Woche der Brüderlichkeit

Preis für Fair Play

Makkabi-Präsident Alon Meyer erkennt den Sport als Vorbild für die Gesellschaft. Foto: Rafael Herlich

Woche der Brüderlichkeit

Preis für Fair Play

Der Koordinierungsrat zeichnet Makkabi und Eintracht-Präsident Peter Fischer aus

von Claudia Irle-Utsch  03.03.2022 08:17 Uhr

Eine Persönlichkeit und ein Verband sind es, die am Sonntag in Osnabrück zum Auftakt der »Woche der Brüderlichkeit« 2022 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt werden. Die Persönlichkeit ist Peter Fischer, Präsident des Fußballklubs Eintracht Frankfurt, der Verband ist der Sportverein Makkabi Deutschland e.V.

Beide eint, dass sie sich starkmachen für ein respektvolles Miteinander und gegen Antisemitismus und Rassismus. Beide stehen sinnbildlich für eine Konkretisierung des Mottos der Woche der Brüderlichkeit in diesem Jahr: »Fair Play – Jeder Mensch zählt«. Es ist zugleich das Jahresthema des Deutschen Koordinierungsrats der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR).

Spiegelbild Damit möchte der Koordinierungsrat im Jahr 2022 den Sport als wichtigen Ort der Begegnung und des menschlichen Miteinanders in den Blick nehmen, wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt. Schließlich sei der Sport in vielerlei Hinsicht »ein Spiegelbild der Gesellschaft«.

Das »Fair Play« gelte aber nicht allein als eine Haltung des gegenseitigen Respekts und der Verständigung auf Regeln im Sport, sondern auch für »unser Zusammenleben als Ganzes«, sagt Pfarrerin Ilona Klemens, die Generalsekretärin des Deutschen Koordinierungsrats, der seinen Sitz in Bad Nauheim hat, der Jüdischen Allgemeinen.

»Dabei schauen wir auch auf das Verhältnis von Sport und Politik. Wir stellen fest, dass der Sport zwar von Politik unterschieden, aber nicht von Politik getrennt werden kann. Die gerade zu Ende gegangenen Olympischen Winterspiele mit ihrem Austragungsort innerhalb der größten Diktatur der Welt haben uns das mehr als deutlich vor Augen geführt.«

Der Ukraine-Krieg macht das Jahresthema ungeplant aktuell.

Die Tatsache, dass immer wieder und an vielen Orten in dieser Welt Demokratie, Menschenrechte und Menschenwürde mit Füßen getreten würden, wie es gerade in der Ukraine zu sehen sei, mache das Jahresthema ungeplant aktueller denn je. Was in schmerzhafter Weise zeige, wie gefährdet Grundwerte wie Respekt oder Fairness seien, und »dass man jeden Tag für sie kämpfen muss«.

Einer, der sich seit Jahren öffentlich sehr deutlich positioniert, ist Eintracht-Präsident Peter Fischer. Dass er nun mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet wird, sei für ihn eine große Ehre. Er nehme die Medaille »mit Stolz für den ganzen Verein entgegen«, so Fischer. »Denn wir stehen als große Eintracht-Familie für eine klare Haltung gegen Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus.« Das sei ablesbar an zahllosen Aktivitäten im Verein und in den Abteilungen, die diesen Werten Taten folgen ließen.

Sein persönliches Engagement sehe er als »eine logische Schlussfolgerung« der Vereinssatzung, in der schon vor seiner Zeit als Präsident »das klare Abgrenzen von Homophobie, Rassismus und Antisemitismus verankert« sei. Wer sich der Eintracht als Mitglied anschließe, verpflichte sich, »diese Werte anzuerkennen und zu beachten«. Und die seien mit den »Werten von Nazis« unvereinbar.

DROHUNGEN Auch mit Worten wie diesen, seiner Positionierung gegen die AfD und überhaupt gegen rechts, zog und zieht Peter Fischer Kritik, Drohungen und Hass auf sich. Ungeachtet dessen will er sich weiterhin für ein weltoffenes und tolerantes Wertesystem einsetzen – »mit allem, was mir zur Verfügung steht«. Dass Peter Fischer aus seiner klaren Haltung kein Hehl macht, dass er »Kante zeigt«, würde sich Alon Meyer von allen wünschen, »die eine gewisse Reichweite haben«.

Der Präsident von Makkabi Deutschland, als »waschechter Frankfurter« seit jüngster Kindheit Eintracht-Fan, ist gleichfalls stolz darauf, stellvertretend für seinen Verein die Buber-Rosenzweig-Medaille entgegennehmen zu können. Diese »Anerkennung unserer demokratiefördernden Arbeit – gerade auch mit unserem Projekt ›Zusammen1 – Für das, was uns verbindet‹ zur Antisemitismusbekämpfung im organisierten Sport – zeigt uns, dass wir etwas bewirken können und endlich als gesellschaftspolitischer Akteur wahrgenommen und akzeptiert werden«.

Mit seiner Positionierung gegen rechts zog Fischer Kritik und Hass auf sich.

