoren sangen, fand in der Kirche des Krankenhauses Wuhletal im Bezirk Mahrzahn-Hellersdorf statt, und am Samstag werden die Chöre in Treptow-Köpenick in den Reinbeckhallen singen.

Dass sich jüdisches Leben auch einmal in anderen Berliner Bezirken zeigt, gefiel dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Er wünsche sich für die Zukunft, dass die Chöre in allen Bezirken singen könnten, und zwar in einer sicheren Atmosphäre, sodass Polizeischutz nicht mehr nötig sei, so Joffe.

jugendchöre Nach den Ansprachen hielt der amerikanische Musikwissenschaftler Joshua Jacobson, ein Experte für Synagogalchöre, einen Einführungsvortrag über das Leben und Wirken der jüdischen Komponisten. Gemeinderabbiner Jonah Sievers sagte, die Synagogengemeinschaft sei stolz darauf, dass in ihrem Gotteshaus die Eröffnung stattfindet. Die Musik transportiere das jüdische Gebet.

Viele Chöre hätten sich anspruchsvoller Synagogalmusik verschrieben, so Sievers. Was ihm auch gefalle, sei, dass die Jugendchöre mit dabei sind. Neben dem Jugendchor der Pestalozzistraße treten auch Nachwuchssänger der Londoner Belsize Square Synagogue auf. »Die Liebe und Begeisterung müssen wir auch an die nächste Generation weitergeben«, sagte Rabbiner Sievers.

Der Jugendchor des Synagoge Pestalozzistraße stand bereits am Donnerstag bei der Eröffnung gemeinsam mit dem Synagogalensemble Berlin und Kantor Isaac Sheffer auf der Bühne. Die musikalische Leitung hatte Regina Yantian, die auch künstlerische Leiterin des Festivals ist. Als zuverlässige Begleiter erwiesen sich die Instrumentalisten des Ensembles »tutti i bassi«.

So erklangen nach Rossis Sonate noch Werke von Carlo Grossi (1634–1688), Abraham Caceres (1718–1749) und weitere Stücke von Salamone Rossi. Die Eröffnungsfeier endete mit einer Adon-Olam-Komposition von Rossi. Im Anschluss daran folgte das Eröffnungskonzert mit dem Ensemble Profeti della Quinta aus Basel.

programm Bis Sonntag werden Chöre aus der Schweiz, Südafrika, Deutschland und England zusammenkommen, um Synagogalmusik zu zelebrieren. Am Samstag, 17. Dezember, heißt das Konzert »Chor für Chor« und findet in den Reinbeckhallen in Oberschöneweide statt. Beginn ist um 19 Uhr.

Den Abschluss des Festivals bildet am Sonntag ein gemeinsames Konzert aller Chöre in der Synagoge Rykestraße. Beteiligt sind der Chor Profeti della Quinta aus Basel, der Leipziger Synagogalchor, das Synagogal Ensemble Berlin, The Lewandowski Chorale aus Johannesburg, der Jugendchor der Belsize Square Synagogue aus London und der Jugendchor der Synagoge Pestalozzistraße.

www.louis-lewandowski-festival.de

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