Zwangsarbeit

Streit um Gedenktafel

Juri Vasunets schaut auf das Gelände an der B 244 in Rühen. Er ist extra aus der Ukraine angereist, um eine Erinnerungs- und Mahntafel zu enthüllen. Auf dem Gelände ist heute der Lanz-Bulldog-Club ansässig. Damals, von Juni 1944 bis April 1945, standen hier vier Baracken. Mehr als 360 Kinder von Zwangsarbeiterinnen starben hier. Die Verantwortung für die Kinder trug das Volkswagenwerk: Die Werksleitung war der Bitte des Gifhorner Kreisleiters nachgekommen, sich um die Kinder zu kümmern. Doch lediglich drei überlebten, Juri Vasunets ist einer von ihnen.

Die Ortschaft Rühen liegt etwa zehn Kilometer von Wolfsburg entfernt. 1970 wurde auf dem örtlichen Friedhof eine anonyme Grabstelle eingefasst. Erst Ende der 80er-Jahre wurde sie um einen Zusatz erweitert, der über das Schicksal der Kinder aufklärt. Dafür hatte sich Sara Frenkel eingesetzt, die, um ihre jüdische Herkunft zu verschleiern, mit gefälschten polnischen Papieren als Krankenschwester in Wolfsburg arbeitete.

Als die Kinder im Juni 1944 von Wolfsburg nach Rühen verlegt wurden, war sie ihnen gefolgt und setzte sich – so gut sie konnte – für sie ein. In Anerkennung ihres Engagements benannte die Stadt Wolfsburg 2010 einen Platz im Zentrum nach Sara Frenkel.

Widerstand Während sich Wolfsburg relativ offen mit der NS-Zeit auseinandersetzt, wird das Thema in Rühen verschwiegen. Diese Erfahrung musste jedenfalls Mechthild Hartung vom Bund der Antifaschisten machen, als sie an die Rühener herantrat und erklärte, dass sie in Zusammenarbeit mit der IG Metall eine Mahntafel anbringen wolle.

Die erste spürbare Reaktion auf ihre Anfrage zeigte sich im Verhalten des Bulldog-Clubs, der mit dem Abriss der Eingangspfeiler die letzten authentischen Überreste des Kinderlagers vernichtete. Auch die Feldmarktinteressenschaft, Besitzerin des Grünstreifens, auf dem die Tafel aufgestellt werden sollte, erteilte Mechthild Hartung eine Absage. Und der Versuch, den SPD-Bürgermeister als Unterstützer zu gewinnen, scheiterte kläglich. Er kam nicht einmal der Bitte nach, sich mit ihr zu treffen.

Doch die Initatorin hielt an ihrem Plan für eine Gedenktafel fest. Sie beschloss, die Tafel am 8. Mai auch ohne Genehmigung aufzustellen. Zwischenzeitlich hieß es sogar, die Rühener würden die Tafel nur einen Tag stehen lassen und dann wieder abreißen. Vier Tage vor dem geplanten Aufstellungstermin erhielt Hartung plötzlich doch noch eine Genehmigung.

Inzwischen hatte sie auch mit der ortsansässigen Realschule einen Unterstützer gewonnen. Am Tag der Einweihung führte Mechthild Hartung durch das Programm. Juri Vasunets hielt eine Rede, auch die Schule machte mit. SPD-Bürgermeister Karl Peter Ludwig, der auch Mitglied des Bulldog-Clubs ist, nahm nicht teil.

Jewrovision

Jung, laut, jüdisch

Eindrücke vom Wochenende in Stuttgart

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 21. Mai bis zum 3. Juni

 20.05.2026

Stuttgart

Sieg in Weiß mit »Gangsta’s Paradise«

Glitzer, Lampenfieber und große Botschaften: Bei der Jewrovision verwandelten Jugendliche aus ganz Deutschland Musik, Tanz und persönliche Geschichten in eine kraftvolle Show. JuJuBa holte den ersten Platz, gewonnen haben aber alle

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Meinung

Die Jewrovision sendet ein Signal

Bei dem Musikwettbewerb haben die Teilnehmer auch immer wieder den grassierenden Antisemitismus thematisiert. Die Politik muss die Angst jüdischer Kinder und Jugendlicher endlich ernst nehmen

von Nicole Dreyfus  20.05.2026

Konflikt

»Große Irritation« nach Gründung eines neuen liberalen Rabbinatsgericht

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die Union progressiver Juden haben ein Beit Din gegründet. Die Allgemeine Rabbinerkonferenz kritisiert den Schritt als »Spaltungsmanöver«

von Mascha Malburg  19.05.2026

In eigener Sache

»Jüdische Allgemeine« erhält Tacheles-Preis

Der Tacheles-Preis wird alle zwei Jahre an Personen oder Organisationen verliehen, die sich für die Sicherung einer jüdischen Zukunft in Deutschland einsetzen. Die Laudatio hält der neue WELT-Chefredakteur Helge Fuhst

 18.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Magdeburg

Synagogen-Gemeinde weiht neue Torarolle ein

Große Freude in der Magdeburger Synagoge: Nach mehr als 30 Jahren des Spendensammelns erhält die jüdische Gemeinde eine neue Torarolle, die in Israel von einem spezialisierten Schreiber angefertigt wurde

 18.05.2026