Standpunkte

»Souverän und klug«

Unter Freunden: Zentralratspräsident Dieter Graumann dankt Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihren Besuch. Foto: Rafael Herlich

Alfred Jacoby aus Offenbach empfand Angela Merkels Worte als »souverän und äußerst klug. Ihre Erklärungen waren verständlich und absolut logisch«. Er sprach damit auch die Einlassung der Kanzlerin zu einem möglichen NPD-Verbot an, das sie offenbar als weniger aussichtsreich betrachte.

Meinhard Tenné, ehemaliger Vorstandssprecher der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs und Integrationsbeauftragter des Zentralrats, zeigte sich begeistert von dem Auftritt Merkels: »Sie war ausgezeichnet und nimmt kein Blatt vor den Mund. Man spürte eine gegenseitige Akzeptanz.«

Ingrid Wettberg, Vorsitzende der liberalen Gemeinde Hannover, sagte: »Mir persönlich hat die Kanzlerin gutgetan. Sie hat die richtigen Worte gefunden und vor allem in dem angestrebten Beschneidungsgesetz für mich und für uns Juden Sicherheit signalisiert.«

Rabbiner Avichai Apel aus Dortmundzeigte sich tief beeindruckt: »Die Mitglieder der Orthodoxen Rabbinerkonferenz waren sehr aufgeregt und gespannt, freuten sich aber auch auf den Besuch der Kanzlerin. Das zeigte sich gestern auch ganz klar beim Kiddusch. Ihre Worte haben uns Sicherheit vermittelt. Dass sie ganz klar an der Seite Israels und für dessen Selbstverteidigungsrecht steht, ist für uns sehr bedeutungsvoll. Und wir fühlen uns als Juden gestärkt in Deutschland«, betonte der Rabbiner

Rabbiner Benjamin Soussan aus Magdeburg sah seine Wünsche erfüllt: »Die Erwartungen an den Besuch von Angela Merkel waren sehr hoch. Aber das, was wir live gehört haben, hat nicht nur dem entsprochen, was wir uns erhofft und was uns Zentralratspräsident Dieter Graumann in Aussicht gestellt hat, sondern hat es übertroffen. Es hat mir, dem jüdischen Menschen und dem Rabbiner, gutgetan. Sie ist sehr ehrlich gewesen, sie hat unter Freunden geredet, sehr offen. Solche Äußerungen zu Israel und zu den Juden in Deutschland wünschte ich mir viel häufiger!«

Josef Schuster aus Würzburg, Präsident des bayerischen Landesverbandes und Vizepräsident des Zentralrats, sah in den Worten der Kanzlerin ein wichtiges Signal für die Juden in Deutschland. »Die Tatsache, dass sie extra aus Berlin gekommen ist – und sie hat keinen weiteren Termin heute in Frankfurt –, ist nicht hoch genug einzuschätzen. Sie hat unsere Unsicherheiten, was die Bescheidung angeht, ganz klar beseitigt.« Vor allem sei ihre Authentizität wichtig gewesen, denn gerade in Hinblick auf das NPD-Verbotsverfahren habe sie ihre Skepsis über das Gelingen ganz klargemacht. »Sie hat kritische Worte gegenüber der israelischen Siedlungspolitik gefunden. Das zeigt, dass sie sich ehrlich Gedanken macht und nicht nur sagt, was wir gerne hören wollten.« Dies sei ein umso wichtigeres Signal in die jüdische Gemeinschaft Deutschlands.

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026

Porträt der Woche

Ich bin dankbar

Svitlana Petrovska überlebte die Nazis – und floh vor Putins Krieg nach Berlin

von Rob Savelberg  06.04.2026

Kahal Adass Jisroel

Platz für die Zukunft

Die Gemeinde in Berlin plant für 26 Millionen Euro ein neues Gemeinde- und Bildungszentrum

von Christine Schmitt  06.04.2026

Schwerin

Ein Denkmal für Willy

Der ehemalige Rabbiner William Wolff wird mit einer Statue geehrt

von Axel Seitz  06.04.2026

»Meet a Jew«

Viele Fragen

Marguerite und Benjamin sind zwei Freiwillige, die im Rahmen des Zentralratsprojektes mit Jugendlichen über das Judentum ins Gespräch kommen. So wie kürzlich in Spandau mit einer Box Mazzot

von Alicia Rust  06.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  06.04.2026

Jewrovision

Aller guten Moderatoren sind drei

Jung, dynamisch und schlagfertig: Ein Trio wird im Mai durch die Show führen

von Christine Schmitt  06.04.2026

Neukölln

Rechts und links der Sonnenallee

Ein Stadtspaziergang führt auf jüdischen Spuren durch den ehemaligen Arbeiterbezirk

von Pascal Beck  05.04.2026