Die Aufgaben von Makkabi Deutschland als jüdischem Sportverband in der Bundesrepublik gingen »weit über den Sport hinaus«, sagt Meyer. »Dieser Preis ist für uns alle, die sich gegen Diskriminierung und Gewalt einsetzen. Denn man darf nicht vergessen, dass unser Weg steinig ist und wir immer wieder aufs Neue gegen Widerstände ankämpfen müssen. Insofern ist dieser Preis auch ein Motivationsschub für uns alle!«

Gesellschaftspolitik Dabei sei der Ansatz zur Bekämpfung von Rassismus und Antisemitismus bei Makkabi Deutschland immer integrativ und inklusiv. Meyer: »Insbesondere der interreligiöse und interkulturelle Dialog wird bei uns großgeschrieben. Toleranz, Respekt und Fair Play stehen an oberster Stelle.« Es brauche allerdings noch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Thema.

»Man muss die Problemfelder Rassismus und Antisemitismus ganzheitlich angehen, dabei darf der Sport nicht auf sich allein gestellt sein. Es müssen weitere Brücken gebaut werden zwischen Bildungseinrichtungen, der Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen und dem organisierten Sport.«

Meyer ist überzeugt davon, »dass die große Mehrheit unserer Gesellschaft für die Werte Respekt und Toleranz uneingeschränkt einsteht«. Gerade in jüngster Vergangenheit gebe es im Sport prominente Beispiele: »Denken wir an die in Regenbogenfarben angestrahlten Stadien, die Solidaritätsbekundungen in Form von Kniefällen oder daran, und das bewegt uns natürlich ganz besonders, dass ein ganzes Stadion ›Nazis raus‹ ruft als Reaktion auf Beleidigungen von Einzelpersonen und kleinen Gruppen gegen Spieler vermeintlich anderer Religion oder Herkunft.«

Weil es im Sport immer um ein sportliches Miteinander und nicht um ein Gegeneinander gehe, sei er das bestmögliche Vorbild für die gesamte Gesellschaft. Die »anständige, viel zu ruhige Mehrheitsgesellschaft« müsse lauter und aus ihrer Komfortzone gelockt werden. Und das betont Alon Meyer besonders: »Es liegt an uns!«

Laudatorin Die Laudatio auf Peter Fischer und Makkabi Deutschland e.V. hält am Sonntag die Journalistin und Filmemacherin Esther Schapira. In der Osnabrück-Halle erwartet wird auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Das ZDF überträgt die Eröffnungsfeier zur »Woche der Brüderlichkeit« ab 11.30 Uhr im Livestream, eine Zusammenfassung des Festakts folgt abends ab 23.45 Uhr.

Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird seit 1968 verliehen.

Die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille ist laut DKR-Generalsekretärin Ilona Klemens die »bedeutsamste Veranstaltung für den christlich-jüdischen Dialog in Deutschland«, sie gelte als die renommierteste Auszeichnung in diesem Bereich und würdige »Menschen und Institutionen, die sich gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für den Dialog zwischen Christen und Juden und darüber hinaus in der Gesellschaft verdient gemacht haben«.

Die Medaille wird seit 1968 verliehen, die Woche der Brüderlichkeit findet schon seit 1952 jährlich im März statt. Neben der zentralen Eröffnungsfeier führen die dem DKR angeschlossenen Gesellschaften jeweils vor Ort eigene Veranstaltungen durch. Das 70-jährige Bestehen soll im Juni im Rahmen einer Tagung samt Jubiläumsfeier in München begangen werden.

Meilenstein

Endlich Batmizwa

Unsere Autorin hatte vor Kurzem ihren großen Tag. Wie sie sich darauf vorbereitet hat, was ihr Dvar Tora war und wie das Motto ihrer Party lautete, das hat sie uns erzählt

von Madeleine Prinz  13.10.2026

München

Einstimmige Zwiesprache

Kunstexperte Konrad Bernheimer stellte seine Familiengeschichte zwischen Südamerika und Deutschland in Briefen an den Vater vor

von Vivian Rosen  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026

Berlin

Guy Katz mit Margot-Friedländer-Preis ausgezeichnet

Geehrt wurden neben dem Hochschullehrer, eine Europaschule und ein Projekt des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend

 13.10.2026

Frankfurt

Vielfalt an Stimmen

Erstmals wurde der Georg-Stefan-Troller-Preis vergeben - auch an zwei Journalisten der Jüdischen Allgemeinen

von Anja Baumgart-Pietsch  12.10.2026

Berlin

Jüdische Kulturtage müssen Hauptausstellung absagen

Wegen einer Finanzierungslücke fällt die Ausstellung aus. Die Jüdische Gemeinde kritisiert die Förderentscheidung des Senats

 12.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Sachsen-Anhalt

So instrumentalisiert die AfD den Eklat von Halle

AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider geriert sich als Opfer »fanatisierter Studenten«. Eine Einordnung

von André Anchuelo  12.10.2026

Darmstadt

Musik, Schabbat und Comedy

Die Jüdischen Kulturwochen der Gemeinde bieten bis Anfang Dezember ein vielfältiges Programm

von Chris Meyer  12.10.2026

München

Fairness jenseits des Spielfelds

Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, war zu Gast in der Kultusgemeinde

von Luis Gruhler  12.10.2026