Nachruf

Liberaler Brückenbauer

Horst Dahlhaus (1927–2017) Foto: PR

Nachruf

Liberaler Brückenbauer

Als Mitbegründer der DIG prägte Horst Dahlhaus jahrzehntelang das deutsch-israelische Verhältnis mit

von Roland Kaufhold  27.02.2017 19:22 Uhr

Horst Dahlhaus war immer voller Ideen und Pläne, bis ins hohe Alter. Er war stets gut gelaunt, agil, hintergründig und voller Humor. Am 5. Februar ist er im Alter von 89 Jahren verstorben.

1927 in Voerde geboren, erlebte er den Zweiten Weltkrieg als traumatische Erfahrung. Im Herbst 1945 wurde er 18-jährig aus der Kriegsgefangenschaft befreit und sah danach Bilder von der Befreiung der Konzentrationslager. »Ich stand unter dem erschütternden Eindruck der Bilder – ein Schock, der mich sehr belastet hat, noch lange nachwirkte und mein Leben geprägt hat«, schrieb Horst Dahlhaus vor wenigen Monaten. Der »Wunsch, mich an Versöhnungsarbeit zu beteiligen«, war groß.

1955 schloss er sein Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln ab und arbeitete in der Rheinischen Kirche im Bereich der Sozialarbeit und Erwachsenenbildung. Die Verbindung zwischen seinem christlichen Glauben und der aktiven »Versöhnungsarbeit« mit Israel vermochte er bereits in diesem Rahmen zu verwirklichen.

Verpflichtung
Horst Dahlhaus gehörte 1966 zu den Begründern der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und zahlreicher weiterer Gruppen, die sich für den deutsch-israelischen Dialog einsetzten. Er empfand diese Arbeit als eine existenzielle Verpflichtung.

Dahlhaus engagierte sich im sozialliberalen Flügel der FDP – einer FDP, deren nationalliberaler Flügel um Ernst Achenbach seinerzeit als Interessenvertretung ehemaliger Nazis gelten musste. Gegen ihn kämpfte er – gemeinsam mit seinen Freunden Gerhart Baum und Peter Finkelgruen. 1967 war er Mitbegründer der Theodor-Heuss-Akademie, deren Leiter er für drei Jahre war. 1972 wurde er einer der Direktoren der Bundeszentrale für politische Bildung, was für ihn ein Traumberuf war: Regelmäßig organisierte »Mr. Israel« Studienreisen nach Israel und in die palästinensischen Gebiete und förderte bildungspolitische Publikationen über Israel und jüdische Themen. Hiermit gelang ihm der Brückenschlag zur jungen Generation.

1978 übernahm Horst Dahlhaus den Vorsitz der Bonner Arbeitsgemeinschaft der DIG und prägte sie für viele Jahre. Zahlreiche Kollegen vermochte er für Kontakte mit Israel zu begeistern.

Gespräche Als der Journalist Peter Finkelgruen in den 80er-Jahren Leiter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Jerusalem wurde, vertiefte sich ihre Zusammenarbeit in und mit Israel: »Ich denke aber auch an gute Gesprächsverbindungen mit den liberalen Parteien in Israel, von deren Mitgliedern viele aus Deutschland stammten und zum größten Teil schwere Zeiten erlebt hatten«, schrieb er Finkelgruen vor fünf Jahren. »Unvergesslich ist die Teilnahme des früheren israelischen Justizministers Pinhas Rosen, der jegliche Reisen nach Deutschland abgelehnt hatte, an einem Treffen mit Gästen aus Deutschland«, fügte er hinzu.

Nach seiner Pensionierung im Jahr 1992 ließ sein Engagement nicht nach: Horst Dahlhaus brachte sich im Bonner Umfeld in Vereinen wie der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, dem Nes-Ammim-Verein, dem Freundeskreis Yad Vashem, der Gedenkstätte in Bonn und der Städtepartnerschaft zwischen Sankt Augustin und Mevasseret Zion ein.

Ich selbst begegnete ihm als Autor und gelegentlich auch persönlich im Umfeld der Zeitschrift »Tribüne«, für die wir regelmäßig schrieben. Ein Besuch in seinem ländlich gelegenen Haus mit dem mehr als prachtvollen Garten ließ an einen Kibbuz denken.

Die Trauerfeier für Horst Dahlhaus findet am 3. März um 11 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Sankt Augustin statt. Seine Urne wird im engen Familienkreis beigesetzt.

Neujahr

Mit Tatkraft und Ausdauer

Gerade in diesen Zeiten müssen wir als jüdische Gemeinschaft die Werte der Demokratie verteidigen. Denn auch wir tragen Verantwortung – mehr denn je

von Charlotte Knobloch  11.09.2026

Berlin

Bundespräsident Steinmeier: Müssen alles daran setzen, Antisemitismus zu bekämpfen

»Es ist beschämend und darf uns niemals ruhen lassen, wenn Jüdinnen und Juden in Deutschland Anfeindungen auf der Straße oder in Universitäten ausgesetzt sind« schreibt Frank-Walter Steinmeier

 11.09.2026

Imkerei

»Bienen muss man respektieren«

Wie bei vielen Juden steht bei den Gempels zu Rosch Haschana Honig auf dem Tisch. Doch bei ihnen kommt er aus dem eigenen Garten. Ein Ausflug nach Leipzig

von Mascha Malburg  11.09.2026

Festival

Geliebte, Gesang und Gender

Ein Blick auf das fulminante Programm der 39. Jüdischen Kulturtage Berlin mit mehr als 40 Veranstaltungen

von Helmut Kuhn  11.09.2026

Dresden

Zurück am Hasenberg

Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit feiert die jüdische Gemeinde ihre Rückkehr in Synagoge und Gemeindezentrum

 11.09.2026

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  10.09.2026

Pro & Contra

Sollen jüdische Kinder nur noch auf jüdische Schulen?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Noga Hartmann, Marina Chernivsky  10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Rosch Haschana

Mehr Zeit, mehr Frieden, mehr Miteinander

Was wünschen sich Jüdinnen und Juden fürs neue Jahr? Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  10.09.2026