Jeremy Issacharoff

»München ist ein wichtiger Partner«

Israels Botschafter Jeremy Issacharoff und IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch Foto: Marina Maisel

Herr Issacharoff, Sie haben in diesen Tagen zum ersten Mal die IKG besucht. War es auch Ihr erster Besuch in München?
Nein, ich war bereits einige Male in der Stadt, unter anderem im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz. Außer dem Flughafen oder schönen Sitzungsräumen habe ich jedoch leider nie viel gesehen. Mein sicherlich beeindruckendster Besuch war zuletzt mit Staatspräsident Reuven Rivlin anlässlich der Einweihung des neuen Gedenkorts für die Opfer des Olympiaattentats, die ermordeten israelischen Sportler und den deutschen Polizeibeamten. Danach haben wir gemeinsam mit Präsident Rivlin, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, dem bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer und Präsidentin Knobloch die KZ-Gedenkstätte in Dachau besucht. Das waren sehr intensive, eindringliche Stunden, die noch lange nachgewirkt haben.

Was denkt man in Israel, wenn man »München« hört?
Das Olympiaattentat ist unweigerlich eine spontane Assoziation. Es ist im kollektiven Bewusstsein noch sehr präsent. Und natürlich ist München mit Blick auf die Geschichte auch mit dem Aufstieg Hitlers und der NSDAP konnotiert. Aber ich bin guter Hoffnung – und habe absolut den Eindruck –, dass man in Israel heute München sehr wohl als wichtigen Partner sieht.

Inwiefern?
Es bestehen langjährige gute Kontakte, Kooperationen und Freundschaften auf allen Ebenen, politisch, akademisch, wirtschaftlich, wissenschaftlich, kulturell. Hierin erkennt man eine große Chance für beide Seiten. Ich werde mit München künftig auch die Rede von Bundespräsident Steinmeier verbinden, die er bei der Eröffnung des Gedenkorts Olympiaattentat 1972 gehalten hat. Er hat sehr eindringlich die deutsch-israelische Freundschaft beschrieben. Er hat klargemacht, dass Antisemitismus in Deutschland keinen Platz haben darf und dass es eine historische Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel gibt. Dies sei das deutsche Narrativ, es gelte uneingeschränkt und es müsse auch von all jenen akzeptiert und mitgetragen werden, die neu in dieses Land ziehen. Das war eine wichtige Rede.

Was sehen Sie als größte Herausforderung während Ihrer Amtszeit?
Ich habe es mir zum Ziel gemacht und werde in den nächsten Jahren all meine Kraft dafür aufbringen, das israelisch-deutsche Verhältnis strategisch und systematisch auf den verschiedensten Ebenen zu stärken. Es gibt so viele wichtige Felder der Zusammenarbeit, wertvolle Kooperationen, gemeinsame Innovationen, gemeinsame Anstrengungen in den Bereichen Politik, Sicherheit, Terrorbekämpfung. Diese verschiedenen Anknüpfungspunkte der Gemeinschaftlichkeit möchte ich ausbauen, stabilisieren und strategisch aufstellen.

Wenn Sie Israel in zwei Sätzen erklären müssten – was würden Sie sagen?
Meine Eltern sind beide in Israel geboren und aufgewachsen. Sie hatten, Gott sei Dank, keine unmittelbaren eigenen Erfahrungen mit der Schoa. Wenn man sich bewusst und nachdenklich mit der Vergangenheit, aber auch mit der Gegenwart auseinandersetzt – und das tue ich –, wird einem klar, und zwar immer mehr, wie essenziell es ist, dass das jüdische Volk eine eigene, unabhängige Heimat hat. Das ist eine persönliche, aber auch eine nationale Erkenntnis.

Sie sind in London geboren – was bedeutet der »Brexit« für Sie, was bedeutet Europa für Sie und für Israel?
Es gab und gibt starke Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Ich hoffe, dass das auch so bleiben wird, dass wir unser gutes Verhältnis mit den Briten fortsetzen.

Mit dem israelischen Botschafter in Deutschland sprach Aaron Buck.

Erinnerung

Verantwortung lebt weiter

In Dachau fand kurz vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag erstmals ein »March of the Living« statt

von Esther Martel  09.02.2026

Lerntool

Timothée Chalamet, Batmizwa und eine Davidstern-Kette

»Sich be-kennen«: Der Zentralrat der Juden bietet einen interaktiven Onlinekurs über die Vielfalt des Judentums für Schulen und interessierte Gruppen an

von Helmut Kuhn  09.02.2026

Berlin-Neukölln

Kritik am Kandidaten

Ahmed Abed sorgte jüngst für einen Eklat, als er einen israelischen Gast als »Völkermörder« beschimpfte. Doch bei der Linkspartei steht der Politiker mit palästinensischen Wurzeln hoch im Kurs

von Imanuel Marcus  09.02.2026

Restitution

Uni Frankfurt übergibt erstmals NS-Raubgut an Jüdische Gemeinde

Seit gut fünf Jahren durchforstet die Universitätsbibliothek in Frankfurt ihre Bestände systematisch nach Raubgut aus der NS-Zeit. Das Projekt trägt nun Früchte - und ist noch lange nicht abgeschlossen

 09.02.2026

Berlin

Lesen, Lernen, Spaß

Der Saftblatt-Baum stand im Mittelpunkt der Erzählstunde des Projekts PJ Library

von Naomi Gronenberg  08.02.2026

Wettbewerb

»Kein Reichtum ist größer«

Aus 13 Ländern kamen Jugendliche zum europäischen Finale des Bibelquiz Chidon Hatanach in München

von Esther Martel  08.02.2026

Porträt der Woche

Der Geheimnisträger

Leonid Komissarenko war Rüstungstechniker – und emigrierte, um seine Frau zu retten

von Anja Bochtler  08.02.2026

Engagement

Grenzenlose Solidarität

Spenden und Gespräche: Die jüdische Community ist schockiert über die dramatische Lage in der Ukraine und hilft – jeder so, wie er kann

von Christine Schmitt  05.02.2026

Gesellschaft

Einfach machen!

Seit dem Jahr 2000 zeichnet die amerikanische Obermayer Foundation ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger aus. So wie am vergangenen Sonntag im Jüdischen Museum in Berlin

von Katrin Richter  05.02.2026