Brandenburg/Havel

Schoa und »Euthanasie«

In Brandenburg an der Havel wurde am vergangenen Freitag eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die »Euthanasie«-Morde der »Aktion T4« eröffnet. Die Havelstadt war bislang der letzte authentische Ort der »Euthanasie«-Morde gewesen, an dem es noch keine Gedenkstätte gegeben hatte. Der Bund und das Land Brandenburg sicherten die Finanzierung.

Unter anderem hielten Margret Hamm vom Bundesverband der »Euthanasie«-Geschädigten und Zwangssterilisierten, Ingeborg Berggreen-Merkel, Repräsentantin des Bundes, Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin Brandenburgs, und Landesfinanzminister Helmuth Markov Ansprachen. Rabbiner Nachum Pressman, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde der Stadt Brandenburg, Feliks Byelyenkov, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, sowie Mitglieder der Jüdischen Gemeinden Potsdam und Brandenburg waren bei der Einweihungszeremonie ebenfalls anwesend.

Zusammenhänge Rund 9.000 Menschen sind allein hier von Januar bis Oktober 1940 in der Gaskammer erstickt worden. Jetzt gibt es endlich eine Ausstellung, die die Zusammenhänge thematisiert, nachdem der Historiker Henry Friedlander mit seinen Forschungen schon lange die Verflechtung der »Euthanasie« mit der Schoa belegt.

Bereits 1997 wurde auf dem Gelände des Alten Zuchthauses eine Freiluftausstellung präsentiert. Dort allerdings wurde der Zusammenhang zwischen den Gasmorden im Rahmen des »Euthanasie«-Programms und den späteren Massenmorden an Juden in den Gaskammern der Vernichtungslager kaum thematisiert.

Die jetzt eröffnete neue Gedenkstätte im original erhaltenen Werkstattgebäude des Alten Zuchthauses hingegen bietet der Auseinandersetzung mit den historischen Tatsachen viel Raum. Besonders hervorzuheben ist, dass die Opfer in einem ausliegenden Gedenkbuch benannt werden – unter ihnen 836 jüdische. Der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, vor allem ihrem Direktor Günter Morsch und der Kuratorin Astrid Ley, ist damit mehr als eine Geste gegenüber den noch lebenden Angehörigen und Nachkommen gelungen.

In Brandenburg befand sich die Mordstätte mitten im Zentrum einer mittelgroßen Stadt, damals wie heute umspült vom öffentlichen Verkehr. Im Sommer und Herbst 1940 wurden hier auch jeweils über 400 Juden ermordet. Es waren – lange vor der Wannsee-Konferenz – die ersten Transporte von Juden direkt in den Gastod.

Die Entscheidung für den Massenmord durch Gas wurde Anfang Januar 1940 getroffen. »Zur Probe« hatte es bereits zuvor Vergasungen gegeben. Nahezu alle Angestellten der nachfolgenden »Aktion T4« waren später mit ihren dabei gewonnenen »Erfahrungen« an den Judenvernichtungen ab 1942 in Belzec, Sobibor und Treblinka beteiligt. pef

Memoiren

Charlotte Knobloch schreibt, warum sie »trotzdem weiter« macht

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Und legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Vorschau

Widderhorn im Dom und ein Hauch von »Yiddish Summer« - Festival »Shalom-Musik.Koeln«

Begegnungen, Neugier und Zuhören fördern - das wollen die Macher des Festivals »Shalom-Musik.Koeln«. Und reichlich Musik und Gesang auf die Bühne bringen. Der Verein hinter dem Festival bekommt dafür jetzt einen Preis

von Leticia Witte  20.08.2026

Essen

Challa, Suppe – und was noch?

Jeden Freitagabend, wenn der Schabbat beginnt, kommen die leckersten Speisen auf den Tisch. Wir haben nachgefragt, was neben den Hefezöpfen auf keinen Fall fehlen darf

von Katrin Richter  20.08.2026

Block-Prozess

Verteidiger: Ermittlungen zum Fall Block waren zu einseitig

Die Chefermittlerin im Fall Block hat ihre Zeugenbefragung abgeschlossen. Nur einer, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt

 19.08.2026

Aktion

»Kunst, Gedichte, gute Wünsche«

Die Juristin Katya Assaf-Zakharov über das Projekt »Du bist am Zug«, Teilhabe und persönliche Botschaften im Stadtbild von Berlin

von Christine Schmitt  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Berlin/München

Knobloch über AfD und NSDAP: »Vergleichen sollte man«

Die AfD bekommt Zulauf wie nie zuvor. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden fühlt sich an dunkle Zeiten erinnert

 19.08.2026

Anoha

Mit allen Sinnen

Im Museum erleben Kinder die Geschichte der Arche Noah spielerisch – und lernen dabei etwas über Vielfalt, Respekt und ein gutes Miteinander

von Alicia Rust  18.08.2026