Erfurt

Verschwiegener Terror: Jüdische Landesgemeinde verlässt Runden Tisch der Religionen

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen Foto: picture alliance/dpa

Erfurt

Verschwiegener Terror: Jüdische Landesgemeinde verlässt Runden Tisch der Religionen

Die Terrorattacke der Hamas gegen Israel sollte nicht zur Sprache kommen

 03.11.2023 11:50 Uhr

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen hat den Runden Tisch der Religionen in ihrem Bundesland verlassen. Ihr Vorsitzender, Reinhard Schramm, teilte mit, bei der für den 16. November geplanten, nächsten Sitzung des interreligiösen Gesprächskreises solle das Pogrom der Hamas gegen Israel vom 7. Oktober verschwiegen werden.

In einem offenen Brief an die anderen Mitglieder des Gremiums gab Schramm bekannt, er lehne eine weitere Teilnahme deshalb ab.

»Es war das größte Pogrom nach dem Holocaust«, schreibt Schramm über die Attacke der palästinensischen Terroristen, bei der 1400 Israelis ermordet, Tausende verletzt und 240 als Geiseln genommen wurden. »Das Pogrom war keine soldatische Tat, kein Kämpfertum der Hamas, es war gezielter Mord der palästinensischen Terrororganisation Hamas an unschuldigen Juden in ihrer Heimstatt Israel, nur weil sie als Juden auf die Welt gekommen sind«, heißt es in dem Rundbrief.

»Die tanzenden muslimischen Antisemiten in Berlins Straßen noch am Tag des Pogroms, aus Freude an der Ermordung von mehr als 1000 jüdischen Babys, Kindern, Erwachsener und Greisen, haben ihre Entsprechung im deutschen Faschismus, in der Reichskristallnacht von 1938, deren 85. Jahrestag wir am 9. November auf unserem jüdischen Friedhof in Erfurt begehen«, betont Schramm.

Minimum an Mitgefühl

»Die Leitung des Runden Tisches der Religionen in Erfurt ordnet über die Pogromverbrechen der Hamas Schweigen an, statt (eine) Bestrafung oder Ausweisung der Straftäter zu fordern«, heißt es in dem Brief. »Wir hatten als bisher engagierte Teilnehmer am Runden Tisch der Religionen ein Minimum an Mitgefühl mit uns Juden erwartet.«

Auslöser des Schrittes der Jüdischen Landesgemeinde ist eine E-Mail der beiden Sprecher des Runden Tisches, Eckehart Schmidt und Pirusan Mahboob. Darin wurden die Mitglieder aufgefordert, Tagesordnungspunkte einzureichen, die sie diskutieren wollten - mit folgender Einschränkung: »Mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten soll daran erinnert werden, dass wir uns – wie beim ersten Treffen im Frühjahr beschlossen – NICHT mit internationaler Politik beschäftigen werden. Wir wollen uns aber dafür einsetzen, dass die internationalen Konflikte nicht auf unser städtisches Miteinander übergreifen.«

In Berlin und anderen Städten in der Bundesrepublik war es seit dem 7. Oktober regelmäßig zu Pro-Terror-Demonstrationen von Hamas-Anhängern gekommen. Wie das Problem in Erfurt ohne Nennung seiner Ursache hätte diskutiert werden können, war aus der Mail der Sprecher des Runden Tisches nicht hervorgegangen. im

Ferien

Unsere kleine Stadt

Mehrere Wochen trafen sich deutsche, ukrainische und israelische Jugendliche in Brandenburg zu einem Sommercamp der Initiative »J-ArtEck«. Zum Abschluss inszenierten sie eine Oper von Paul Hindemith

von Leon Stork  23.08.2026

Plädoyer

Stark und selbstbewusst

Die Zeiten des Ghettos und Sich-Wegduckens gehören zum Glück der Vergangenheit an. Umso mehr sollten Juden hierzulande entschiedener für ihre Interessen eintreten

von Sacha Stawski  23.08.2026

Porträt der Woche

Mein Traum von Frieden

Yuval Halpern ist Sänger der iranisch-israelischen Band Sistanagila

von Alicia Rust  23.08.2026

Jüdisches Erbe

Leipziger Stadtrundgang zu jüdischer Musik

Mit dem »Notenbogen« erhält Leipzig einen weiteren musikhistorischen Stadtrundgang. Der Fokus soll dabei auf den Spuren »jüdischer Musik« liegen

von Joris Ufer  23.08.2026

Deutschland

Weil er sich israelsolidarisch äußerte: Mann wird mit Cuttermesser an Berliner U-Bahnhof angegriffen

Die Hintergründe

 22.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026