Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

Charlotte Knobloch, Schirmherrin der Veranstaltung, sprach zu den Teilnehmern. Foto: DACH gegen Hass

Kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar fand in Dachau erstmals ein »March of the Living« statt. Von der KZ-Gedenkstätte aus zogen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam zum Bahnhof Dachau – entlang des Weges, auf den einst unzählige Häftlinge aus dem Konzentrationslager getrieben wurden. »Heute gehen wir den Weg für das Leben, für die Würde und für die Zukunft unserer Gesellschaft«, erklärten die Organisatoren im Vorfeld des Gedenkmarsches.

Die Initiative orientiert sich am internationalen »March of the Living«, der jährlich am Jom Haschoa in Auschwitz stattfindet. Sie versteht sich als Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Schoa und zugleich als deutliches Signal gegen Judenhass in der Gegenwart. Die Idee zum Dachauer Gedenkmarsch hatten Guy Katz, Landrat Stefan Löwl (CSU) und der Antisemitismusbeauftragte des Landkreises, Michael Holland. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bündnis »DACH gegen Hass«.

Unter den rund 800 Teilnehmern waren auch Prominente wie die Schauspielerin Uschi Glas, außerdem die Generalkonsuln Israels und der USA, Talya Lador-Fresher und James Miller, sowie der Holocaust-Überlebende Abba Naor. Auch Mandatsträger aller demokratischen Parteien und Ludwig Spaenle, Beauftragter der Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, waren vor Ort. Landrat Löwl forderte in seinem Grußwort mit direktem Blick auf aktuelle Entwicklungen: »Wir müssen uns vor unsere jüdischen Mitbürger stellen und sie verteidigen.«

Das Wissen um die Geschichte formuliere einen klaren Auftrag, betonte Charlotte Knobloch.

Schirmherrin der Veranstaltung war Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie erinnerte eindringlich: »Die Verantwortung, nichts zu vergessen, sie lebt mit jedem von uns weiter.« Das Wissen um die Geschichte formuliere einen klaren Auftrag, betonte Knobloch: »Wir wollen und werden allen den Weg versperren, die Deutschland in seine finstersten Abgründe zurückstürzen wollen.«

Es folgten bewegende Beiträge jüdischer und nichtjüdischer Schülerinnen und Schüler. Besonders eindrücklich war der Beitrag eines Schülers, der an seinen Großvater Israel Offman erinnerte. Dieser überlebte als Jugendlicher mehrere KZs, darunter Dachau, kämpfte später im israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrte schließlich nach Straubing zurück, wo er Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde wurde.

Auch Guy Katz schlug den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Er erinnerte an seinen Großvater, der von Auschwitz nach Mauthausen marschieren musste, und richtete an die Anwesenden die dankbaren Worte: »Ihr schaut nicht weg.« Genau darin lag die zentrale Botschaft des Marsches und des Sichtbarmachens seiner Geschichte: Erinnerung bedeutet Hinsehen – und generationenübergreifende Verantwortung für die Zukunft.

Sachsen-Anhalt

Drohungen gegen jüdische Studenten nach Aktion vor Synagoge

Eine Menschenkette hinderte den AfD-Politiker Tillschneider an der Teilnahme an einer Gedenkfeier in Halle. Das hat Folgen für die Studierenden

 16.10.2026

Frankfurt/ Main

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

von Leon Stork  15.10.2026

Dresden

Tora-Projekt wird verlängert

Mitten in Dresden wird derzeit in aller Öffentlichkeit eine Tora-Rolle geschrieben. Das Projekt soll jüdisches Leben sichtbar machen. Die Schreiberin sitzt in einem gläsernen Pavillon

 14.10.2026

Gedenken

Vier Stolpersteine erinnern in Erfurt an Familie Rosenblüth

Ein Poesiealbum bewahrte die Erinnerung an eine jüdische Mitschülerin über Generationen. Am 9. November werden in Erfurt vier Stolpersteine für Sara Rosenblüth und ihre drei Töchter verlegt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Meilenstein

Endlich Batmizwa

Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

von Madeleine Prinz  13.10.2026

München

Einstimmige Zwiesprache

Kunstexperte Konrad Bernheimer stellte seine Familiengeschichte zwischen Südamerika und Deutschland in Briefen an den Vater vor

von Vivian Rosen  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Berlin

Guy Katz mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Geehrt wurden neben dem Hochschullehrer, eine Europaschule und ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

 13.10.2026