Berlin

Polizei zählt 862 Straftaten im Zusammenhang mit Nahost-Konflikt

Palästinenser sowie deren Unterstützer streiten sich bei einer Demo am 17. Oktober vor dem Brandenburger Tor mit der Polizei. Foto: picture alliance/dpa

Bis Freitagfrüh bearbeitete die Polizei nach eigenen Angaben seit dem 7. Oktober insgesamt 862 Straftaten im Kontext des Nahost-Konflikts. Dazu wurden bislang 343 Tatverdächtige ermittelt. Ob es sich dabei ausschließlich um Straftaten gegen Juden, jüdische Einrichtungen oder pro-israelische Demonstranten handelte, konnte die Polizei nicht sagen.

Pro-Palästina-Demos bleiben in Berlin erlaubt

Trotz angespannter Sicherheitslage in der Hauptstadt hat die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik mit Blick auf den Nahost-Konflikt das Recht auf Versammlungen in der Stadt bekräftigt.

Auch für pro-palästinensische Demonstrationen gelte die Versammlungsfreiheit, »so man keine Straftaten verübt«, sagte Slowik am Freitag im RBB-Inforadio.

Von 35 pro-palästinensischen Versammlungen, die seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober der Polizei angezeigt wurden, seien 17 untersagt worden, sagte Slowik. Sie trat damit dem Eindruck entgegen, pro-palästinensische Versammlungen würden grundsätzlich verboten.

Berlin wird laut Slowik seit dem 19. Oktober von der Bundespolizei und Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern unterstützt: »Das hilft sehr«, sagte die Polizeipräsidentin.

Zahlreiche Demos am Wochenende geplant

Auch für das Wochenende würden zahlreiche Versammlungen erwartet, »teilweise sind sie angezeigt, teilweise haben wir sie untersagt«, sagte sie weiter. Zudem würden angekündigte Aktionen der Gruppe »Letzte Generation« Einsatzkräfte binden. Diese zusätzliche Belastung würde sie gerne vermeiden. Aber die Polizei gehe damit professionell um und werde die Aufgabe zügig abarbeiten. Klimaaktivisten der »Letzten Generation« riefen für Samstag zu einer »Massenbesetzung« der Straße des 17. Juni in Berlin auf.

Neben der Begleitung von Versammlungen und Demonstrationen ist die Berliner Polizei unter anderem auch für den Schutz von 1.000 Gebäuden und Liegenschaften zuständig, darunter 150 »israelisch-jüdische«, wie Slowik sagte.

Für Freitagabend hatte die Berliner Polizei eine weitere Demonstration verboten. Nach Bewertung aller Umstände und Abwägung sämtlicher Interessen seien die auf dem Alexanderplatz geplante Versammlung »Berliner Kinder für Gaza-Kinder« sowie Ersatzveranstaltungen bis einschließlich 6. November verboten worden.

Zur Begründung wurde auf die unmittelbare Gefahr volksverhetzender oder antisemitischer Ausrufe, von Gewaltverherrlichungen oder Gewalttätigkeiten hingewiesen.

74-Jähriger spuckt auf Stolpersteine in Berlin-Wilmersdorf

Am Donnerstag und in der Nacht zu Freitag war die Polizei in Berlin wegen möglicher Versammlungen im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt mit knapp 500 Beamtinnen und Beamten im Einsatz.

Dabei sei es ruhig geblieben. Weder sei es zu Festnahmen, noch zu verletzten Polizisten gekommen.

Eine Kundgebung am Rathaus Neukölln unter dem Motto »Stoppt den Flächenbrand in Nahost« am Donnerstag mit rund 150 Teilnehmern sei störungsfrei verlaufen. Zudem wurden vereinzelt Sachbeschädigungen etwa in Form von israelfeindlichen und pro-palästinensischen Schriftzügen festgestellt. Am Bundesplatz spuckte ein 74-Jähriger auf sogenannte Stolpersteine mit den Namen von Holocaust-Opfern. Die Polizei nahm seine Personalien auf. Der Polizeiliche Staatsschutz übernahm die Ermittlungen zu allen Vorkommnissen. epd/ja

Holocaust-Gedenktag

»Mama, wo sind all die Menschen?«

Tova Friedman sprach im Deutschen Bundestag über ihre Deportation nach Auschwitz, das Grauen im KZ und darüber, was das Überleben mit ihr gemacht hat. Wir dokumentieren ihre Rede

von Tova Friedman  28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Meinung

Was würden Saba und Safta sagen?

Sie würden uns zurufen: »Wehrt euch gegen diesen Hass! Schließt euch mit denen zusammen, die in Deutschland bisher schweigen, aber dennoch die Mehrheit darstellen«

von Avitall Gerstetter  28.01.2026

Berlin

Feuer im Jüdischen Krankenhaus: Kein antisemitisches Motiv

In der Nacht kommt es zu einem Feueralarm. Ein Patient steht im Verdacht, einen Brand verursacht zu haben. Viele Details sind weiterhin unklar

 28.01.2026 Aktualisiert

Gedenken

Union Berlin und Hertha BSC gedenken gemeinsam der Holocaust-Opfer

Am internationalen Holocaust-Gedenktag erinnerten die beiden Stadtrivalen Hertha BSC und Union Berlin gemeinsam an die Deportationen, die in der NS-Zeit vom S-Bahnhof Grunewald ausgingen Beide Vereine mahnten zum Vertrauen in die Demokratie

 27.01.2026

Gedenken

Iris Berben erinnert an Schoa-Überlebende Margot Friedländer

Die Schauspielerin engagiert sich im Projekt »Ich bin Zweitzeugin von...«. So soll die Erinnerung an die Überlebenden des Holocaust wach bleiben

von Anita Hirschbeck  27.01.2026

Studien

Trauma, Resilienz und Lebenswille: Warum manche Schoa-Überlebende so alt werden

Die Forschung ist einem bemerkenswerten Phänomen auf der Spur: Viele Überlebende des Holocausts werden auffallend alt

 27.01.2026

Digitalisierung

Avatare gegen das Vergessen

Wie soll in Zukunft an die Schoa erinnert werden? Eine Konferenz hat sich unter anderem mit dieser Frage auseinandergesetzt und ein Hologramm der Zeitzeugin Eva Umlauf vorgestellt

von Helmut Kuhn  26.01.2026

Berlin

Vorzeigeprojekt »Kanaan« meldet Insolvenz an

Das israelisch-palästinensische Restaurant im Stadtteil Prenzlauer Berg stellt seinen Restaurantbetrieb bald ein

 26.01.2026